Fleischlos in der Bundesliga

Vegane Ernährung in der Bundesliga: Thomas Tuchel

Neuer Trendsetter im deutschen Fußball

Fleischlos in der Bundesliga

Von Frank Hellmann

Vegane Ernährung liegt im Trend und macht auch vor Profifußballern nicht Halt. Mittlerweile gibt es prominente Beispiele, die auf tierische Produkte vollkommen verzichten. Und sich damit besser fühlen.

Mittlerweile sind die prominenten Profis bei Borussia Dortmund die Fragen gewohnt. Und die Antworten erfolgen routiniert. Ob bei Mats Hummels, Ilkay Gündogan, Marcel Schmelzer und nicht zuletzt bei Trainer Thomas Tuchel. Denn es ist offenkundig, dass beim westfälischen Bundesligisten nicht nur eine fußballerisch andere Philosophie Einzug gehalten hat, sondern auch ernährungstechnisch eine andere Anschauung den Alltag bestimmt. "Normale Milch konsumiere ich beinahe gar nicht mehr, Käse auch viel weniger. Und ich versuche, nicht jeden Tag Fisch oder Fleisch zu essen", verriet Hummels in der "Welt".

Er ernähre sich noch nicht vegan, betonte der Nationalspieler, habe aber einige Lebensmittel aus diesem Bereich in seinen Haushalt aufgenommen. Beispielsweise Sojamilch. Und wenn in Dortmund beim gemeinsamen Essen Quinoa, die eiweißreichen Samen von Gänsefußgewächsen, auf den Tisch komme, dann schmecke das fantastisch lecker.

Reformierte Speisepläne in Dortmund

Hummels räumte öffentlich ein, dass er nach einer Verletzungspause nach der WM mit Übergewicht zu kämpfen hatte, vier Kilo zu viel seien vergangene Saison zu viel auf den Rippen gewesen. Er ist nicht der einzige Nationalspieler, der bei den Schwarz-Gelben schmaler und schlanker aussieht. "Wir nehmen deutlich weniger Zucker zu uns, vor allem in den Getränken", bestätigt Verteidiger Schmelzer. Und auch Antreiber Gündogan sprach im "Kicker"-Interview von einer Gewichtsreduktion von rund vier Kilo. "Ich habe ein paar Sachen umgestellt. Der Trainer hat diesbezüglich einiges eingebracht, das er für richtig hält." Tuchel selbst lebt in dieser Hinsicht beinahe Askese vor, hat die Speisepläne reformiert, viele Ernährungsanregungen gegeben. Vorbei, dass der Pasta-Service am Trainingszentrum in Dortmund-Brackel vorfuhr.

Kaum noch Milchprodukte in Frankfurt

Der BVB ist sicherlich das hervorstechendste Beispiel in der Bundesliga, aber beileibe kein Einzelfall. Auch bei Eintracht Frankfurt erfolgte eine Umkehr von den gewohnten Gepflogenheiten. Seit vor vier Jahren der Fitness- und Konditionstrainer Christian Kolodziej kam, sind die Sinne für gesunde Ernährung geschärft. Seit dieser Saison mehr denn je. Vom Speiseplan sind vor einem Bundesligaspiel Milchprodukte stark eingeschränkt, auch Weizenprodukte sind gestrichen. Statt früher Milchreis oder Joghurt werden lieber Sojaprodukte oder Dinkelmilch offeriert.

"Generell ist tierische Ernährung für den Körper nicht gut", erklärt Kolodziej. "Führende Universitäten empfehlen eine pflanzliche Ernährung und raten nicht umsonst von Milchprodukten ab, die für den Säure-Base-Haushalt schädlich sind. Dieser Trend basiert also auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und stellt keine Esoterik dar." Der Sportwissenschaftlicher sieht in der Bundesliga einen generellen Trend und würde sich am liebsten zehn Eintracht-Profis wünschen, die sich vegan ernähren - er weiß aber, dass er Akteure Anfang 30 kaum mehr umerziehen kann. Aber mit jungen Spielerin wie Luca Waldschmidt oder Marc Stendera ging er immerhin schon in ein veganes Restaurant, um sie auf einen anderen Geschmack zu bringen.

Keine Muskelverletzungen in Darmstadt

Vegane Ernährung in der Bundesliga

Sailer und Stroh-Engel von Darmstadt 98

Ähnlich läuft es beim Aufsteiger SV Darmstadt 98, dessen Teamarzt Klaus Pöttgen in der neuen "sportärztezeitung", die diese Woche erstmals erscheint, einen Beitrag zum Thema "Fleischlos in der Bundesliga" verfasst hat. Der lange im Triathlon tätige Pöttgen beschreibt darin die Grundlagen einer sportgerechten Ernährung und die Möglichkeiten des Fleischverzichts auch für hochklassige Fußballspieler. Markantestes Beispiel bei den "Lilien" ist Bartträger Marco Sailer, der sich komplett vegan ernährt - auf Anraten seiner Freundin. Unterstützt vom medizinischen Team des Bundesligisten nimmt der 29-Jährige hochwertige Nahrungsergänzungsmittel - vor allem vegane Eiweißriegel und Eiweißpulver - zu sich, um jede Art von Nährstoffmangel zu vermeiden.

Dass die Versorgung funktioniert, würden Sailers Körper- und Blutwerte beweisen, schreibt Pöttgen in dem Beitrag. Der Publikumsliebling, der mit dem Klub von der Dritten Liga bis in die Bundesliga durchmarschierte, spricht von einem positiven Feedback seines Körpers, regeneriert nach eigenem Bekunden sogar schneller. "Ich fühle mich fitter, stärker, einfach besser." Und auch der Bart wächst weiter.

Keine Bananen vorher - dafür Proteinriegel nachher

Vegane Ernährung in der Bundesliga

Durm isst Banane

Pöttgen erläutert, dass er von internistischer Seite viel verändert habe, "was Ernährung im Training, beim Spiel und bei Verletzungen angeht". Einfaches Beispiel: Zwei Stunden vor dem Spiel wird letztmals feste Nahrung zugeführt, dann nur noch Drinks oder Energiegels. Proteinriegel und Shakes sind direkt nach dem Training einzunehmen, erklärt Pöttgen. "Bananen und Kuchen vor dem Spiel oder in der Halbzeit gehören bei uns nicht in die Kabine." Dirk Schuster lässt seinen Experten auf diesem Gebiet freie Hand. "Teamwork spielt bei uns eine extrem wichtige Rolle", sagt der Cheftrainer in der "sportärztezeitung". Deren Initiator ist Robert Erbeldinger.

Der diplomierte Sportwissenschaftler sieht den Aufsteiger nach seiner Auffassung sogar als beispielhaft an. "Wenn die Verantwortlichen bereit sind, Kompetenzen abzugeben, kann so etwas wie in Darmstadt geschehen: Der Verein hat seit fast zwei Jahren kaum Muskelverletzungen zu beklagen. Die Zahl ist äußerst gering dort. Das ist im Fußball selten. Das ist kein Zufall." Und hat eben viel mit der Ernährung zu tun.

Stand: 13.10.2015, 08:00

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