Michael Ballack beendet Karriere

Michael Ballack

Entscheidung gefallen

Michael Ballack beendet Karriere

Fußball-Profi Michael Ballack hat seine aktive Karriere beendet. Das teilte der ehemalige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft am Dienstag über seinen Anwalt mit.

"Mit 36 Jahren blicke ich auf eine lange und wunderbare Zeit im Profifußball zurück, von der ich als Kind nie zu träumen gewagt hätte", erklärte Ballack, der am 5. Mai dieses Jahres für Bayer Leverkusen sein letztes von insgesamt 267 Bundesliga-Spielen bestritten hat. "Es war ein Privileg, mit erstklassigen Trainern und fantastischen Mitspielern zusammenzuarbeiten. Sicher wird es mir fehlen, nicht mehr vor 80 000 Fans zu spielen oder ein Tor zu schießen."

Zuletzt war der Superstar mit einem Club in Australien in Verbindung gebracht worden. "Die letzten Monate ohne aktiven Fußball haben mir aber gezeigt, dass die Zeit reif ist, aufzuhören", sagte Ballack. "Ich freue mich jetzt auf ein neues Kapitel in meinem Leben und danke meiner Familie und all den großartigen Menschen, die mich gefördert, gefordert, begleitet und unterstützt haben. Sie alle haben großen Anteil an meinem Erfolg."

Reaktionen auf den Ballack-Rücktritt

Nach dem Rücktritt von Ex-Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack äußern sich Prominente aus dem Sport über die Entscheidung des 36-Jährigen.

 DFB- Praesident Wolfgang Niersbach spricht vor dem Logo 50 Jahre Bundesliga

Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident): "Michael Ballack war ein außergewöhnlicher Spieler, der für den DFB und den Stellenwert des gesamten deutschen Fußballs enorm viel geleistet hat. In der Nationalmannschaft hat er über viele Jahre herausragende Leistungen gezeigt, unvergessen bleibt dabei für uns alle insbesondere die WM 2002 in Japan und Südkorea. Es wäre schön, wenn Michael mit seiner großen Erfahrung dem Fußball erhalten bleibt, in welcher Funktion auch immer."

Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident): "Michael Ballack war ein außergewöhnlicher Spieler, der für den DFB und den Stellenwert des gesamten deutschen Fußballs enorm viel geleistet hat. In der Nationalmannschaft hat er über viele Jahre herausragende Leistungen gezeigt, unvergessen bleibt dabei für uns alle insbesondere die WM 2002 in Japan und Südkorea. Es wäre schön, wenn Michael mit seiner großen Erfahrung dem Fußball erhalten bleibt, in welcher Funktion auch immer."

Joachim Löw (Bundestrainer): "Mit Michael Ballack beendet ein großer Fußballer, der auf der ganzen Welt bekannt ist, seine Karriere. In der Nationalmannschaft habe ich Michael stets als Stütze und sehr guten Spieler mit überragenden Qualitäten schätzen gelernt. Auf dem Platz strahlte er immer eine große Dominanz aus, für den Erfolg hat er alles getan. Für die Zukunft wünscht ihm die gesamte Nationalmannschaft inklusive der Betreuer alles Gute."

Oliver Bierhoff (Teammanager Nationalmannschaft): "Es ist immer schade, wenn eine große Karriere endet. Andererseits tun sich damit immer auch neue Chancen auf. Michael Ballack gehört zu den verdienten National- und absoluten Ausnahmespielern, der viele Jahre ein prägendes Gesicht war. Auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren, sind wir uns stets mit gegenseitiger Wertschätzung begegnet, wie es sich unter Sportlern gehört. Ich wünsche Michael Ballack für die Zukunft Zufriedenheit, viel Spaß und alles Gute. Er kann mit Stolz auf seine Laufbahn als Fußballer zurückblicken."

Berti Vogts (ehemaliger Bundestrainer): "Ich glaube, er hat erkannt, dass er nicht mehr für einen großen Club spielen kann. Sein Karriereende ist richtig. Was soll er in Australien? Viele Australier wollen in Europa spielen. Wie sieht das denn aus, wenn er nun nach Australien gegangen wäre? Vielleicht hätten ihm noch zwei Jahre in den USA gut getan. So wie David Beckham. Ich hoffe, dass Michael dem deutschen Fußball erhalten bleibt - als Manager oder Trainer. Das traue ich ihm zu. Es wäre schade, wenn der deutsche Fußball ihn verliert. Er hat Großes geleistet."

Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund): "Er war einer der Größten, die der deutsche Fußball je hervorgebracht hat. Ich ziehe meinen Hut vor ihm und finde es gut, dass er jetzt aufgehört hat und nicht noch drei Jahre irgendwo in der Provinz drangehängt hat."

Thorsten Fink (Trainer Hamburger SV): "Er ist ein großer Spieler, der den deutschen Fußball jahrelang geprägt hat. Schade, dass er geht. Aber er hatte eine großartige Karriere und kann stolz darauf sein."

