Die Freiheit der Fußballer in sozialen Medien

Marc Andre ter Stegen sucht über Facebook seinen Hund

Facebook und Twitter

Die Freiheit der Fußballer in sozialen Medien

Von Hendrik Buchheister

Über soziale Medien wie Twitter und Facebook suchen viele Fußballprofis Kontakt zu Fans - nicht immer zur Freude der Vereine..

Kurz vor Weihnachten gab Marc-André ter Stegen eine Vermissten-Anzeige auf. Der Hund des Mönchengladbacher Bundesliga-Torhüters war weggelaufen. Ter Stegen bat über seine Facebook-Seite um Mithilfe: Wer Bali gesehen habe, solle sich melden. Und einen Tag später konnte ter Stegen tatsächlich berichten, dass das Tier gefunden worden sei. Dazu lud er ein Foto bei Facebook hoch, das Hund und Hundebesitzer vereint auf dem Sofa zeigt.

Ter Stegen ist einer von vielen Profi-Fußballern in Deutschland, die über soziale Netze wie Twitter oder eben Facebook mit ihren Fans in Kontakt treten - und mit Episoden wie der Hunde-Suche des Gladbacher Torwarts hat auch niemand ein Problem bei den Bundesliga-Vereinen.

Konfliktträchtige Nachrichten

Doch manchmal gibt es auch Ärger, weil Spieler im Internet allzu offen sind: Robert Mak vom 1. FC Nürnberg wurde von seinem Verein zu einer Geldstrafe verdonnert, weil er via Twitter nach einer Auswechslung auf Trainer Dieter Hecking geschimpft hatte. Mike Hanke von Borussia Mönchengladbach musste sich strenge Worte von Trainer und Manager anhören, nachdem er am Abend vor dem Spiel gegen Frankfurt bei Facebook Details der Aufstellung verkündete hatte: "Wieder nicht im Kader!", schrieb der frustrierte Angreifer.

Und Borussia Dortmunds Verteidiger Mats Hummels übte nach der von Fehlentscheidungen geprägten Partie gegen den VfL Wolfsburg vor wenigen Wochen auf Facebook Kritik am Schiedsrichter – wenig später verschwand der Kommentar wieder von der Seite des Nationalspielers.

Andere Regeln als bei Interviews

Twitter und Facebook sind für Fußballprofis und Vereine also Chance und Risiko zugleich. Die kickenden Berühmtheiten können dem Publikum ein Gefühl von Nähe geben und exklusive Eindrücke vermitteln, indem sie zum Beispiel Fotos aus dem Mannschaftsbus verbreiten. "Das stärkt die Bindung zwischen Fans und Spielern und damit nicht zuletzt auch zwischen Fans und dem Verein", sagt Andreas Cüppers, der bei Borussia Mönchengladbach für Twitter und Facebook zuständig ist.

Marco Reus bei Twitter

Marco Reus wünscht bei Twitter ein frohes neues Jahr.

Doch die Kommentare der Profis in sozialen Netzen entziehen sich der Kontrolle der Klubs. "Es wäre gar nicht praktikabel, jeden Tweet vor Veröffentlichung zu kontrollieren", sagt Klaus Horstmann von der Pressestelle des FC Schalke 04: "Die Spieler sind bei Twitter und Facebook völlig frei." Im Internet gelten also andere Regeln als zum Beispiel bei Interviews für Zeitungen oder Online-Medien, wo die Klubs in der Regel darauf bestehen, jeden Satz vor Veröffentlichung gegenzulesen und notfalls zu ändern oder zu streichen.

Schulungen im Umgang mit sozialen Medien

Die Vereine setzen jedoch auf den verantwortungsbewussten Umgang der Spieler mit Twitter und Facebook. An einigen Standorten gibt es zumindest Schulungen im Umgang mit sozialen Netzen: Bei Borussia Dortmund gaben Mitarbeiter der Pressestelle den Spielern im März Richtlinien vor für das Verhalten im Internet, illustriert mit einer Power-Point-Präsentation.

Bei Borussia Mönchengladbach wurde der Kader nach Mike Hankes Facebook-Fauxpas zu einer Lehrstunde im Umgang mit sozialen Netzen zusammengerufen. Die Grundregel lautet jeweils: Was man in einem Fernsehinterview nicht sagt, sollte man auch nicht twittern oder bei Facebook schreiben. Insgesamt, hat Andres Cüppers von Borussia Mönchengladbach beobachtet, seien die Profis in Deutschland "von Natur aus eher vorsichtig, wenn sie in sozialen Medien unterwegs sind."

Aufregung in England

Anders als in England: Dort versetzte Nationalverteidiger Ashley Cole im Oktober das Land in Aufregung, als er den Fußballverband als "bunch of twats" bezeichnete, also als einen Haufen Trottel. Nicht der erste Vorfall. Der englische Verband hat nach Coles Aussetzer Regeln für das Betragen der Nationalspieler in der Öffentlichkeit erlassen – Twitter und Facebook sind darin ausdrücklich erwähnt.

Stand: 03.01.2013, 08:00