Spektakel in Wolfsburg ohne Sieger

Maximilian Arnold (Mitte) verfolgt den Herthaner Valentino Lazaro (r.)

VfL Wolfsburg - Hertha BSC 3:3

Spektakel in Wolfsburg ohne Sieger

Ein Gegentor nach nur 20 Sekunden, ein verschossener Elfmeter und zwei aberkannte Treffer nach Video-Beweis - trotzdem hatte der VfL Wolfsburg gegen Hertha BSC den Sieg vor Augen. Es reichte dann aber doch nicht, weil Berlin noch einen entscheidenden Joker zog.

Wolfsburg gegen Hertha - das hörte sich im Vorfeld nicht unbedingt nach dem ganz großen Spektakel an. Es kam komplett anders. Allein die erste Hälfte beim 3:3 (2:1) am Sonntag (05.11.2017) war vollgepackt mit allem, was der Fußball derzeit so bieten kann - inklusive technischer Unterstützung aus dem berühmten Kölner Video-Keller.

Selke spricht von Glück

"Es war ein verrücktes Spiel", analysierte Hertha-Trainer Pal Dardai. "In der ersten Halbzeit war Wolfsburg klar besser, wir haben nach unserer Führung zu wenig Fußball gespielt. Der zweite Durchgang war dann besser, immer wenn der Ball schnell lief, hatte Wolfsburg große Probleme. Am Ende kann man aber zufrieden sein." Berlins Stürmer Davie Selke gab zu: "Es war schon ein glücklicher Punkt für uns. Wolfsburg hat echt ein gutes Spiel gemacht, wir haben versucht dagegenzuhalten. Den Punkt nehmen wir wirklich gerne mit."

VfL-Angreifer Mario Gomez urteilte: "Das habe ich noch nie erlebt. Wir mussten in der ersten Halbzeit schon vier Tore machen, das war grandios. Was uns nicht passieren darf, ist, dass wir in beiden Durchgängen die Startphase verschlafen, sonst hätten wir das Spiel auf jeden Fall für uns entschieden." Coach Martin Schmidt sah es ähnlich: "Wir haben den Sieg nicht vorne, sondern in der Defensive verschenkt. Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, die Ursache bei äußeren Umständen wie dem Video-Assistenten zu suchen, es gibt genug, was wir selbst beeinflussen und verbessern können."

Mario Gomez: "Vielleicht müssen wir uns dran gewöhnen"

Sportschau | 04.11.2017 | 03:10 Min.

Blitz-Tor von Ibisevic

Der Schlagabtausch begann mit einem Blitz-Tor: Kurz nach dem Anstoß verlor Maximilian Arnold im Wolfsburger Aufbauspiel den Ball, der dann über Per Skjelbred und Valentino Lazaro bei Vedad Ibisevic landete - der Hertha-Kapitän schloss mit dem schnellsten Treffer der laufenden Saison zum 1:0 ab.

Danach wurden die Wolfsburger Fans noch einige weitere Male gequält. Nach sieben Minuten gab das Schiedsrichter-Gespann um Dr. Robert Kampka zunächst einen Treffer für den VfL, wurde dann aber vom Video-Assistenten Jochen Drees zurückgepfiffen: Mario Gomez stand im Abseits, als er Robin Knoche bedrängte, der die Kugel über die eigene Torlinie drückte.

Gomez an die Latte

Gomez wollte dann in der 20. Minute seinen verpassten Treffer wiedergutmachen. Nach einem Foul von Skjelbred an Daniel Didavi trat er zum Elfmeter an, obwohl er in der Vorwoche noch verschossen hatte. Und auch diesmal scheiterte er, der Ball klatschte von der Latte ins Feld zurück. Für den VfL war es bereits der dritte Strafstoß in Serie, der nicht zum Erfolg führte, das hatte in der Bundesliga-Historie zuvor ausschließlich Greuther Fürth geschafft.

Doch auch damit war die schwere Zeit für die VfL-Anhänger noch nicht beendet. In der 26. Minute setzte sich Yunus Mali im Berliner Strafraum hervorragend durch und ließ Rune Jarstein im Hertha-Tor keine Chance. Doch wieder kam der Funkspruch aus Köln an Schiedsrichter Kampka: Diesmal stand Didavi im strafbaren Abseits, fälschte die Kugel auch noch leicht ab, so dass auch dieser Treffer wieder aberkannt wurde.

Malli köpft den Ausgleich

Beeindruckend aber, wie die "Wölfe" auch diesen weiteren Rückschlag innerhalb von nur einer knappen halben Stunde wegsteckten. Berlin zog sich immer weiter zurück, und das bestrafte Malli mit einem platzierten Kopfball nach der Hereingabe von Divock Origi mit dem Ausgleich (41.). Der Jubel fiel dezent aus, doch diesmal kam zur Abwechslung mal keine Intervention vom Video-Assisten.

