Kein Bayern-Notkauf für Boateng

Jerome Boateng (M.) wird auf dem Spielfeld von zwei betreuern behandelt

Nach schwerer Verletzung

Kein Bayern-Notkauf für Boateng

Der FC Bayern wird nicht mit einem Noteinkauf auf den Ausfall von Jérôme Boateng reagieren. "Wir haben uns mit dem Thema seriös auseinandergesetzt. Es gibt keinen guten Spieler, der auf dem Markt ist. Im Winter verkauft
keine Mannschaft seine guten Spieler, speziell auf dieser Position. Und Notlösungen bringen einen am Ende des Tages nicht weiter. Dementsprechend werden wir nichts machen"
, sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge

Rummenigge entkräftete Mutmaßungen über ein vorzeitiges Saison-Aus des Innenverteidigers. Weitere Untersuchungen - auch beim früheren Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt - hätten ergeben, "dass es etwas weniger dramatisch ist als es zunächst aussah. Jérôme wird, da sind wir hoffnungsvoll, möglicherweise im letzten Drittel der Rückrunde dem FC Bayern wieder zur Verfügung stehen".

"Keine guten Spieler auf dem Markt"

Bis dahin empfiehlt Rummenigge, den vorhandenen Innenverteidigern Holger Badstuber, Javi Martínez und dem noch verletzten Medhi Benatia zu vertrauen. "Wenn es etwas auf dem Markt gegeben hätte, was dem Qualitätsanspruch des FC Bayern gerecht geworden wäre, hätten wir uns damit befasst", berichtete Rummenigge: "Aber nur irgendetwas zu machen, um die Hysterie zu befriedigen, haben wir alle abgelehnt."

Rummenigge: "Werden nichts machen"

Über Schwere und Dauer der Verletzung hüllten sich die Bayern-Offiziellen wie in früheren Fällen zunächst in Schweigen. Eine Kernspintomographie am Samstag (23.01.2016) bestätigte allerdings den Anfangsverdacht einer Adduktorenverletzung, die sich Boateng im Spiel beim Hamburger SV zuzog. In diversen Medien ist von einem Muskelbündelriss die Rede und von bis zu drei Monaten Pause.

Münchens Trainer Pep Guardiola sagte nach der Partie kurz angebunden: "Wir haben ein Problem, aber wir werden eine Lösung finden."

Problematische Krankengeschichten

Porträt von Bayern-Verteidiger Philipp Lahm

Besorgt: Philipp Lahm

Die Bayern stehen vor der entscheidenden Phase im Kampf ums Triple. Kapitän Philipp Lahm stuft den Ausfall von Boateng angesichts der problematischen Krankengeschichten der Münchner Innenverteidiger als schwerwiegend ein. "Man muss bedenken, dass unsere anderen Innenverteidiger in der Vergangenheit Rückschläge erlitten haben", sagte Lahm.

Die Bayern haben noch drei geschulte Innenverteidiger im Kader. Medhi Benatia befindet sich nach einer Muskelverletzung erst im Aufbautraining. Nach langen Leidensgeschichten sind zwar Javi Martínez und Holger Badstuber einsatzbereit. Ob sie allerdings den hohen Belastungen der kommenden Wochen und Monate standhalten können, ist ungewiss. Gerade bei Badstuber, der zwei Kreuzbandrisse verkraften musste und zuletzt wegen eines Muskelsehnenrisses im Oberschenkel vier Monate fehlte, muss die weitere Entwicklung abgewartet werden.

Boateng selbst hat sichwieder etwas gefangen: "Am Freitag und Samstag war ich geschockt und traurig. Ab heute schaue ich nur noch nach vorne, darf aber natürlich nicht übertreiben", sagte er.

Löw: Er kann es noch schaffen

Joachim Löw und Jerome Boateng

Joachim Löw (r.) mit Jerome Boateng

Womöglich können Aussagen von Joachim Löw zu Boatengs Stimmungsaufhellung beitragen. Der Bundestrainer will bei der Nominierung seines endgültigen EM-Kaders bis zum letzten Moment auf seinen besten Abwehrspieler warten. Er habe ihm bei einem Gespräch in München gesagt, "dass ich an ihn glaube und er es trotz der schweren Muskelverletzung noch schaffen kann, auf den EM-Zug aufzuspringen", hieß es in einem offiziellen Statement des DFB. Löw muss die 23 Akteure für das Turnier in Frankreich spätestens am 31. Mai benennen.

Tür bleibt offen

Löw erinnerte am Rande des Marketingtages der deutschen Nationalmannschaft an das erfolgreiche Beispiel von Sami Khedira. Der Mittelfeldspieler war vor zwei Jahren nach einem Kreuzbandriss auch erst kurz vor der Weltmeisterschaft wieder fit geworden: "Genauso wie bei Sami Khedira vor der WM in Brasilien werden wir ihm die Tür solange wie möglich offenhalten."

Der Bundestrainer setzt auf den Ehrgeiz und die Motivation seines Abwehrchefs: "Jerome ist eine Kämpfernatur und arbeitet topprofessionell, er hat den Willen und die Einstellung, alles dafür zu tun. Er braucht nun auch Geduld und sollte sich nicht unter Druck setzen." Knapp wird es aber allemal. Die EM-Vorbereitung der Nationalmannschaft beginnt am 23. Mai. Das erste Turnierspiel bestreitet Deutschland am 12. Juni gegen die Ukraine.

red/dpa/sid | Stand: 25.01.2016, 19:06

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