Heribert Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender Eintracht Frankfurt): "Er war ein großer Spieler, der torgefährlichste Mittelfeldspieler, den die Bundesliga je hervorgebracht hat. Auch in der Nationalmannschaft hat er großartigen Fußball gespielt. Jetzt ist aber der richtige Zeitpunkt für ihn gekommen, seine Profi-Laufbahn zu beenden. Michael Ballack hat es nicht nötig, in Asien oder Amerika herumzuturnen. Er sollte jetzt seinen Trainerschein machen und seine zweite Karriere im Fußball beginnen."

Heiner Brand (Sportdirektor des Deutschen Handball-Bundes und Weltmeister-Trainer): "Vor dem, was er fußballerisch geleistet hat, habe ich allergrößten Respekt. Bis 2010 war er eine der dominierenden Persönlichkeiten, auch wenn er nicht immer von allen gut gelitten war, aber das musste er auch nicht. Der Abschied hat mich geschmerzt, wie das gelaufen ist."

Joseph S. Blatter (FIFA-Chef): "Ich habe gerade von seinem Rücktritt nach einer glanzvollen Karriere erfahren. Alles Gute für die zweite Halbzeit!"

Viele Erfolge

Ballack bestritt 98 Länderspiele und wurde Vize-Weltmeister 2002, Vize-Europameister 2008 und WM-Dritter 2006. Mit seinen Clubs 1. FC Kaiserslautern, Bayern München, FC Chelsea und Bayer Leverkusen war er insgesamt viermal deutscher Meister, dreimal Pokalsieger und einmal englischer Meister geworden. Zudem holte er mit Chelsea dreimal den FA-Cup.

Michael Ballack - Stationen einer Karriere

Michael Ballack blickt auf eine große Karriere zurück, in der Freud und Leid dicht beieinanderlagen.

Michael Ballack

19. September 1997: Michael Ballack bestreitet für den 1. FC Kaiserslautern beim KSC sein erstes Bundesliga-Spiel. Am Ende der Saison gewinnt das Team die deutsche Meisterschaft. Ballacks erster Titel im Profifußball.

19. September 1997: Michael Ballack bestreitet für den 1. FC Kaiserslautern beim KSC sein erstes Bundesliga-Spiel. Am Ende der Saison gewinnt das Team die deutsche Meisterschaft. Ballacks erster Titel im Profifußball.

Auch der eingewechselte Michael Ballack konnte die deutsche Niederlage nicht mehr abwenden. Bei seinem Länderspieldebut im April 1999 kassiert Ballack unter Nationaltrainer Erich Ribbeck in Bremen eine 0:1-Niederlage gegen Schottland.

Bayer Leverkusen hat ein Auge auf den jungen Michael Ballack geworfen. Im Sommer 1999 wechselt er für acht Millionen Mark zum Werksklub. Mit den Rheinländern verpasst Ballack am letzten Spieltag der Saison 1999/2000 in Unterhaching die sicher geglaubte Meisterschaft. Im Mai 2002 unterliegt Bayer mit Ballack im Champions-League-Finale.

Michael Ballack schießt die deutsche Nationalmannschaft ins WM-Finale 2002. Kurz zuvor verhindert er in der 71. Minute nach einem Foul den möglichen Rückstand, kassiert dafür aber seine zweite gelbe Karte im Laufe des Turniers und ist für das Finale gegen Brasilien gesperrt.

Nach der WM 2002 wechselt Ballack für sechs Millionen Euro zu Rekordmeister Bayern München. Mit den Bayern holt der Mittelfeldspieler 2003, 2005 und 2006 das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal.

Vier Jahre später unterschreibt er einen Vertrag beim englischen Erstligisten FC Chelsea. Mit den Blues holt er 2010 das Double aus Meisterschaft und FA-Cup. Den FA-Cup gewinnt er zusätzlich noch 2007 und 2009.

Die WM 2006 in Deutschland: Der von Klinsmann "Capitano" genannte Ballack muss seinen Traum vom ersten internationalen Titel nach dem Halbfinal-Aus gegen Italien begraben.

Im Moskauer Luschniki-Stadion verliert Ballack im Mai 2008 mit Chelsea das Champions-League-Finale gegen Manchester United nach Elfmeterschießen. Fünf Wochen später unterliegt Deutschland im EM-Finale gegen Spanien mit 0:1. Das Tor des 36-Jährigen im abschließenden Gruppenspiel gegen Österreich wird später zum Tor des Jahres gewählt.

3. März 2010: Beim 0:1 gegen Argentinien bestreitet der Kapitän der Nationalmannschaft in München sein letztes von 98 Länderspielen (42 Tore).

Drei Wochen vor der WM 2010 verletzt Kevin Prince Boateng im FA-Cup-Finale Michael Ballack mit einem bösen Foul und bringt ihn um die Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika.

Nach dem Aus in der Nationalmannschaft wechselt Michael Ballack im Sommer 2010 erneut zu Bayer Leverkusen. Dort beendet er im Mai 2012 seine Bundesliga-Karriere, nachdem sein Vertrag nicht verlängert wird. Über ein Engagement im Ausland wird lange spekuliert. Ballack beendet seine aktive Karriere schließlich offiziell am 2. Oktober 2012.

dpa | Stand: 02.10.2012, 16:18