Philipp Lahm - der Alleskönner geht

Philipp Lahm - der Alleskönner geht

Mit 33 Jahren hat Philipp Lahm am Wochenende seine Karriere beendet - die ebenso rekordverdächtig wie erfolgreich war.

Philipp Lahm mit Meisterschale

Es ist der würdige Abschluss einer großen Fußball-Karriere. Am Samstag (20.05.17) hat Philipp Lahm nach seinem letzten Bundesliga-Spiel für Bayern München zum Abschied die Meisterschale als Kapitän in Empfang genommen - bereits zum fünften Mal. So oft hat bei den Münchenern sonst nur Klaus Augenthaler die Meisterschaft als Spielführer gefeiert.

Es ist der würdige Abschluss einer großen Fußball-Karriere. Am Samstag (20.05.17) hat Philipp Lahm nach seinem letzten Bundesliga-Spiel für Bayern München zum Abschied die Meisterschale als Kapitän in Empfang genommen - bereits zum fünften Mal. So oft hat bei den Münchenern sonst nur Klaus Augenthaler die Meisterschaft als Spielführer gefeiert.

Lahm, Jahrgang 1983, gilt schon in seiner Jugend beim FC Bayern als Riesentalent. Für seinen Förderer Hermann Gerland ist er der "perfekte" Spieler. "Ich habe seit den 1970er-Jahren, seitdem ich die Bundesliga hautnah erlebe, noch nie so einen Spieler gesehen. Wie einer so fehlerlos Fußball spielen kann, mit einer Selbstverständlichkeit die Bälle verarbeitet und nie seine Mitspieler in Verlegenheit bringt. Philipp hatte ein unglaubliches Niveau im Training - und zwar in jedem Training bis jetzt."

Der nur 1,70 Meter große Lahm beginnt als Linksverteidiger, wechselt aber später auf die Rechtsverteidiger-Position. Die Beförderung unter Bayern-Coach Pep Guardiola ins Mittelfeld gefällt ihm aber auch. "Philipp Lahm kann zehn Positionen spielen - nur nicht die von Manuel Neuer", sagt Guardiola.

Die große Fußballbühne betritt Lahm zum ersten Mal am 13. November 2002. Trainer Ottmar Hitzfeld wechselt in der Champions League gegen den RC Lens zwei Nachwuchskräfte ein - zuerst Bastian Schweinsteiger, später dann Philipp Lahm. Lahms Debüt bei den Bayern ist der Startschuss für eine Weltkarriere.

Doch zunächst geht es leihweise zum VfB Stuttgart, dort spielt Lahm von 2003 bis 2005. Gemeinsam mit Kevin Kuranyi, Andreas Hinkel und Timo Hildebrand ist er Teil der "jungen Wilden", die ebenso überraschend wie berauschend 2003 die Vizemeisterschaft holen und in der Saison danach in der Champions League das übermächtig erscheinende Manchester United besiegen.

Mit den Bayern schreibt Lahm danach eine Geschichte der großen Zahlen - achtmal wird er deutscher Meister, sechsmal gewinnt er den DFB-Pokal. Dazu kommt 2013 der Erfolg in der Champions League. Seine Bilanz in Zahlen: 331 Bundesligaspiele, 54 Partien im DFB-Pokal, 118 im Europapokal und insgesamt 516 Pflichtspiele für den FC Bayern.

Die Zahl seiner Tore ist dagegen deutlich kleiner. So traf Lahm in seiner gesamten Karriere nur 22 Mal in 651 Pflichtspielen. Eines dieser Tore hat seinen prominenten Platz in den Geschichtsbüchern allerdings sicher. Bei der WM 2006 in Deutschland erzielte Lahm das 1:0 in der Vorrunde gegen Costa Rica - es war das erste Tor des Turniers.

Es gibt zwar nicht allzu viele, doch Lahm erlebt auch große Enttäuschungen - und die vielleicht größte am 19. Mai 2012. Da verliert er mit dem FC Bayern im eigenen Stadion das Champions-League-Finale im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea.

Gut zwei Jahre danach feiert er seinen größten Triumph. Nach dem epochalen 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien gewinnt er am 13. Juli 2014 als Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft das WM-Endspiel gegen Argentinien mit 1:0 nach Verlängerung. Am Tag danach teilt er Bundestrainer Joachim Löw mit, seine DFB-Laufbahn zu beenden.

Einen Titel hat Lahm noch nie gewonnen. "Philipp ist einer der außergewöhnlichsten Spieler des deutschen Fußballs. Ich würde mir wünschen - und er hätte es wahrlich verdient - dass er zum Ende seiner großartigen Karriere jetzt auch noch Deutschlands Fußballer des Jahres werden würde", sagte sein ehemaliger Trainer Jupp Heynckes.

Alleine für seine faire Spielweise hätte er sich den Titel durchaus verdient. Zwischen September 2014 und Oktober 2015 begeht Lahm in der Bundesliga genau null Fouls. In den zwölf Jahren Bundesliga bei den Bayern muss er keine einzige Sperre absitzen. Insgesamt sieht er nur 20 Gelbe Karten, nie mehr als drei pro Saison. Eine saftige Geldstrafe kassiert er allerdings einmal wegen eines nicht mit dem Verein abgesprochenen Zeitungs-Interviews.

Für seinen Verein ist der Abschied seines Kapitäns sportlich ein herber Verlust. "Er gehört auf jeden Fall in die Jahrhundertelf des FC Bayern. Er war pünktlich, er war fleißig. Er hat immer überragend trainiert und nie über irgendwelche Spieler geschimpft, weder früher noch jetzt als Superstar", sagt Hermann Gerland auf der Homepage des deutschen Rekordmeisters.

Wie es bei Philipp Lahm nun weitergeht? Da gibt es im Moment vor allem zwei Gewissheiten. Sportdirektor beim FC Bayern wird er nicht. Dafür zum zweiten Mal Vater.

Stand: 20.05.2017, 20:34 Uhr

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