Schalker Problemzonen

Enttäuschte Spieler des FC Schalke 04.

Vor dem Spiel beim FC Bayern München

Schalker Problemzonen

Von Jörg Strohschein

Der FC Schalke 04 ist in eine große sportliche Krise gerutscht. Den Traditionsklubs plagen viele Probleme. Eine Analyse der Problemzonen vor dem Spiel beim FC Bayern.

Der FC Schalke 04 hat sich in eine tiefe Krise hinein manövriert. Noch im Oktober vergangenen Jahres waren die Königsblauen der Bayern-Jäger Nummer eins. Doch seitdem ist der Wurm drin. Die Mannschaft ist auf Platz sechs der Tabelle abgerutscht, Tendenz fallend. Für Trainer Huub Stevens kam Mitte Dezember Jens Keller, der noch keine Aufbruchstimmung erzeugen konnte. Der bisherige Tiefpunkt war das 1:2 am vergangenen Spieltag in der eigenen Arena gegen Greuther Fürth. Doch woran liegt es, dass die Mannschaft so weit hinter den (eigenen) Erwatungen zurück bleibt?

Die Abwehr:

Christian Fuchs

Schwacher Zweikämpfer: Christian Fuchs

Der langwierige Ausfall des seit Monaten am Knie verletzten Kyriakos Papadopoulos ist ein herber Schlag für die Schalker Defensive. Der Grieche war eindeutig der Chef der Abwehr, der sich manchmal übermütig, aber immer hochmotiviert in die Zweikämpfe geworfen hat. Bis zu seinem Ausfall Ende November hatte Papadopoulos 70 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen und damit einen großen Teil zum Schalker Höhenflugs zu Saisonbeginn beigetragen.

Sein Vertreter Joel Matip gewinnt zwar 66,9 Prozent seiner Zweikämpfe, sehr durchschnittlich ist allerdings die Quote des 1,93 Meter langen Verteidigers in der Luft, wo er gerade einmal 61,6 Prozent seiner Duelle erfolgreich beendet. Sein Nebenmann, Kapitän Benedikt Höwedes, ist zwar etwas stabiler, doch insgesamt wirkt sich das Fehlen des Griechen negativ aus. Routinier Christoph Metzelder spielt bereits seit Monaten keine Rolle mehr. Die Zahl der Gegentore hat sich deutlich erhöht. Bis zum 14. Spieltag mit Papadopoulos kassierten die Schalker im Schnitt 1,29 Tore pro Partie, seitdem sind es 2,17 Tore pro Spiel.

Außerdem haben auf den Außenverteidigerpositionen Atsuto Uchida auf der rechten und Christian Fuchs auf der linken Seite große Probleme, Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten und Flanken zu unterbinden. Sowohl der Japaner Uchida als auch der Österreicher Fuchs gewinnen gerade einmal jeden zweiten Zweikampf. Und doch sind sie Stammspieler, weil es im Kader keine echten Alternativen gibt. Gegen die Bayern muss Trainer Keller improvisieren, weil Fuchs wegen der fünften Gelben Karte gesperrt ist.

Die Torhüter:

Timo Hildebrand

Unsicher: Timo Hildebrand

Auch die Torhüterfrage bleibt ein wichtiges Thema. In die Saison gestartet sind die Schalker in dem Glauben, mit Timo Hildebrand, Lars Unnerstall und Ralf Fährmann drei gleichwertige Torhüter auf hohem Niveau vorzuhalten. Während Fährmann als dritter Torhüter noch keine Rolle spielte, konnten weder Unnerstall noch Hildebrand, unter Keller die Nummer eins, überzeugen. Hildebrand hielt lediglich 50 Prozent der Torschüsse. Zum Vergleich: Beim Hamburger René Adler sind es 75,7 Prozent.

