VfB bezwingt Schalke mit schnellen Angriffen

Gotoku Sakai (l.) vor  Ciprian Marica

Ibisevic erwischt einen "perfekten Tag"

VfB bezwingt Schalke mit schnellen Angriffen

Von Marcus Bark

Ein starkes Stück des VfB Stuttgart: Die Mannschaft überlässt dem FC Schalke 04 weitestgehend den Ball und schaltet dann viel schneller als der schnarchige Gegner. Eine Analyse.

Auf den Bildschirmen lief eine Zusammenfassung des Spiels zwischen Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg. Niederlagen des Revierrivalen werden beim FC Schalke in der Regel mit einem Grinsen wahrgenommen, zumal der Meister ein Konkurrent um die Tabellenplätze ist, die zur Teilnahme an der Champions League berechtigen. Am Samstagabend (08.12.12) aber starrten Jermaine Jones und Lars Unnerstall regungslos und traurig auf die Bilder. Nur Unnerstalls Torwartkollege Timo Hildebrand lächelte. Er hatte im Kabinengang Besuch von seiner Freundin und dem knapp ein Jahr alten Sohn erhalten. Bevor die Familie sich traf, hatte Hildebrand das 1:3 seines aktuellen bei seinem ehemaligen Klub kommentiert. Dabei war die königsgraue Einheitsmiene zu sehen. "Wir haben drei Kontertore bekommen. Das darf nicht passieren", sagte Hildebrand den passenden Einheitssatz dazu. Seinen zweiten von drei Treffern erzielte der überragende Vedad Ibisevic zwar durch einen Elfmeter, aber auch der resultierte aus einem der schwäbischen Schnellangriffe.

Stevens mit knurriger Miene

Vedad Ibisevic gibt nach dem Spiel gegen Schalke ein Interview

Stuttgarts dreifacher Torschütze Vedad Ibisevic: "Ein perfekter Tag"

Die knurrigste königsgraue Miene verzog Huub Stevens. Das ist der Normalfall in diesen schwierigen Schalker Bundesligazeiten, in denen zuletzt nur fünf von 21 möglichen Punkten geholt wurden. Warum läuft es gerade in den Auswärtsspielen so schlecht? Trainer Stevens bot während der Pressekonferenz eine simple wie richtige Erklärung an: "Wir haben viel zuviele Fehler gemacht."

Bruno Labbadia schien in die Detailanalyse der Partie zu gehen, als er vom "Umschaltspiel" sprach. Doch er lobte allen Ernstes das Schalker Umschaltspiel. Nun kann dem Stuttgarter Trainer zugutegehalten werden, dass er sich auf das Umschalten der Gelsenkirchener auf Offensive bezog, und das auch nur für die erste Halbzeit. Das gelang den Schalkern tatsächlich ganz gut, aber zur nötigen Balance gehört auch das Umschalten auf die Defensive, und dabei verhielten sich die Spieler von Stevens ganz schlecht. Bevor Manager Horst Heldt den Satz fortführte, den er mit "Unsere Rückwärtsbewegung war" begonnen hatte, legte er eine Kunstpause ein. Dann folgte: "nicht so vorhanden". Zurückhaltender hätte er sich kaum ausdrücken können. Schon in der zweiten Spielminute ergab sich für den VfB die erste Möglichkeit, in Überzahl auf das Tor von Hildebrand zuzulaufen. Sie wurde genutzt.

Schalke mit enger Raute

Stevens hatte seine Mannschaft in einem 4-4-2-System aufgestellt. Im Mittelfeld wurde eine enge Raute gebildet. So stand Roman Neustädter als einziger defensiver Mittelfeldspieler da, Jermaine Jones rückte auf die rechte Seite, rochierte dann häufiger mit Julian Draxler. In der Offensive sah das gut aus, Schalke kam schnell zum Ausgleich und bestimmte die Partie.

