Mainz 05 - Ausverkauf oder Konstanz?

 Yoshinori Muto und Yunus Malli

Topspieler heiß begehrt

Mainz 05 - Ausverkauf oder Konstanz?

Von Robin Tillenburg

Der 1. FSV Mainz 05 spielte eine starke Hinrunde und ist nur drei Zähler von einem Europapokalplatz entfernt. Das ist auch anderen Klubs aufgefallen, die nun offenbar um die Mainzer Topspieler buhlen.

Yunus Malli, Yoshinori Muto, Loris Karius - drei Säulen, auf denen der Mainzer Erfolg in dieser Saison besonders fußt. Malli und Muto haben zusammen 15 der 23 Mainzer Tore erzielt, Muto hat den nach England abgewanderten Torjäger Okazaki schneller vergessen lassen als gedacht. Malli debütierte zuletzt sogar in der türkischen Nationalmannschaft.

Karius gehört in allen relevanten statistischen Kategorien zu den besten Torhütern der Liga. Er steigert sich von Saison zu Saison

Dass es Vereine, die finanziell nicht zur nationalen, oder gar internationalen Elite gehören, gewohnheitsmäßig schwer haben, ihre Topspieler zu halten, ist eine Gesetzmäßigkeit. Doch bei kaum einem Bundesligaverein halten sich die Gerüchte um die Abgänge ihrer Leistungsträger in diesem Winter so sehr wie in Mainz.

Tuchel und die Insel locken

Malli soll, so einige Medienberichte, noch in den nächsten Tagen zu Borussia Dortmund und seinem Ex-Trainer Thomas Tuchel wechseln. Eine Ablösesumme von 13 Millionen Euro steht im Raum. Auch wenn FSV-Manager Christian Heidel betont: "Es gibt keinen Deal, es ist nichts perfekt", scheint ein Wechsel durchaus im Bereich des Möglichen - vorausgesetzt, die Rheinhessen finden noch einen geeigneten Nachfolger. Malli selbst schweigt, wurde bei der Generalprobe, dem 1:0-Testspielsieg über den 1. FC Köln, nicht eingesetzt. Er sei "leicht angeschlagen", hieß es.

Auch der 22 Jahre alte Karius hat Begehrlichkeiten geweckt und das auch noch in der extrem zahlungskräftigen Premier League. Aston Villa und der FC Liverpool werden unter anderem als Interessenten genannt. Karius, der 2011 aus der U21 von Manchester City nach Deutschland wechselte, hat nie einen Hehl aus seiner Liebe zur Insel gemacht: "England wäre ein Traum", verkündete er noch im Herbst.

Auch nicht unmöglich erscheint ein Wechsel von Yoshinori Muto, der bei Manchester United auf dem Zettel stehen soll, für den aber laut Heidel kein offizielles Angebot vorliegt. Sollte die in englischen Medien kolportierte Summe von 16 Millionen Euro allerdings tatsächlich geboten werden, könnten die Mainzer schwach werden.

Starke Verhandlungsposition

Damit würden sie sich zumindest finanziell eine starke Ausgangsposition im Hinblick auf die kommende Transferperiode im Sommer verschaffen. Schließlich ist es angesichts von starken 24 Zählern und schon neun Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz unwahrscheinlich, dass der FSV noch einmal in Abstiegsnöte gerät. Mit einem gut gefüllten Festgeldkonto ließe sich die Saison 2016/17 in aller Ruhe planen.

Die Verhandlungsposition der Mainzer ist ohnehin keine schlechte. Sie sind auch dank des Okazaki-Transfers im vergangenen Sommer und ihrer sportlich sehr soliden Tabellenposition nicht gezwungen, überhaupt Spieler zu verkaufen. Dass die Abwarte-Taktik sich noch einmal auszahlen könnte, weiß auch der Trainer Martin Schmidt: "Manchmal kommen kurz vor Schluss Angebote, die alles sprengen." Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass Heidel sich bewusst ein bisschen Zeit lässt.

"Bruchweg Boys 2.0"?

Der Verkauf eines oder mehrerer Leistungsträger würde aber sportlich ein größeres Loch in den Kader der 05er reißen. Adäquate Neuzugänge müssten erst einmal gefunden und dann auch noch integriert werden. Erinnerungen an die "Bruchweg-Boys" André Schürrle, Lewis Holtby und Adam Szalai werden wach, die 2010 die Liga aufmischten, Mainz unter Thomas Tuchel auf Platz fünf schossen und kurz danach alle den Verein verließen. Der Verein konnte diese Platzierung in den nächsten zwei Saisons nicht annähernd erreichen - und die drei abgewanderten Spieler kämpften danach jahrelang um ihre Form.

Schürrle, Szalai und Holtby

Die "Bruchweg Boys" feiern den Einzug in die Europa League

Bleiben die "Bruchweg Boys 2.0" länger als ihre Vorgänger, könnte das dem FSV mal wieder eine Europapokal-Teilnahme und personelle Konstanz bescheren. Eine ähnliche Ära wie unter Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel mit begeisterndem Action-Fußball könnte begründet werden.

Eigentlich sollten die Parallelen zu Schürrle, Holtby und Szalai allen beteiligten Akteuren eine Lehre sein. Doch das Geld und die Chance, zu einem Champions-League-Teilnehmer zu wechseln, könnten die Erinnerung schnell übertünchen. So bleibt also möglicherweise nur noch, Mahatma Gandhi zu zitieren: "Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt."

Stand: 20.01.2016, 08:30

Bundesliga | Tabelle

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5. FC Schalke 04 34 52
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16. Eintr. Frankfurt 34 36
17. VfB Stuttgart 34 33
18. Hannover 96 34 25
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