Befristete Verträge im Profifußball zulässig

Heinz Müller vor dem Landesarbeitsgericht Mainz

Berufungsprozess in Mainz

Befristete Verträge im Profifußball zulässig

Die Zulässigkeit befristeter Arbeitsverträge im Profifußball ist vorerst gewährleistet. Das Landesarbeitsgericht in Mainz hat im Fall Heinz Müller gegen den 1. FSV Mainz 05 die erstinstanzliche Entscheidung gekippt. Nun ist offen, wie die beiden Parteien weiter vorgehen.

Der Vorsitzende Richter Michael Bernardi hatte bereits vor der Urteilsverkündung gesagt, dass die vierte Kammer eine Revision zulassen werde. Das bedeutet, dass der Fall an das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt oder sogar gleich an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) weitergegeben werden könnte, falls Müller in Berufung geht.

Eine gütliche Einigung im eigentlichen Rechtsstreit zwischen Müller und dem FSV ist indes auch nach dem Urteilsspruch möglich. Beide Parteien hatten angekündigt, dass es noch zu Gesprächen kommen könnte.

Müller klagte zunächst erfolgreich

Müller hatte erfolgreich auf "Feststellung des Fortbestandes als unbefristetes Arbeitsverhältnis" geklagt. Das Arbeitsgericht entschied, dass Müllers Vertrag nicht hätte befristet werden dürfen, weil eine solche Befristung laut Gesetz nur im Falle eines "sachlichen Grundes" oder bis zu einer Gesamtdauer von maximal zwei Jahren zulässig ist. Beides habe nicht zugetroffen, weil der heute 37-Jährige zuvor schon einmal einen von 2009 bis 2012 befristeten Vertrag bei den Mainzern besessen hatte. Die von Müller verlangte Abfindung in Höhe von 429.000 Euro war ihm vom Arbeitsgericht Mainz im März 2015 nicht zugesprochen worden.

Müller war trotz der Verlängerung seines Vertrages im Jahr 2012 um weitere zwei Jahre zur zweiten Mannschaft verbannt worden. Er sah sich dadurch außerdem der Chance beraubt, dass sich sein Kontrakt durch eine bestimmte Anzahl an Profi-Einsätzen (23) automatisch um ein Jahr verlängert.

Bestätigung hätte Konsequenzen haben können

Für den Profifußball blieb zunächst aber vor allem eine Frage offen: Sind die üblichen befristeten Arbeitsverträge im Fußball-Geschäft überhaupt zulässig? Falls das erstinstanzliche Urteil Bestand gehabt hätte, hätten ähnlich weitreichende Konsequenzen wie 1995 im sogenannten Bosman-Urteil kommen können.

DFB-Interimspräsident Rainer Koch hatte bereits damals bemängelt, "dass das Gericht die Besonderheit der Branche offenbar nicht gewürdigt hat. Für mich steht außer Frage, dass das allgemeine Arbeitsrecht im Fußball so nicht gelten kann". Arbeitsgerichts-Richterin Ruth Lippa hatte im erstinstanzlichen Urteil allerdings gesagt: "Die Eigenart des Profifußballs an sich ist noch kein Sachgrund." Dagegen ist Mainz 05 nun erfolgreich in Berufung gegangen.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) begründet die kurzen Verträge, auf denen das weltweite Transfersystem beruht, sinngemäß damit, dass die Mannschaften ja auch einem ständigen Wechsel unterzogen seien. Jürgen Paepke, Direktor für Recht, sprach von "Rotationsmöglichkeiten im Sinne der Fans und nachrückenden Talenten". Zudem sei ein Spieler in der Regel bis Mitte 30 in der Lage, professionellen Mannschaftssport zu betreiben. Danach scheide er meist als Berufsfußballer aus.

red/dpa/sid | Stand: 16.02.2016, 13:55

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