Sicherheitsabgabe stößt auf breite Ablehnung

Bedrohliche Fankulisse im Stadion

Debatte um Stadionsicherheit

Sicherheitsabgabe stößt auf breite Ablehnung

Die Politik bringt sich zum Thema Stadionsicherheit in Stellung. Die von Hessens Innenminister vorgeschlagene Sicherheitsabgabe stößt jedoch auf Ablehung.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hatte sich via Bild-Zeitung für die Einführung eines "Sicherheits-Euro" ausgesprochen, den alle Fans mit dem Kauf einer Eintrittskarte zu entrichten hätten. Damit sollen die zunehmenden Einsatzstunden der Polizei bei Bundesliga-Spielen mitfinanziert werden. Die Sicherheitsproblematik in den Stadien steht auch auf der Tagesordnung der Innenministerkonferenz am Mittwoch (05.12.12). Mit seinem Vorstoß hat CDU-Politiker Bouffier die ohnehin schon reichlich aufgeheizte Debatte um ein neues Sicherheitskonzept weiter verschärft. "Wir halten gar nichts von solchen populistischen Forderungen", kommentierte Ben Praße, Sprecher von "Unsere Kurve", am Dienstag die Idee eines Sicherheitszuschlags. "Jeder Fan ist Steuerzahler, deshalb lehnen wir das klar ab."

"Unmengen an Steuern"

Philipp Markhardt von "Pro Fans" verwies auf die Steuereinnahmen des Staats nicht nur durch die Zuschauer: "Die Vereine zahlen Unmengen von Steuern in diesem Land. Der Vorschlag kam vor ein paar Jahren übrigens schon mal auf." Nach Angaben der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat der Profifußball in der Saison 2010/2011 718,5 Millionen Euro an Steuern bezahlt. Von 2008 bis 2011 seien von den 36 Clubs und ihren Angestellten alleine 1,1 Milliarden an Lohnsteuern berappt worden.

Zurückhaltende Reaktionen aus der Liga

Auch die Vertreter der Klubs reagierten zurückhaltend bis diplomatisch. "Das ist ein Vorschlag, über den man zumindest diskutieren kann. Ich halte ihn allerdings, ehrlich gesagt, für nicht sonderlich zielführend", sagte Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Meister Borussia Dortmund. Die Profivereine müssten nicht jeden neuen Einzelvorschlag diskutieren und kommentieren, meinte ein Sprecher von Bayer Leverkusen. "Keine gute Idee", fand Schalkes Manager Horst Heldt. Einzig Hannovers Clubchef Martin Kind konnte Bouffiers Vorschlag etwas abgewinnen: "Das ist eine kreative Idee, die man in diesem Kontext jetzt nicht diskutieren sollte". Allerdings bewertete Kind angesichts der bevorstehenden Ligaversammlung am 12. Dezember in Frankfurt/Main, wo das umstrittene Sicherheitskonzept verabschiedet werden soll, den Vorschlag des CDU-Politikers eher als kontraproduktiv: "Wir sollten uns jetzt auf das Arbeitspapier reduzieren und nicht neue Themenfelder eröffnen, die auch so schnell nicht zu einem Ergebnis führen." Gerd Mäuser, Präsident des VfB Stuttgart, erteilte den Plänen eine klare Absage: "Gewaltprävention ist für mich weniger eine Frage des Geldes, sondern des Dialogs. Das ist und bleibt unser erster Ansatz."

13 Millionen Euro für Gewaltprävention und Polizeieinsätze

Bouffier will die Fans an der Finanzierung der Polizeieinsätze stärker beteiligen. Der von ihm vorgeschlagene "Sicherheits-Euro" würde jährlich 13 Millionen Euro einbringen. "Jeder Fan bezahlt freiwillig einen Euro mehr als die Karte normalerweise kostet", sagte er. "Dieser Euro geht dann in die Gewalt-Prävention oder wird benutzt als Unterstützung von Maßnahmen der Polizei." Vertreter von DFL und DFB hatten immer betont, dass sie mehr Geld bezahlen würden - wenn die Kommunen und Länder nicht aus der Finanzierung aussteigen.

Druck auf Vereine wächst

Die Politik hat nun vor der Innenministerkonferenz ihrerseits den Druck auf die Vereine verstärkt. "Wenn in die Diskussion mit DFB und DFL jetzt keine Bewegung kommt, werden wir uns über andere Maßnahmen unterhalten müssen", sagte Lorenz Caffier, der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, der Passauer Neuen Presse. "Das könnten die Finanzierung von Polizeieinsätzen in Stadien sein, einzelne Stehplatzverbote oder schärfere Einlasskontrollen in Zusammenhang mit Stadionverbotsdateien." Caffier hatte bereits zu Beginn der Diskussion von möglichen Geisterspielen gesprochen, sollte keine zufriedenstellende Lösung gefunden werden. Auch Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann sprach sich bereits dafür aus, die Vereine für ein erhöhtes Polizeiaufgebot zur Kasse zu bitten.

Am Montag hatten Schünemann (CDU) und dessen NRW-Kollege Ralf Jäger (SPD) dem deutschen Fußball verbal eingeheizt - sehr zum Missfallen des anwesenden Ligapräsidenten Reinhard Rauball und des DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach. "DFB und DFL haben uns ihre Vorschläge vorgelegt. Ich sage ganz offen: Wir hätten uns mehr vorstellen können", sagte Jäger. Unmissverständlich gaben die Politiker Niersbach und Rauball ihre Forderungen mit auf den Weg. "Für die Innenministerkonferenz ist es absolut entscheidend, dass die Liga auf ihrer Mitgliederversammlung am 12. Dezember ein klares Konzept beschließt und dass sich auch alle Vereine daran halten", mahnte Schünemann, der am 1. Januar den Vorsitz der Innenministerkonferenz übernehmen wird.

Angesichts des zunehmenden Drucks vor allem von Innenministern forderte Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer: "Wir dürfen uns von der Politik und dem Staat nicht drängen lassen. Wir müssen das mit der eigenen Kraft der Fußball-Familie geregelt bekommen."

dpa/sid | Stand: 04.12.2012, 16:30