Schalke glücklich über Arbeitssieg

Jefferson Farfán und Tranquillo Barnetta

FC Schalke 04 - 1. FC Nürnberg 1:0

Schalke glücklich über Arbeitssieg

Mit einem mühsamen 1:0 gegen den 1. FC Nürnberg hat Schalke 04 eine glorreiche Woche abgeschlossen - und freut sich nach dem besten Bundesliga-Start seit 41 Jahren über eine "sehr schöne Momentaufnahme".

Benedikt Höwedes sprach von einem "dreckigen Arbeitssieg", für Jermaine Jones war es sogar ein "Schweinesieg". Doch am Ende einer glorreichen Woche reichte ein mühseliges 1:0 (0:0) gegen den 1. FC Nürnberg, um müde Schalker glücklich zu machen. "Es ist eine sehr schöne Momentaufnahme", sagte Kapitän Höwedes nach dem besten Bundesliga-Saisonstart seit 41 Jahren und der Tabellenführung in der Champions League, "wir stehen sehr ordentlich da."

Dieter Hecking gibt ein Interview nach dem Spiel Play-Icon

Stimmen zum Spiel Schalke - Nürnberg (1:0) | 02:34 min | 27.10.2012 | Sportschau | Das Erste

Selbst der zuletzt besonders kritische Trainer Huub Stevens spielte nach den wenig unterhaltsamen 90 Minuten "Papa Gnädig" und lobte seine Spieler und die Zuschauer für deren "Ruhe und Geduld". Nach dem 2:1 im Revierderby beim Doublesieger Borussia Dortmund und dem 2:0 in der Champions League beim FC Arsenal wollte der Niederländer diesmal nicht knurren, obwohl es dazu mehr Anlass als in London gab.

Dieter Hecking auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Schalke Play-Icon

Pressekonferenz mit Dieter Hecking und Huub Stevens | 03:02 min | 27.10.2012 | Sportschau | Das Erste

Erlösung durch Farfán

Einzig Torjäger Klaas-Jan Huntelaar war nicht zufrieden. "Ich gucke nicht, was vor 40 Jahren oder so war", sagte der 29-Jährige, als er auf den zweitbesten Saisonstart der Schalker Bundesliga-Geschichte angesprochen wurde. Lediglich 1971/72 hatten die Königsblauen eine Spielzeit noch besser begonnen. "Wir haben immer noch Potenzial, uns zu verbessern", meinte der Niederländer, "und eigentlich haben wir vier Punkte zu wenig." Die verschenkten Siege in Hannover und Düsseldorf wurmten den Torschützenkönig der vergangenen Saison bei seiner Zwischenbilanz mehr als das wenig überzeugende Spiel gegen den Club. "Es war ein bisschen langweilig, ohne Feuer, aber solche Spiele muss man gewinnen", sagte er.

Drei Tage nach dem ersten Europacupsieg in der Schalker Vereinsgeschichte in England fehlte in der Tat das Feuer, aber auch "die geistige Frische", wie Höwedes feststellte. Gegen zunächst extrem defensive Nürnberger, die in der zweiten Hälfte etwas mutiger wurden, dabei aber ihre ganze Harmlosigkeit zeigten, taten sich die Schalker sehr schwer. Huntelaar selbst vergab drei, vier halbwegs gute Chancen. Am Ende reichte eine sehenswerte Direktabnahme von Jefferson Farfan nach einer genauen Flanke von Christian Fuchs (77.) zum vierten Pflichtspielsieg in Folge.

FC Schalke 04 - 1. FC Nürnberg 1:0

Nach den Siegen gegen Dortmund und Arsenal müht sich Schalke 04 gegen Nürnberg zu drei Punkten.

Klaas-Jan Huntelaar

Der Hunter zielt daneben. Klaas-Jan Huntelaar beim Torschuss.

Der Hunter zielt daneben. Klaas-Jan Huntelaar beim Torschuss.

Zu viele Kung-Fu-Filme gesehen? Timo Gebhart (l.) ahmt Bruce Lee nach.

Daumen lutschen für den Siegtreffer: Jefferson Farfan (r.) beim Torjubel.

Wieder kein Tor! Nürnbergs Trainer Dieter Hecking ist unzufrieden.

Nur eine Grätsche! Nürnbergs Maik Frantz (unten) musste früh ausgewechselt werden.

Zum Fußball gehört auch die Offensive. Schiedsrichter Knut Kircher informiert Timothy Chandler.

Blindflug in der alten Heimat. Nürnbergs Torhüter Patrick Rakovsky, auf Schalke einst als Balljunge aktiv, verliert die Orientierung.

Auch wenn die Königsblauen dem Tabellenführer Bayern München - mit gehörigem Abstand - folgen, sehen sie sich nicht als ernsthaften Konkurrenten. "Wir sind noch keine Spitzenmannschaft", sagte Torhüter Lars Unnerstall, "dazu fehlen die Titel, würde ich sagen." Deutlich mehr fehlt derzeit dem Club. Nach nur einem Punkt aus den letzten sechs Spielen sah Trainer Dieter Hecking allerdings "einen leichten Aufwärtstrend". Dabei konnte er aber lediglich die Defensivarbeit meinen, denn das Schalker Tor brachten die Nürnberger nach 19 Sekunden mit einem Schuss von Hiroshi Kiyotake einmal in Gefahr - und danach nie wieder.

Lob für Rakovsky

Ein Sonderlob verdiente sich Torhüter Patrick Rakovsky, sogar vom Gegner. "Er hat seine Sache super gemacht, er war überhaupt nicht nervös", sagte Schalke-Keeper Unnerstall, der den 19-Jährigen noch aus der Jugend der Königsblauen kennt. Der Nürnberger Torwart Nummer drei, nach den Ausfällen von Raphael Schäfer und Alexander Stephan zwischen den Pfosten, verhinderte mit mehreren Paraden eine höhere Niederlage. "Ich habe mich gefreut, viele alte Bekannte wiederzusehen", sagte Rakovsky und formulierte gleich das Programm für die nächsten Wochen: "Wir müssen weiter kämpfen, zusammenrücken und ein Tor machen." Es wird in der Tat höchste Zeit, denn die Franken sind schon seit 377 Minuten ohne Treffer.

Teile des Nürnberger Anhangs haben die Geduld offenbar schon verloren. Etwa 200 Fans des "Clubs" gelangten nach dem Spiel auf einen abgesperrten Parkplatz, belagerten den Mannschaftsbus der Franken und forderten lautstark den Rauswurf von Trainer Hecking.

Christian Fuchs Play-Icon Audio-Icon

Fuchs: "Wir haben auf unsere Chance gewartet" | 01:15 min | 27.10.2012 | WDR 2 Liga Live

sid | Stand: 27.10.2012, 20:00