Mainzer verpassen Dreier in Gladbach

Borussia Mönchengladbach - 1. FSV Mainz 05 1:1

Mainzer verpassen Dreier in Gladbach

Von Christian Hornung (Mönchengladbach)

Borussia Mönchengladbach hat mit ganz viel Dusel ein 1:1 (0:1) gegen Mainz gerettet. Die 05er waren klar besser, hatten aber das Glück und den Video-Assistenten nicht auf ihrer Seite.

Gladbach-Trainer Dieter Hecking wollte nach der schwachen Leistung seines Teams nichts beschönigen: "Mehr als dieser Punkt war heute absolut nicht drin. Wir sind sehr schwer in die Partie gekommen, haben Mainz viel zu viel Raum gegeben, die Balance stimmte nicht. Es hat viel zu oft der letzte Schritt gefehlt, das ärgert mich sehr."

"Fühlt sich leider sehr schlecht an"

Sein Kollege Sandro Schwarz war hin- und hergerissen: "Mit der Art und Weise unseres Auftritts war ich sehr zufrieden. Wir hatten eine sehr gute Kontrolle über die Partie und waren dem 2:1 deutlich näher als Gladbach. Was der Video-Schiedsrichter heute beigetragen hat, fühlt sich leider auch sehr schlecht an."

Die Gladbacher wollten eigentlich den Schwung vom 3:1 aus der Vorwoche in Hoffenheim mitnehmen - doch schwungvoll spielten fast ausschließlich die Gäste. In der ersten Viertelstunde musste Borussias Torhüter Yann Sommer schon dreimal mit der Faust abwehren, Jean-Philippe Gbamin, Suat Serdar und Pablo De Blasis scheiterten jeweils aus der Distanz.

Mainz mit starkem Pressing

Die 05er überraschten den VfL mit mutigem Pressing, zwangen den Gegner zu Fehlern im Aufbau und hätten nach einer guten Viertelstunde eigentlich in Überzahl sein müssen. Levin Öztunali war bei einem Konter deutlich zu schnell für die Abwehr der Gastgeber, nach seinem Zuspiel auf Gbamin verhinderte Lars Stindl dann als letzter Mann per Foulspiel den Torabschluss des Mainzers.

Schiedsrichter Sven Jablonski verweigerte aber den Elfmeter ebenso wie die dann fällige Rote Karte, und auch Wolfgang Stark als Video-Assistent in Köln sah erstaunlicherweise keinen Grund zum Eingreifen.

Stindl gibt Berührung zu

Selbst Stindl gab nach der Partie gegenüber sportschau.de zu: "Da hatte ich schon Glück in dieser Szene, denn ich treffe ihn am Fuß." Stindl weiter: "Mit dem Punkt müssen wir heute hochzufrieden sein, mehr hatten wir absolut nicht verdient."

Mainz ließ sich von der Fehlentscheidung aber nicht beeindrucken und ging kurz danach hochverdient in Führung. Nach einer Ecke von rechts kam Sommer - leicht behindert von Yoshinori Muto - nur sehr halbherzig aus seinem Tor, Abdou Diallo köpfte die Kugel aus vier Metern über ihn hinweg. Auch hier schaltete sich Stark nicht ein, was diesmal vertretbar war.

Zentner mit Slapstick-Einlage

Nach einer knappen halben Stunde kamen die Borussen dann kurzfristig besser in die Partie, doch Adler-Vertreter Robin Zentner im Tor der Mainzer klärte mit gutem Stellungsspiel gegen Raffael (27.) und Thorgan Hazard (28.), dessen Lupfer-Versuch zu durchschaubar war.

Mit einer Slapstick-Einlage hätte Zentner sich und seine Kollegen dann aber beinahe selbst um den Lohn einer starken ersten Hälfte gebracht: Er verwechselte gedankenverloren den Ball mit dem Elfmeterpunkt, trat ein riesiges Luftloch - doch kein Borusse war zum Abstauber zur Stelle.

Zentner nahm es anschließend mit leicht gequältem Humor: "Ich will klären, schieße - und plötzlich ist kein Ball da. Da werden sicher noch einige Sprüche in der Kabine von den Jungs kommen - zum Glück ist daraus kein Tor entstanden."

Serdar-Foul an Ginter

Drei Minuten vor dem Pausenpfiff wurde es dann noch einmal turbulent. Öztunali bejubelte nach einem herrlichen Schlenzer bereits das 2:0 (42.), doch diesmal schaltete sich der Video-Assistent ein, Jablonski sah sich die Szene auch noch einmal auf dem Fernsehschirm am Spielfeldrand an - und nahm den Treffer schließlich zurück, weil Serdar vor Öztunalis Torschuss ein Foul an Ginter begangen hatte.

Serdar ärgerte sich: "Es gab eine minimale Berührung, aber für mich war das kein Foul. Das Tor hätte zählen müssen."

Wucht von Vestergaard

Zur zweiten Halbzeit kam Gladbach etwas druckvoller auf den Platz zurück, doch diese Phase überstand Mainz mit einer sehr konzentrierten Abwehrleistung. Nur einmal setzte sich der VfL dank der körperlichen Wucht von Jannik Vestergaard entscheidend durch: Beim Kopfball des Abwehrspielers nach einer Ecke von Vincenzo Grifo waren Stefan Bell und Diallo machtlos, auch Zentner hatte keine Chance (68.).

Danach war dann Gladbach optisch überlegen, blieb aber im Spiel nach vorne fahrig und fehlerhaft. Ein Schlenzer von Grifo (71.) war noch die gefährlichste Szene, doch der Ball ging knapp am rechten Pfosten vorbei. Der schwache Auftritt wäre kurz vor dem Ende beinahe noch mit dem Mainzer Siegtor bestraft worden - doch der Freistoß von Daniel Brosinski klatschte vom Lattenkreuz ins Feld zurück (90.).

Die Gladbacher haben nun zwei Wochen Zeit, die Lehren aus dieser Leistung zu ziehen. Danach geht es zur Berliner Hertha (18.11.17). Mainz hat den 1. FC Köln zu Gast.

Stand: 04.11.2017, 19:13

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