Bayern - Totale Dominanz

Mario Mandzukic

Nicht mal von der eigenen Bank droht Gefahr für den Titel

Bayern - Totale Dominanz

Von Christian Hornung

Mit seiner Warnung, der Weihnachtsmann sei nicht der Osterhase, wollte Uli Hoeneß einmal verfrühte Glückwünsche abwehren. Diesmal kann die Konkurrenz schon jetzt gratulieren.

Allein diese Ersatzbank. Da sitzen nebeneinander aufgereiht die Topstars Gomez, Robben, Boateng, Shaqiri, Timoschtschuk und Rafinha. Wenn man noch einen Badstuber, Pizarro oder Luiz Gustavo hinzudenkt, wäre dieses Personal vielleicht sogar geeignet, der aktuellen Bayern-Besetzung ernsthaft Widerstand im Kampf um die Meisterschaft zu leisten. Dass es bei Jupp Heynckes aber nichtmal für die Startelf reicht, ist nur ein Beleg von vielen, der die Chancenlosigkeit der Konkurrenz in dieser Saison dokumentiert. Wohl nur die Bayern könnten den Bayern in dieser Spielzeit den ersten Platz streitig machen. Aber es spricht nichts dafür, dass sie den Verfolgern diesen Gefallen tun.

VfB Stuttgart - FC Bayern München 0:2

Der FC Bayern hat mit einer souveränen Vorstellung in Stuttgart weitere drei Punkte eingefahren.

Szenen der Partie  VfB Stuttgart - Bayern München

Geht doch: Thomas Müller feiert sich und seinen Treffer zum 2:0 beim VfB Stuttgart.

Geht doch: Thomas Müller feiert sich und seinen Treffer zum 2:0 beim VfB Stuttgart.

Guten Flug: Im Zweikampf mit Bastian Schweinstieiger (Hi.) geht Shinji Okazaki zu Boden.

Duell auf Augenhöhe: Martin Harnik und David Alaba im Zweikampf. Das verbindende in dieser Situation: Beide spielen in der österreichischen Nationalmannschaft.

Immer wieder Harnik: Der Österreicher ist der beste Stuttgarter in der Partie gegen den FC Bayern. Um ein Haar wäre ihm in der ersten Halbzeit der Führungstreffer gelungen.

Zum Haareausraufen: Auch Daniel van Buyten stellt sich Martin Harnik ein uns andere Mal in den Weg.

Abgemeldet: Hoffnungsträger Vedad Ibisevic (h.) hat so gut wie keine gelungene Szene und kann folglich seine Torjägerkünste nicht unter Beweis stellen.

Harnik zum Dritten: Wegen wiederholten Foulspiels sieht der Stuttgarter Aktivposten Gelbrot.

Hat nicht gereicht: Trotz aller taktischen Vorbereitung muss Bruno Labbadia die Niederlage seines VfB gegen die Münchner eingestehen.

Rekord-Bayern: Im neunten Auswärtsspiel der Saison bleiben die Münchner ungeschlagen. Es ist die beste Auswärtsbilanz der Vereinsgeschichte zum gegenwärtigen Saison-Zeitpunkt: acht Siege, ein Unentschieden.

Gewohnte Demonstration

Das 2:0 in Stuttgart am Sonntag (27.01.13) war eine nahtlose Fortsetzung der inzwischen schon zur Gewohnheit gewordenenen Demonstration Münchener (Auswärts)-stärke. Es war kein glänzender Auftritt, keine rauschende Ballnacht. Aber dominant und souverän. Das defensive Mittelfeld mit Javier Martinez und Bastian Schweinsteiger nahm der Viererkette fast die gesamte Arbeit ab. Im ersten Durchgang konnte der VfB nur zwei gefährliche Konter anbringen, die Shinji Okazaki und Martin Harnik aber nicht nutzten. Nach dem Wiederanpfiff nutzte Mario Mandzukic den ersten Fehler der bis dahin ordentlich verteidigenden Stuttgarter. Danach gestatteten die Bayern dem Team von Bruno Labbadia nie mehr die Rückkehr ins Spiel.

