Favre-Rücktritt überrascht Gladbach

Vorstand wollte Rücktrittsgesuch von Lucien Favre ablehnen

Favre-Rücktritt überrascht Gladbach

Von Christian Hornung und Frank Menke

Paukenschlag am Sonntagabend (20.09.2015): Nach sechs Pflichtspielpleiten in Folge zum Saisonauftakt ist Borussia Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre zurückgetreten.

Als Lucien Favre seine Entscheidung um 19.22 Uhr schriftlich der Öffentlichkeit mitteilte, lautete die Überschrift auf der Gladbacher Homepage noch: "Gemeinsam aus der schwierigen Situation." Manager Max Eberl wurde mit dem Satz zitiert: "Wir durchleben im Moment eine verdammt schwere Phase. Jetzt sind wir alle gefragt, uns gemeinsam daraus zu befreien."

"Nicht mehr der perfekte Trainer"

Das mit der gemeinsamen Befreiung hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits erledigt. Es sei denn, man deutet Favres Rücktritt so, wie er ihn selbst nach außen trug: Als Befreiung für den Verein.

Favre im Wortlaut: "Nach reiflicher Überlegung und eingehender Analyse bin ich zu der Erkenntnis gekommen: Es ist in dieser Situation die beste Entscheidung, mein Amt als Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbach niederzulegen. (...) Ich habe nicht mehr das Gefühl, der perfekte Trainer für Borussia Mönchengladbach zu sein. Da muss ich ehrlich zu mir und meinen Partnern professionell sagen: Es geht um den Verein, um den Mythos Borussia! Ich muss diese Entscheidung für Borussia und die Zukunft treffen."

Bonhof überrascht und betroffen

Borussen-Vize Rainer Bonhof erklärte um 19.55 Uhr gegenüber sportschau.de: "Wir haben den ganzen Tag zusammengesessen und versucht, Lucien von seiner Entscheidung abzubringen. Wir haben sein Rücktrittsgesuch auch ausdrücklich nicht angenommen. Daraufhin hat er wohl zunächst überlegt, doch noch weiterzumachen. Wir sind regelrecht betroffen und vor den Kopf gestoßen von seiner Entscheidung jetzt - und haben auch natürlich noch nichts anderes unternommen."

Eberl hoffte offenbar noch

Max Eberl war auch eine Stunde nach dem Rücktritt noch so schockiert, dass sich sein Statement auf der Gladbacher Homepage anhörte, als glaube er tatsächlich noch an eine Fortsetzung der Zusammenarbeit: "Wir sind nach wie vor total davon überzeugt, dass Lucien der perfekte Trainer für Borussia ist und wir gemeinsam mit ihm die aktuelle, sehr schwierige sportliche Situation überstehen werden."

Borussen-Präsident Rolf Königs äußerte sich wesentlich deutlicher: "Wir haben gehofft, dass wir ihn auch dieses Mal überzeugen können, bei uns und mit uns weiterzumachen. Mit seinem öffentlich gemachten Rücktritt hat er nun Fakten geschaffen, die uns bis ins Mark treffen." Königs' Worte machen deutlich: Es war nicht das erste Mal, dass Favre bei Gladbach die Brocken hinwerfen wollte. Amtsmüde war auf jeden Fall auch schonmal vor drei Jahren, als er seine drei Stützen Dante, Marco Reus und Roman Neustädter verloren hatte.

Stand: 20.09.2015, 19:47

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