DFL-Chef beklagt "verpasste Chancen"

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert beim Neujahrsempfang der DFL

Deutsche Fußball Liga

DFL-Chef beklagt "verpasste Chancen"

DFL-Chef Christian Seifert hat in einer Grundsatzrede vor Selbstgefälligkeit und Mittelmaß im deutschen Fußball gewarnt und eine ehrliche Debatte über eine weitere Kommerzialisierung gefordert.

Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga nutzte am Dienstag (17.01.2018) in Frankfurt am Main den eigenen Neujahrsempfang seines Dachverbands, um den Vereinen vor allem für ihr schwaches Abschneiden im Europapokal ordentlich die Leviten zu lesen. Außer dem FC Bayern München sei im Moment kein anderer Bundesliga-Klub international wettbewerbsfähig.

"Wer internationale Zweitklassigkeit nicht so schlimm findet, wird sich schneller als manche denken in der internationalen Bedeutungslosigkeit wiederfinden", so Seifert. Mit allen Konsequenzen für die Nationalmannschaft, die Sponsoreneinnahmen oder die Zuschauerzahlen der Liga.

"Ehrliche Debatte" über die Macht des Geldes im Fußball

Was Seifert konkret von den Vereinen fordert, wird vor allem manchen Fans und Traditionalisten nicht gefallen. Denn er sprach sich in seiner Grundsatzrede für ein Bekenntnis zur Kommerzialisierung, für eine "ehrliche Debatte" über die Macht des Geldes im Fußball und zumindest auch für eine Modifizierung der sogenannten "50+1"-Regel aus, um im internationalen Wettbewerb mit englischen oder spanischen Klubs mithalten zu können.

"Wenn wir wettbewerbsfähig sein wollen, müssen wir uns zu einem gewissen Maß zum Kommerz bekennen", meinte der 48-Jährige. Die Explosion der Transfersummen im Fußball zu kritisieren, nannte er in Teilen heuchlerisch und oberflächlich. "Die immer wieder zitierte Schere zwischen Profis und Amateuren - sie wird weiter auseinandergehen", sagte der Geschäftsführer: "Wer etwas Gegenteiliges behauptet, streut den Menschen Sand in die Augen."

Heidel begrüßt Kritik, Schröder reagiert abwehrend

Über die 50+1-Regel, die den Einfluss von Investoren bei den Vereinen der 1. und 2. Bundesliga begrenzen soll, sagte der frühere MTV- und KarstadtQuelle-Manager ganz konkret: "Diese Satzungsregel hat uns weit gebracht, aber deren juristische Stabilität wird angezweifelt." Man müsse "die 50+1-Regel so gestalten, dass sie vor Gericht Bestand hat und die Verbände nicht erpressbar sind."

Die Vertreter der Bundesliga reagierten gemischt auf Seiferts Fundamentalkritik. Sportvorstand Christian Heidel vom FC Schalke 04 sprach von einer "spannenden und guten Rede." Auch über die Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga-Vereine in den internationalen Wettbewerben sagte er: "Wir wollen das. Und ich bin mir sicher: Die anderen Vereine wollen das auch. Wir müssen das nur besser machen." Sein Mainzer Kollege Rouven Schröder hält jede Kritik am Niveau der Liga dagegen für überzogen: "Die Bundesliga war noch nie langweilig. Und die Bundesliga wird nicht langweilig."

dpa/sid | Stand: 17.01.2018, 09:34

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