"Das war traurig"

Normalerweise gewinnt eine Mannschaft, die in Rückstand liegt, zumindest beim Ballbesitz die Oberhand, weil sie den Druck erhöhen muss. Gegen die Bayern war das an diesem Tag einfach nicht möglich: Am Ende hatte der Gast mal wieder knapp zwei Drittel der Spielanteile (64 Prozent). Auch bei den Zweikämpfen, die ein unterlegener Gegner normalerweise doppelt engagiert führen sollte, war dem Rekordmeister nicht beizukommen: 58 Prozent gingen an die Gäste. Cristiano Molinaro, der Mandzukic das 1:0 durch seinen schlampig gespielten Rückpass ermöglicht hatte, stellte sich nach der Partie tapfer den Journalisten. Und wunderte sich: "Nach meinem Fehler sind wir fast gar nicht mehr an den Ball gekommen. Wir hatten keine Torchance mehr, das war traurig."

Christian Gentner, Javier Martinez Play-Icon Audio-Icon

Die Schlussphase der Partie Stuttgart - München | 03:20 min | 27.01.2013 | WDR 2 am Sonntag mit Liga Live

Auch Martin Harnik zuckte nur ratlos mit den Schultern: "Wer weiß, wie es gelaufen wäre, wenn mein Pfostenkopfball reingeht. Ein Punkt war definitiv drin. Aber es war unheimlich schwer, bei denen durchzukommen. Die haben diese Ruhe. Und es ist schon sehr stark, wie die verteidigen. Wenn du an einem vorbei bist, ist direkt der nächste da."

Dass sich Manuel Neuer auf fremden Plätzen dermaßen auf die kompakte Zusammenarbeit seiner Vorderleute verlassen konnte, ist ebenfalls nicht neu. In acht von neun Spielen kassierte er keinen Treffer, nur ein Auswärtsgegentor bis zum 19. Spieltag hat es in der Bundesliga-Historie noch nicht gegeben.

Martin Harnik

Ratlos am Boden: Martin Harnik erkennt die Stuttgarter Chancenlosigkeit gegen Bayern an.

"Wir sind nicht Jäger, sondern nur Beobachter", sagt Jürgen Klopp angesichts der zwölf Punkte Rückstand, die sich auch durch den Traumstart der Dortmunder in die Rückrunde mit sechs Punkten und 8:0 Toren nicht verringert haben. Falls er die Bayern mit dieser Aussage in Sicherheit wiegen oder gar zum Leichtsinn verführen wollte, kann Klopp dieses Ansinnen nach dem Stuttgart-Spiel gleich wieder eintüten. Die Münchener wirken nicht so, als würden sich von irgendwelchen Externa beeindrucken lassen.

Heynckes wechselt spät - und nur zweimal

Jupp Heynckes scheint auch überhaupt nicht die Notwendigkeit zu sehen, den Hausfrieden durch irgendwelche Alibiaktionen aufrecht zu erhalten. Sonst hätte er in Stuttgart, wo die Partie spätestens nach dem 2:0 durch Thomas Müller in der 72. Minute entschieden war, seinen Ersatzspielern Einsatzzeit geschenkt, um sie bei Laune zu halten. Doch der Bayern-Coach wartete bis zur 88. Minute mit dem ersten Wechsel (Shaqiri für Ribéry), Mario Gomez durfte gegen seinen Ex-Klub erst ab der 89. Minute auf den Platz. Auf den dritten Tausch verzichtete Heynckes sogar ganz. Arjen Robben schien von dieser Maßnahme natürlich wenig begeistert, noch lange lehnte er nach dem Schlusspfiff mit versteinerte Miene an einem Gitter, ehe er wortlos an den Medienvertretern vorbeistapfte. Was sollte er auch sagen?

"Keine Egoismen zulassen"

Matthias Sammer wäre sicher nicht der richtige Ansprechpartner, um irgendwelchen Unmut zu artikulieren. Der Bayern-Manager stellte vor der Abfahrt nach München noch einmal unmissverständlich klar: "Das Momentum spricht derzeit für die Spieler, die in der Startelf stehen. Wir werden aber noch jeden in diesem Team brauchen, wir gehen unseren Weg weiter, es liegen noch schwere Aufgaben vor uns. Es wird hier keine Unruhe geben, denn wir werden hier mit Sicherheit nicht mal den Ansatz von Egoismen zulassen."

Dass hört sich also nicht so an, als würde von der Bayern-Bank in dieser Spielzeit noch Gefahr für den Erfolg der Bayern drohen. Wenn Sammer Recht behält, kann die Konkurrenz tatsächlich schon jetzt zum Titel gratulieren.