BVB gewinnt nach kurioser Spielunterbrechung

Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang bejubelt seinen Treffer gegen Leverkusen

Bayer Leverkusen - Borussia Dortmund 0:1

BVB gewinnt nach kurioser Spielunterbrechung

Pierre-Emerick Aubameyang hat Borussia Dortmund einen mühevollen Arbeitssieg bei Bayer Leverkusen beschert. Im Mittelpunkt stand aber Bayer-Trainer Roger Schmidt, der fast einen Spielabbruch provozierte.

Bayers Trainer Roger Schmidt zeigte sich beim 0:1 (0:0) seiner Mannschaft im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund uneinsichtig und trotzig wie ein kleines Kind. Schiedsrichter Felix Zwayer wollte ihn nach dem Treffer durch Pierre-Emerick Aubameyang (64.) wegen lautstarker Proteste auf die Tribüne schicken. Schmidt hatte sich zum wiederholten Male mit dem Vierten Offiziellen angelegt, als es Zwayer zu bunt wurde. Schmidt weigerte sich, den Innenraum zu verlassen, provozierte so fast einen Spielabbruch. Der Unparteiische unterbrach die Partie und verschwand mit den Mannschaften in den Katakomben.

Bayers Trainer zunächst stur

Bayer-Routinier Stefan Kießling hatte seinen Coach zuvor zweimal auf den Ernst der Lage hingewiesen, doch Schmidt wollte nicht hören. Der 48-Jährige hatte sich zuvor wohl darüber aufgeregt, dass der Freistoß von Matthias Ginter, der zum Siegtreffer der Gäste führte, viel zu weit vom Ort des Geschehens ausgeführt wurde. Erst nach neun Minuten wurde die Partie fortgeführt. Schmidt verfolgte den Rest der Spiels in der Kabine.

Kießling: "Eine Scheiß-Situation"

Bayers Sportdirektor Rudi Völler echauffierte sich nach dem Abpfiff: "So ein Spiel zu unterbrechen und so eine Hektik reinzubringen, ist völlig unnötig. Ich verlange von Herrn Zwayer, dass er das unserem Trainer erklärt." In ungebremster Erregung warf Völler dem Schiedsrichter auch noch vor, er habe Leverkusen nach der Spielfortsetzung gezielt benachteiligt: "Er hat sich ja revanchiert. Deshalb hat er den Elfmeter nicht gepfiffen!", schäumte er in Anspielung auf ein Handspiel des Dortmunder Abwehrspielers Sokratis in der 71. Minute. Kießling, der Schmidt die Zwayer-Anweisung überbringen sollte, sagte: "Ich möchte das gar nicht groß kommentieren. Es war insgesamt eine Scheiß-Situation und unnötig. Er hätte auch hingehen und ihm das sagen können."

Fandel gibt Zwayer recht

Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel gab Zwayer Rückendeckung: "Er hat in der Situation nach dem Dortmunder Treffer regeltechnisch richtig entschieden. Wenn sich ein Spieler oder eben der Trainer nach einem Platzverweis weigert, den Innenraum zu verlassen, ist die Spielunterbrechung und die Androhung eines Abbruchs die richtige Entscheidung." Der Vorfall wird wohl auch noch ein Nachspiel haben vorm Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Schmidt entschuldigt sich

Nachdem sich auch Schmidt wieder abgekühlt hatte, entschuldigte er sich: "Ich habe zu lange gezögert zu gehen. Es war ein Fehler von mir." Schmidt räumte ein, seiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden zu sein. In Richtung Schiedsrichter ergänzte er: "Aus 45 Metern hat er mir signalisiert, dass ich auf die Tribüne gehen soll. Ich wollte eine Erklärung." Verständnis für seinen Kollegen äußerte Dortmunds Trainer Thomas Tuchel, der darum warb, "dass man nicht zu hart mit Roger Schmidt ins Gericht geht".

Leverkusener Serie gerissen

Leverkusen sorgte somit nicht nur für ein Novum in der Bundesliga-Geschichte, sondern verlor auch erstmals wieder nach sechs Liga-Partien ohne Niederlage. Die Zuschauer in der ausverkauften BayArena, darunter Bundestrainer Joachim Löw, sahen eine zähe Partie und mussten bis zur Nachspielzeit der ersten Hälfte auf die erste Torchance warten. BVB-Torjäger Aubameyang verpasste nach einem ordentlichen Konter der Gäste die Führung. Zuvor hatten sich beide Teams neutralisiert. Trotz ihrer Erfolge unter der Woche in der Europa League wirkten sowohl Leverkusen als auch der BVB gehemmt und scheuten vor allem im ersten Durchgang jedes Risiko.

Torjäger weitgehend blass

Bayer-Torjäger Javier "Chicharito" Hernandez und der ehemalige Dortmunder Kevin Kampl, die im Gegensatz zum 1:0 drei Tage zuvor bei Sporting Lissabon wieder mitwirken konnten, blieben weitgehend blass und wirkungslos. Aber auch bei den Gästen lief nicht viel zusammen. "Beide Mannschaften können mehr", konstatierte zur Pause Löw, der beim BVB immerhin das ordentliche Comeback von Sven Bender sah.

Reus belebt Dortmunder Spiel

Die erste Chance im zweiten Abschnitt hatte aber Leverkusen. Karim Bellarabi, der in Lissabon den Siegtreffer erzielt hatte, scheiterte in der 51. Minute an BVB-Schlussmann Roman Bürki. Anschließend nahm die Partie an Fahrt auf. Beide Teams erhöhten das Tempo und gingen auch in den Zweikämpfen energischer zur Sache, wodurch Zwayer ein ums andere Mal gefordert war. Dortmund agierte mit dem eingewechselten Marco Reus zwar schwungvoller, aber im Abschluss fehlte es zunächst an Präzision, ehe Aubameyang nach dem Freistoß von Ginter seinen 21. Saisontreffer erzielte. In einer hektischen Schlussphase brachte der BVB den Sieg über die Zeit.

Am kommenden Spieltag will Bayer beim 1. FSV Mainz 05 wieder in die Erfolgsspur zurück. Dortmund bekommt es daheim mit 1899 Hoffenheim zu tun. Bis dahin wird die kuriose Spielunterbrechung noch viel Nachhall liefern.

Stand: 21.02.2016, 20:12

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