Freiburgs Ärger über den Spielplan

Die Freiburger Robin Koch (l.) und Marco Terrazzino

Fußball-Bundesliga

Freiburgs Ärger über den Spielplan

Von Chaled Nahar und David Nienhaus

Der SC Freiburg beschwert sich über die kurze Abfolge von zwei Bundesliga-Spielen im Dezember, die Gründe für die Ansetzung bleiben unklar. Die Fans anderer Sportarten lächeln müde und sagen: "Stellt Euch nicht so an!" Zurecht?

Für den SC Freiburg werden es drei anstrengende Tage: Am Sonntag, 10. Dezember, spielt der Sport-Club beim 1. FC Köln, schon am Dienstag darauf kommt rund 53 Stunden nach dem Abpfiff in Köln Borussia Mönchengladbach nach Freiburg. In einer Mitteilung spricht der Klub von "Unverständnis" über die Ansetzung.

Handballer fragt: "Darüber beschwert ihr euch?"

Die Kritik sorgte in den sozialen Netzwerken wiederum für Unverständnis bei Fans anderer Sportarten. Die Fußballer sollen "alle mal aufhören rumzuheulen", schreibt ein Mensch bei Facebook. Handballer oder Eishockeyspieler könnten von so einem Zeitplan wie in der Fußball-Bundesliga "nur träumen".

Auch Handball-Nationalspieler Hendrik Pekeler meldete sich zum SC Freiburg: "5 Spiele in einem Monat und zwei davon innerhalb von 55 Stunden... Darüber beschwert ihr euch? Ehrlich jetzt?"

Sportwissenschaftler: Klarer Nachteil für Freiburg

Dr. Heinz Kleinöder, Leiter der Abteilung Kraftdiagnostik und Bewegungsforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln, hält den Vergleich zu anderen Sportarten für schwierig. "Im Eishockey gibt es Reihen, die laufend gewechselt werden. Im Basketball oder Handball gibt es fliegende Wechsel." Fußballer müssten dagegen zu einem großen Teil 90 Minuten durchspielen, was eine andere Form der Belastung sei.

Der Sportwissenschaftler Dr. Heinz Kleinöder von der DSHS Köln

Der Sportwissenschaftler Dr. Heinz Kleinöder von der DSHS Köln

Zwar sei es auch im Fußball möglich, im Zwei-Tage-Rhythmus zu spielen. "Das ist eine Frage der Gewöhnung", sagt Kleinöder. Dafür müssten sich die Vereine aber auch strukturell umstellen, indem sie die Kader vergrößerten, sagt der Wissenschaftler. Mit genügend Spielern sei ein engeres Programm zu bewältigen - es wäre die vielzitierte Rotation.

Durch die Ansetzung liege aber ein klarer Nachteil für Freiburg vor, sagt Kleinöder. Gladbach, das bereits Samstag spielt, habe länger Zeit zur Erholung. Zudem steige die Gefahr für muskuläre Verletzungen, da die Spieler den Rhythmus nicht gewöhnt seien.

Eine Entscheidung für das Fernsehspiel?

Die Deutsche Fußball-Liga, die den Spielplan erstellt, reagiert nur mit einer knappen Erklärung. Die Spiele in der Europa League zuvor, der Wochenspieltag in der Bundesliga und die "generell komplexen Vorgaben bei den Ansetzungen" hätten zu einer "besonders schwierigen Situation" geführt, hieß es. Immerhin werde das Spiel in Köln bereits um 13:30 Uhr angepfiffen. Kurz gefasst: Viel schlauer ist man nach den Zeilen der DFL nicht.

Klar ist nur: Wegen Kölns Europa-League-Spiel zuvor muss der Sonntagstermin bestehen bleiben - aber warum kann Freiburg dann nicht Mittwochs gegen Gladbach spielen? Oft spielen Stadien-Belegungen durch Konzerte oder Wünsche der Polizei zur Fantrennung eine Rolle. Vielleicht liegt die Antwort auch im folgenden Spieltag: Denn am Freitag nach den beiden Spielen empfängt Mönchengladbach an einem Freitag den Hamburger SV - und das wird live im ZDF übertragen. Von einem Mittwoch aus hätte Gladbach noch weniger Zeit zur Erholung als Freiburg jetzt. Eine Interessenabwägung wäre dann nicht im Sinne des Sports getroffen worden, klagt Freiburgs Sportvorstand Jochen Saier im "Kicker".

Stand: 08.11.2017, 14:29

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