Hertha BSC - FC Bayern München 2:2

Bayern-Krise dauert in Berlin an

Robin Tillenburg

Bayern München hat im ersten Spiel nach der Entlassung von Carlo Ancelotti noch nicht in die Erfolgsspur zurückgefunden. Gegen starke Berliner reichte es trotz Führung nur zu einem Punkt.

Mats Hummels (10. Minute) erzielte am Sonntag (01.10.2017) die Führung für die Münchner, Robert Lewandowski erhöhte (49.), ehe Ondrej Duda beinahe im direkten Gegenzug mit seinem ersten Bundesligator wieder für die Berliner verkürzte (51.). Salomon Kalou gelang schließlich der verdiente Ausgleich (56.). "Das ist ein Bonuspunkt für uns", sagte Hertha-Mittelfeldspieler Darida nachher: "Wir haben nach 0:2 noch ein 2:2 geschafft. Wir sind zufrieden."

Rückkehrer besorgen die Führung

Bayern-Interimstrainer Willy Sagnol hatte die Aufstellung Ancelottis aus der Champions-League-Partie gegen Paris "korrigiert" und Hummels, Jerome Boateng, Franck Ribéry und Arjen Robben wieder in die Startelf geholt. Die Nicht-Berücksichtigung dieses Quartetts in der Königsklasse hatten manche Beobachter als "Provokation" aufgefasst, die letztendlich auch zur Trennung vom Italiener geführt hatte.

In der Anfangsphase spielte erst einmal vor allem der Rekordmeister. Etliche Versuche der Bayern endeten zunächst noch in Standardsituationen. Nach einem Freistoß konnte die Hertha-Defensive dann nach zehn Minuten nicht entscheidend klären. Boateng flankte aus dem Rückraum auf den völlig freien Hummels, der Rune Jarstein im Berliner Kasten mit einem platzierten Kopfball keine Chance ließ.

Ereignisreiche erste Halbzeit

Fünf Minuten später antwortete Darida mit einem Flachschuss vom Strafraumrand, der knapp am Münchner Tor vorbei strich. Sekunden später zeigte Schiedsrichter Harm Osmers auf den Elfmeterpunkt, Javi Martinez hatte Darida im Strafraum zu Fall gebracht. Nach Konsultation mit dem Videoassistenten nahm Osmers die knifflige Entscheidung zurück.

Die Bayern blieben weiter gegen disziplinierte Berliner leicht spielbestimmend. Martinez (31.) zielte per Kopf nur Zentimeter zu hoch. Beinahe im direkten Gegenzug verzeichneten aber die Gastgeber ihren zweiten Hochkaräter. Erneut war es Darida, der aus kurzer Distanz zum Abschluss kam - ein hervorragender Reflex von Torhüter Sven Ulreich verhinderte den Ausgleich (33.). Auf der Gegenseite klärte Niklas Stark auf der Linie einen Lupfer von Lewandowski (35.), Jarstein parierte eine abgefälschte Flanke David Alabas (37.). Beide Teams agierten nun offensiv richtig mutig, standen aber hinten nur noch selten sattelfest. Hochkaräter durch Kalou (41.) und erneut Lewandowski (44.) hätten für weitere Tore sorgen können. So ging es nur mit einem 0:1 in die Halbzeitpause - es hätte auch schon ein 2:3 sein können.

Bayern von der Rolle

Die von Pal Dardai trainierten Gastgeber kamen selbstbewusst und mit aggressivem Pressing in den zweiten Durchgang, wurden aber von den Münchnern zunächst eiskalt erwischt. Lewandowski gewann ein Kopfballduell mit Stark, startete durch und traf frei vor dem Tor (49.). Die Berliner ließen sich davon jedoch nicht beeindrucken. Genki Haraguchi ließ bei seinem Dribbling vier Münchner mühelos aussteigen und bediente den völlig freien Duda, der den Ball nur über die Linie drücken musste (51.).

Und die irre Phase war noch nicht vorbei. Nach einer Freistoßflanke sprang der Ball vor die Füße von Kalou, der frei vor Ulreich per Beinschuss den Ausgleich markierte (56.). Beinahe hätte der Ivorer nur zwei Minuten später sogar die Führung erzielt, die Defensive der Bayern war völlig von der Rolle. Zu allem Überfluss schied Ribéry dann auch noch nach einer Stunde mit Verdacht auf eine schwere Knieverletzung aus.

Ruhigere Schlussphase

Allerdings fanden die Bayern nach der Verletzungsunterbrechung immerhin ihr Zweikampfverhalten wieder und die Hertha musste nun auch kräftebedingt einen Gang zurückschalten. So belagerten die Münchner die Berliner in der Schlussphase, ohne gegen die dichte Defensive noch eine echte Großchance herauszuspielen. Mit dem verdienten Remis konnten die Berliner letztendlich deutlich besser leben als die Münchner, die weiter nicht aus ihrer Krise finden und nun fünf Punkte Rückstand auf die Tabellenführung aufweisen.

Nach der Länderspielpause empfangen die Münchner den SC Freiburg - dann weiterhin mit Coach Sagnol? "Sicher gibt es Gespräche", bestätigte Sportdirektor Hasan Salihamidzic und ergänzte: "Über Namen reden wir beim FC Bayern aber nicht." Die Berliner haben dann erneut ein Heimspiel, der FC Schalke 04 reist ins Olympiastadion.