Schalke stürzt Wolfsburg ins Mittelmaß

Jubel bei Schalke

FC Schalke 04 - VfL Wolfsburg 3:0

Schalke stürzt Wolfsburg ins Mittelmaß

Weltmeister Julian Draxler hat bei seiner ersten Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte einen bitteren Nachmittag erlebt.

Der Nationalspieler verlor mit dem VfL Wolfsburg bei seinem Ex-Klub Schalke 04 0:3 (0:2) und nach ganz schwacher Leistung noch mehr den Anschluss an die Champions-League-Plätze. Die Elf von Dieter Hecking wartet damit bereits seit sieben Spielen auf einen Sieg und findet sich vorläufig im tristen Mittelmaß der Liga wieder.

"Mannschaft ist keine Mannschaft"

"Die Mannschaft ist im Moment keine Mannschaft", analysierte Hecking ebenso gnadenlos wie ehrlich. "In der zweiten Halbzeit ging es für uns nur noch darum, den Schaden zu minimieren, aber auch dazu waren wir viel zu harmlos. Insgesamt ist das zurzeit viel zu wenig von uns."

Sein Schalker Kollege André Breitenreiter war begeistert von seiner Mannschaft, wollte den Blick aber auch nicht zu weit nach oben richten: "Vor zwei Wochen hat man noch ganz anders über uns gesprochen. Die Jungs haben es letztlich selbst in der Hand. Wenn sie weiter so stark ihre Defensivaufgaben verrichten, dann ist es für jeden schwer, gegen uns zu spielen."

Führung durch Huntelaar

Klaas-Jan Huntelaar (24.), Johannes Geis (35.) und Winter-Neuzugang Alessandro Schöpf (87.) erzielten die Tore für die Gelsenkirchener, die ihr sechstes Heimspiel in Folge gegen Wolfsburg gewannen. 159 Tage nach seinem fluchtartigen Abgang wurde Draxler von einem gellenden Pfeifkonzert in seinem alten Wohnzimmer begrüßt. Der 22-Jährige, beim Schalker 0:3 im Hinspiel noch im königsblauen Trikot, ließ sich auch von einer Grippe unter der Woche die erste Partie gegen seinen Ex-Klub nicht nehmen.

Draxler, im Sommer nach 14 Jahren auf Schalke für die Vereinsrekordsumme von 35 Millionen Euro plus Bonuszahlungen nach Wolfsburg verkauft, wusste vorher, was ihn erwartet: "Von 60.000 werden 55.000 gegen mich sein."

Unfreundlicher Empfang

Die Schalker Fans empfingen den verlorenen Sohn unfreundlich - aber längst nicht so feindselig wie in den vergangenen Jahren den zu Bayern München abgewanderten Nationaltorwart Manuel Neuer. "Alle auf die Zehn", schallte durch die Arena, jede Ballberührung Draxlers wurde mit Pfiffen quittiert, jeder Ballverlust, jeder Fehlpass bejubelt.

Draxler nahm seine Ex-Fans hinterher aber sogar noch in Schutz: "Ich kann die meisten von ihnen verstehen, letztlich war das auch alles noch im Rahmen. Insgesamt war es aber ein Nachmittag zum Vergessen." Der Nationalspieler durfte zunächst im zentralen Mittelfeld wirken, bemühte sich in der Anfangsphase auch um spielerische Linie, das erste Ausrufezeichen setzte jedoch ein Nebenmann: Daniel Caligiuri traf mit einem Distanzschuss die Latte (22.).

Geis per Freistoß

Draxlers erster Torschuss war eine leichte Beute seines Ex-Kollegen Ralf Fährmann (24.), Schalkes Führung im Gegenzug durch Huntelaar sah der Rückkehrer nur aus der Ferne. Für den niederländischen Torjäger kam das 115. Pflichtspieltor für Königsblau mit Verspätung: Huntelaar hatte seit seinem letzten Treffer am 4. Dezember ein halbes Dutzend Großchancen ausgelassen.

Noch länger hatte Geis auf sein erstes Freistoßtor für Schalke warten müssen. Beim Kunstschuss des Ex-Mainzers war Draxler näher dran, als Teil der Wolfsburger Mauer aber machtlos. Je stärker Schalke wurde, desto mehr tauchte der Ex-Schalker unter. Die Fehlpässe häuften sich ebenso wie die verlorenen Zweikämpfe.

Hecking stellte um

Breitenreiter setzte auf die Elf, die in Darmstadt 2:0 gewonnen hatte. Wolfsburgs Coach Dieter Hecking bot erstmals seit dem 7. November 2015 Stürmer Nicklas Bendtner, schon als Fehleinkauf abgestempelt, wieder in der Startformation auf. Doch der Däne fand gegen die konzentrierte Schalker Abwehr überhaupt nicht ins Spiel.

Nach der Pause stellte Hecking um. Draxler musste wieder auf die linke Seite. Vieirinha ging zurück in die Vierer-Abwehrkette, Sebastian Jung dafür auf die Sechs. Doch zwingender wurden die Wolfsburger Angriffe dadurch nicht. Kurz vor Spielende setzte Schöpf den Schlusspunkt.

Schalke kann nun am kommenden Freitag (12.02.16) in Mainz noch weiter vorne reinrücken. Wolfsburg steht einen Tag später gegen Ingolstadt schon fast unter Siegzwang, um die Europaränge nicht aus den Augen zu verlieren.

Statistik

Fußball · Bundesliga · 20. Spieltag 2015/2016

Samstag, 06.02.2016 | 15.30 Uhr

Wappen FC Schalke 04

FC Schalke 04

Fährmann – Caicara, Matip, Neustädter, Kolasinac – Goretzka, Geis (90. Kehrer) – Sané, Meyer (78. Belhanda), Choupo-Moting (80. Schöpf) – Huntelaar

3
Wappen VfL Wolfsburg

VfL Wolfsburg

Benaglio – S. Jung, Naldo, Knoche, Ricardo Rodriguez – Guilavogui (85. Schäfer) – Vieirinha, Kruse (66. Bruno Henrique), Draxler, Caligiuri – Bendtner (81. Putaro)

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Huntelaar (24.)
  • 2:0 Geis (35.)
  • 3:0 Schöpf (87.)

Strafen:

  • gelbe Karte Huntelaar (2 )
  • gelbe Karte Kruse (2 )
  • gelbe Karte Geis (4 )
  • gelbe Karte Bendtner (2 )
  • gelbe Karte Knoche (1 )

Zuschauer:

  • 61483

Schiedsrichter:

  • Tobias Welz (Wiesbaden)

red/sid/dpa | Stand: 06.02.2016, 18:40

Bundesliga | Tabelle

Rang Team S P
1. Bayern München 34 88
2. Bor. Dortmund 34 78
3. Bayer Leverkusen 34 60
4. Bor. M'gladbach 34 55
5. FC Schalke 04 34 52
  ...    
16. Eintr. Frankfurt 34 36
17. VfB Stuttgart 34 33
18. Hannover 96 34 25
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