Und die Gastgeber legten nach: Nur drei Minuten nach dem 1:1 schickte Didavi Gomez in die Tiefe, der den Ball gekonnt an Jarstein vorbeispitzelte und mit Hilfe des rechten Innenpfostens und ganz viel Rückwärts-Effet die Führung besorgte - die Krönung einer an Höhepunkten kaum zu überbietenden ersten Hälfte.

Rekik gewinnt Duell gegen Brooks

In der Pause dürfte Hertha-Coach Dardai deutliche Worte gefunden haben. Die Reaktion kam wieder früh: Karim Rekik setzte sich in der 53. Minute im Luftkampf gegen seinen Vorgänger John Anthony Brooks durch und besorgte per Kopf das 2:2. Doch auch das steckte Wolfsburg weg.

VfL-Trainer Schmidt hatte sein Team so offensiv wie noch keinmal in dieser Saison ausgerichtet und wurde dafür belohnt. Divock Origi, der erstmals gemeinsam mit Gomez in der Startelf stand, drückte eine Kopfball-Ablage von Robin Knoche aus kurzer Distanz mit der Hüfte zum 3:2 (60.) über die Linie.

Selke mit dem Joker-Tor

Nach dieser herausragenden Stunde Bundesliga-Fußball nahm sich die Partie dann auch mal eine kurze Phase des Atemholens. Ibisevic tauchte dann eine Viertelstunde vor Schluss nochmal gefährlich vor dem Wolfsburger Tor auf, doch Koen Casteels verhinderte mit dem guten Stellungsspiel den erneuten Ausgleich. In der 84. Minute war er dann aber doch geschlagen, weil Hertha-Joker Davie Selke nach einem schönen Pass von Skjelbred im Nachschuss erfolgreich war - das 3:3 ist bereits das siebte Unentschieden im siebten Ligaspiel der Wölfe unter Schmidt.

Die Wolfsburger können nun nach der Länderspielpause den nächsten Anlauf starten: Am Samstag (18.11.2017) ist der SC Freiburg zu Gast. Die Hertha tritt am gleichen Tag zur späten Partie des 12. Spieltags gegen Mönchengladbach an.

Fußball · Bundesliga · 11. Spieltag 2017/2018

Sonntag, 05.11.2017 | 18.00 Uhr

Wappen VfL Wolfsburg

VfL Wolfsburg

Casteels – Verhaegh, Knoche, Brooks, Tisserand – Arnold, Guilavogui – Origi (82. Blaszczykowski), Didavi, Malli – Gomez

3
Wappen Hertha BSC

Hertha BSC

Jarstein – Pekarik (55. Esswein), Langkamp, Rekik, Plattenhardt – N. Stark (28. Maier), Skjelbred – Weiser, Lazaro, Kalou (67. Selke) – Ibisevic

3

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Ibisevic (1.)
  • 1:1 Malli (42.)
  • 2:1 Gomez (45.)
  • 2:2 Rekik (53.)
  • 3:2 Origi (60.)
  • 3:3 Selke (83.)

Strafen:

  • gelbe Karte Skjelbred (2 )
  • gelbe Karte Tisserand (2 )

Zuschauer:

  • 25214

Schiedsrichter:

  • Robert Kampka (Mainz)

Vorkommnisse:

  • Gomez (Wolfsburg) schießt Foulelfmeter an die Latte (21.).

Stand: Sonntag, 05.11.2017, 19:54 Uhr

Wappen VfL Wolfsburg

VfL Wolfsburg

Wappen Hertha BSC

Hertha BSC

Tore 3 3
Schüsse aufs Tor 8 6
Ecken 4 2
Abseits 3 0
gewonnene Zweikämpfe 105 87
verlorene Zweikämpfe 87 105
gewonnene Zweikämpfe 54,69 % 45,31 %
Fouls 14 19
Ballkontakte 682 493
Ballbesitz 58,04 % 41,96 %
Laufdistanz 113,58 km 114,8 km
Sprints 164 197
Fehlpässe 71 89
Passquote 85,74 % 74,43 %
Flanken 12 5
Alter im Durchschnitt 27,1 Jahre 26,8 Jahre

ch | Stand: 05.11.2017, 20:25

Bundesliga | Tabelle

RangTeamSP
1.Bayern München1229
2.RB Leipzig1223
3.Bor. M´gladbach1221
4.Bor. Dortmund1220
5.1899 Hoffenheim1220
 ...  
16.SC Freiburg128
17.Werder Bremen115
18.1. FC Köln122
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