Bärenstarke Freiburger besiegen Leverkusen

Torjubel bei den Spielern vom SC Freiburg

SC Freiburg - Bayer Leverkusen 2:1 (1:0)

Bärenstarke Freiburger besiegen Leverkusen

Von Robin Tillenburg

Der SC Freiburg hat sich in einem sehenswerten Bundesligaspiel dank einer sehr couragierten Vorstellung knapp aber verdient gegen Bayer Leverkusen durchgesetzt.

Nils Petersen (11. Minute) und Pascal Stenzel (88.) trafen für Freiburg, Kevin Volland (Foulelfmeter, 60.) hatte für die Werkself zwischenzeitlich ausgeglichen. Freiburg steht damit auf Rang sechs und kann weiter von der Europa League träumen, während Leverkusen im Abstiegskampf feststeckt und das internationale Geschäft wohl abhaken muss.

"Wir sind immer wieder für ein Tor gut, gewinnen ganz enge Spiele", sagte Petersen nachher und ergänzte: "Wir haben Leverkusen nach dem 1:1 spüren lassen, dass hier mehr möglich ist. Aber dann haben wir eine Reaktion gezeigt."

Freiburg von Beginn an besser im Spiel

Nach einer kurzen Abtastphase fanden die Gastgeber besser ins Spiel, waren griffiger und machten Druck. Gegen eine weit aufgerückte Leverkusener Viererkette fand Mike Frantz nach gut zehn gespielten Minuten erstmals die Lücke und schickte den durchstartenden und diesmal von Beginn an stürmenden Petersen auf die Reise. Der fackelte halblings im Strafraum nicht lange und jagte den Ball oben rechts ins Eck - bei diesem sehenswerten Abschluss war Bayer-Keeper Bernd Leno völlig chancenlos. Kurz danach durfte der Torhüter sich dann aber erstmals auszeichnen, erneut war es Petersen, der frei vor ihm auftauchte, doch diesmal blieb Leno der Sieger (14.).

Die Antwort der Leverkusener kam schleppend. Ein Flachschuss Vollands (17.), den Alexander Schwolow relativ sicher parieren konnte, blieb lange das einzige offensive Lebenszeichen der Mannschaft von Tayfun Korkut. Sein Gegenüber Christian Streich hatte seinem Team eine tiefe, kompakte Arbeit gegen den Ball verordnet, sodass die Werkself trotz ausreichend Ballbesitz für jede Lücke hart arbeiten musste. Harte Arbeit lieferte Bayer auch, aber eben kaum Tempowechsel oder Überraschungsmomente. Die vielen kurz gespielten Standardsituationen fielen in dieser Phase ebenfalls eher in die Kategorie "gut gemeint".

Disziplinierte Breisgauer

Freiburg beschränkte sich bis zur Pause auf die konzentrierte, kompakte Verteidigung der Führung und das Warten auf die Gelegenheiten zum überfallartigen Gegenangriff. Diese ergaben sich jedoch nur sporadisch. In der 44. Spielminute kam Bayer noch einmal gefährlich vor das Breisgauer Gehäuse, doch im Getümmel brachte Kai Havertz nach guter Ballmitnahme die Kugel nicht entscheidend am herausstürmenden Schwolow vorbei. So wurden mit einem verdienten 1:0 für die extrem disziplinierten und couragierten Gastgeber die Seiten gewechselt.

Aus der Pause kam die Korkut-Elf deutlich schwungvoller und schien gewillt, mehr Risiko zu gehen. Einige gute Kombinationsansätze konnten die Freiburger jedoch meist in Person von Caglar Söyüncü vor der ganz großen Gefahr noch zunichte machen.

Ignjovskis Geschenk stärkt Bayer

Eine Großchance brachte Bayer indes trotzdem lange nicht auf den Rasen, die Gastgeber standen weiterhin tief und stabil. Es brauchte schon einen individuellen Fehler - und der kam: Alexander Ignjovski ging gegen Volland übermotiviert zu Werke, traf den Angreifer am Fuß und verursachte somit einen berechtigten Strafstoß, den der Gefoulte selbst eiskalt im rechten unteren Eck unterbrachte.