Das Mittelfeld:

Michel Bastos

Hoffnungsträger: Michel Bastos

Nach dem vorzeitigen Abgang von Lewis Holtby nach England steht allein der 19 Jahre alte Julian Draxler für hohes spielerisches Niveau und Ideen in der Zentrale. Allerdings kann man von dem jungen Mann kaum erwarten, dass er durchgehend auf konstant hohem Niveau spielt. Neuzugang Raffael hat körperliche Defizite, die er erst noch mühsam abarbeiten muss. Roman Neustädter als solide Ballstation und Jermaine Jones als intensiver Zweikämpfer stehen eher für Fußball der uninspirierten Art.

Allein Jefferson Farfan auf der rechten Seite sorgt für Tempo, Dynamik und dadurch für Torgefahr. Doch wird der Peruaner vom Gegner neutralisiert, wie zuletzt häufig geschehen, stockt das Schalker Angriffsspiel. Neue Hoffnung macht Neuzugang Michel Bastos, der wie Farfan über große Schnelligkeit und zudem über einen überaus harten Schuss verfügt.

Der Angriff:

Klaas-Jan Huntelaar

Außer Form: Angreifer Klaas-Jan Huntelaar

Es ist und bleibt eine One-Man-Show, die Klaas-Jan Huntelaar Spiel für Spiel gibt. Allerdings ist der Niederländer seit Monaten indisponiert und erscheint wie ein Fremdkörper im Team. Er ist ohne Bindung zu seinen Mitspielern, bekommt allerdings auch wenig verwertbare Vorlagen, die ein Strafraumstürmer wie Huntelaar dringend benötigt. Fünf Tore und zwei Vorlagen sind die magere Bilanz nach 20 Spieltagen.

Zuletzt hatte es Keller mit zwei Spitzen versucht, doch Ciprian Marica verletzte sich prompt am Knie und wird länger ausfallen. Gegen die Bayern ist Huntelaar wegen einer Augenverletzung nicht dabei, vermutlich wird Stürmer Nummer drei, der Finne Teemu Pukki, beginnen. Echte Alternativen sind aber beide nicht.

Schalkes Trainer Jens Keller Play-Icon Audio-Icon

Krisenstimmung auf Schalke | 02:34 min | 08.02.2013 | WDR 2 Liga Live

Die Taktik:

Trainer Jens Keller gibt zu diesen Fragen keine eindeutigen Auskünfte. Ab und an spricht der 42-Jährige von Pressing, seine Spieler agieren auf dem Fußballplatz allerdings eher abwartend. Das Schalker Spiel wirkt oft zufällig, fast willkürlich. Keller stellte jüngst von einem 4-5-1 auf ein 4-4-2 ohne um, ohne zählbaren oder auch nur sichtbaren Erfolg damit zu haben. Es fehlt dem Spiel der Königsblauen an einer Grundidee. Auch Keller hat daran bisher noch nicht viel ändern können.

Der Trainer:

Jens Keller

In der Kritik: Trainer Jens Keller

Jens Keller hat eine charakterlich schwierige Mannschaft in einer schwierigen Phase übernommen. Sicher keine leichte Aufgabe für den vormaligen Jugendtrainer. In der kurzen Wintervorbereitungszeit ist es Keller nicht gelungen, eine Systematik herauszuarbeiten, die der Mannschaft in ihren Bemühungen auf dem Spielfeld hilft. Der ruhige Keller hat weder für einen Motivationsschub bei den Spielern, noch für eine neue Aufbruchstimmung im Umfeld sorgen können.

Der Manager:

Schalkes Manager Horst Heldt.

Unter Druck: Schalkes Manager Horst Heldt.

Horst Heldt hat es versäumt, einen Kader zusammenzustellen, der Formschwankungen und verletzungsbedingte Ausfälle in Abwehr und Angriff ausgleichen kann. Einzig im Mittelfeld gibt es ein vielfältiges Spielerangebot. Seine Entscheidung, Jens Keller zum Nachfolger von Huub Stevens zu befördern, sorgte bereits unmittelbar nach der Bekanntgabe bei vielen Experten und Beobachtern für Strinrunzeln. Für Heldt geht es nun darum, diese Saison noch zu einem versöhnlichen Ende zu bringen und gleichzeitig daran zu arbeiten, die vielen Defizite mit Blick auf die anstehende Saison zu beheben.

Stand: 08.02.2013, 14:38