Das war von den Stuttgartern aber durchaus gewollt. Sie kamen letztlich nur auf 42 Prozent Ballbesitz. Aber wenn sie den Ball hatten, ging es über die Anspielstationen Raphael Holzhauser und Vedad Ibisevic sehr schnell nach vorne. Arthur Boka und Ibrahima Traoré brachten auf der linken Seite das physische Tempo ins Spiel. Das Dilemma der Schalker. Neustädter war im Zentrum allein überfordert, für Jones waren die Wege nach hinten systembedingt zu lang. Eine Umstellung auf ein 4-2-3-1 mit Marica im rechten Mittelfeld und Jones als zweitem "Sechser" wäre eine Option gewesen, die Stevens jedoch nicht zog. Neustädter umschiffte nach Ende des Spiels eine Antwort, ob dies besser gewesen wäre: "Da müssen Sie den Trainer fragen."

Interessant war, wie Stevens auf den Platzverweis gegen Stuttgarts Gotoku Sakai reagierte (67. Minute). Er brachte Tranquillo Barnetta, der einen weit vorgeschobenen rechten Verteidiger spielte. So ergab sich faktisch ein 2-3-2-2, mit dem eine schwache zweite Halbzeit noch gerettet werden sollte. Drei Minuten nach der Einwechslung Barnettas beendete Jones aber den Versuch, als auch er des Platzes verwiesen wurde.

Huntelaar nahm kaum am Spiel teil

Der VfB war den Gelsenkirchenern in seiner sehr variablen 4-1-4-1-Ordnung nicht nur systemtechnisch überlegen. Schalke hatte einige Spieler in der Mannschaft, die weit unter ihrer normalen Leistungsstärke blieben. Dazu zählte - wieder einmal - Klaas-Jan Huntelaar. Der niederländische Stürmer nahm kaum am Spiel teil. Er fiel als Anspielstation aus und auch als derjenige, der zum Abschluss kommt. Auf der anderen Seite stand mit Ibisevic ein Stürmer, der als Torjäger auftrat, aber auch seine technischen Fähigkeiten für die gewitzte Kontertaktik Labbadias bestens einsetzte. Er sprach später, als die Schalker regunglos auf die Bildschirme starrten, von "einem perfekten Tag".

VfB Stuttgart - FC Schalke 04 3:1

Bilder zum Spiel VfB Stuttgart - FC Schalke 04

Stuttgarter Jubel

Der Mann des Spiels heißt Vedad Ibisevic. Seine drei Treffer bringen dem VfB gegen Schalke den Sieg. Hier freut sich Mannschaftskollege Martin Harnik mit dem Bosnier.

Der Mann des Spiels heißt Vedad Ibisevic. Seine drei Treffer bringen dem VfB gegen Schalke den Sieg. Hier freut sich Mannschaftskollege Martin Harnik mit dem Bosnier.

Drei Tore und zwei Rote Karten sind die Bilanz eines packenden Bundesliganachmittags in Stuttgart. Zunächst muss Stuttgarts Sakai vom Feld.

Dann trifft es Schalkes Jones.

Die Szene, die zum vielleicht spielentscheidenden Strafstoß führt. Schalkes Christian Fuchs foult Stuttgarts Christian Gentner im Strafraum.

Ibisevic verwandelt den Elfmeter sicher zum zwischenzeitlichen 2:1.

Schalkes Benedikt Höwedes im Zweikampf mit Stuttgarts Ibrahima Traore.

Bleibt heute blass: Klaas Jan Huntelaar - hier im Zweikampf mit Stuttgarts Sakai.

Lewis Holtby ärgert sich nach einer vergebenen Chance.

Vedad Ibisevic gibt nach dem Spiel gegen Schalke ein Interview Play-Icon

Stimmen zum Spiel Stuttgart - Schalke (3:1) | 02:08 min | 08.12.2012 | Sportschau | Das Erste

Huub Stevens spricht auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Stuttgart Play-Icon

Pressekonferenz mit Bruno Labbadia und Huub Stevens | 03:32 min | 08.12.2012 | Sportschau | Das Erste

Stand: 08.12.2012, 21:00