Nur fünf Minuten später war es erneut Volland, der für Gefahr sorgte: Sein Schuss aus 18 Metern krachte an den linken Pfosten - Schwolow wäre nicht mehr herangekommen. Söyüncü antwortete in einer nun völlig offenen, temporeichen und sehenswerten Partie seinerseits mit einem Distanzschuss, der nur Zentimeter über die Querlatte strich - und weckte damit seine Mitspieler offenbar wieder rechtzeitig.

Nur Sekunden später musste Leverkusen nämlich richtig zittern. Niederlechner brachte den Ball aus aussichtsreicher Position nicht im Tor unter, nur eine artistische Fluggrätsche Wendells auf der Linie verhinderte das 2:1.

Doppelter Joker sticht

Ein Beinahe-Eigentor Wendells (72.) läutete die Schlussphase ein, in der es dann zunächst noch einmal etwas ruhiger zuging. Als alles auf ein "schiedlich, friedliches" Remis hindeutete, schickte der eingewechselte Havard Nielsen den ebenfalls eingewechselten Stenzel rechts auf die Reise. Dessen unwiderstehlichem Antritt konnte kein Leverkusener folgen und somit verwandelte der Joker überlegt und flach ins lange Eck. Angesichts der Torchancen und der unglaublichen läuferischen Leistung ging der Last-Minute-Sieg letztlich völlig in Ordnung.

Ein sichtlich bedienter Volland meinte nach Abpfiff: "Die erste Halbzeit haben wir komplett verschlafen, gefühlt in der ersten Halbzeit keinen Zweikampf gewonnen. Nach der Pause haben wir das Spiel in der Hand und spielen dann kopflos - das müssen wir viel konzentrierter spielen. Jeder muss für sich kämpferisch und läuferisch alles für die Mannschaft geben. Mit Schönspielen reicht es nicht."

Die Gäste sind damit endgültig mitten im Abstiegskampf angekommen und haben nun außerdem nur eine kurze Pause: Schon am kommenden Freitag empfängt man den FC Schalke 04 zum NRW-Duell, während der SC am Samstag zum Schlusslicht SV Darmstadt reist und seine Lage im Kampf um die Europa League weiter verbessern kann.

Thema in: Sport am Sonntag, 23.04.2017, 19.10 Uhr, Deutschlandfunk

Fußball · Bundesliga · 30. Spieltag 2016/2017

Sonntag, 23.04.2017 | 15.30 Uhr

Wappen SC Freiburg

SC Freiburg

Schwolow – Ignjovski, Söyüncü, M.-O. Kempf, Günter – Höfler, Frantz – Bulut (85. P. Stenzel), Haberer (90. Guédé) – Petersen (76. H. Nielsen), Niederlechner

2
Wappen Bayer 04 Leverkusen

Bayer 04 Leverkusen

Leno – Hilbert, Dragovic, Toprak, Wendell – Baumgartlinger (90. Pohjanpalo), Kampl – Havertz (79. Aranguiz), Brandt – Chicharito (63. Bailey), K. Volland

1

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Petersen (11.)
  • 1:1 K. Volland (60./Foulelfmeter)
  • 2:1 P. Stenzel (88.)

Strafen:

  • gelbe Karte M.-O. Kempf (2 )
  • gelbe Karte Hilbert (1 )
  • gelbe Karte Bailey (1 )
  • gelbe Karte Ignjovski (2 )

Zuschauer:

  • 24000

Schiedsrichter:

  • Dr. Felix Brych (München)

Stand: Sonntag, 23.04.2017, 17:23 Uhr

Wappen SC Freiburg

SC Freiburg

Wappen Bayer 04 Leverkusen

Bayer 04 Leverkusen

Tore 2 1
Schüsse aufs Tor 4 4
Ecken 5 5
Abseits 4 2
gewonnene Zweikämpfe 100 84
verlorene Zweikämpfe 84 100
gewonnene Zweikämpfe 54,35 % 45,65 %
Fouls 6 12
Ballkontakte 584 757
Ballbesitz 43,55 % 56,45 %
Laufdistanz 122,59 km 114,53 km
Sprints 228 198
Fehlpässe 82 104
Passquote 78,13 % 80,99 %
Flanken 10 9
Alter im Durchschnitt 25,3 Jahre 25,3 Jahre

Stand: 23.04.2017, 17:30

Darstellung: