Bundesliga - Neue Mittelstürmer für den Abstiegskampf

Mario Gomez

Neuzugänge zur Rückrunde

Bundesliga - Neue Mittelstürmer für den Abstiegskampf

Von Frank Hellmann

Im Kampf um den Klassenerhalt klammern sich drei Klubs an neue Torjäger: Auf Mario Gomez, Anthony Ujah und Simon Terodde lasten große Hoffnungen.

Keine Frage: Der VfB Stuttgart hat es gut getroffen mit seinem Wintercamp. Blauer Himmel, sattgrüner Rasen, malerische Kulisse in La Manga. Und mittendrin einer, der dafür sorgen soll, dass sich die Mienen beim Bundesliga-Aufsteiger dauerhaft aufhellen: Mario Gomez.

Der Nationalstürmer ist der prominenteste von drei Torjägern, die in der Winterpause zu einem Verein zurückgekehrt sind, bei dem sie schon einmal unter Vertrag standen. Auch mit Anthony Ujah (Mainz 05) und Simone Terrode (1. FC Köln) ist die Hoffnung auf mehr Offensivpower verknüpft. Und ein Mittelstürmer mit nachgewiesener Treffsicherheit scheint da die beste Lösung.

Erwartungen an Gomez sind hoch

Als Gomez in La Manga in einer Medienrunde saß, stellte der Angreifer erneut klar, dass er allein darüber entschieden habe, in seine Heimatstadt zurückzukehren. Wobei der 32-Jährige unweigerlich mit Erwartungen konfrontiert wird, die aus der Meisterschaft 2007 resultieren, als der junge Draufgänger Gomez zu einem Gesicht des Vereins wurde.

Nun kehrt er als gereifte Persönlichkeit zurück. "Ich habe das nicht gemacht, um hier Fritzle zwei zu machen beim VfB und hier in Rente zu gehen“, sagte Gomez. Ziel war und ist vor allem die WM in Russland. "Ich habe den sportlichen Ehrgeiz, hier ein gutes halbes Jahr zu haben, auf den Sommer gesehen. Und dann sehen wir weiter."

Neue Konstellation

Von ihm werden vor allem Tore verlangt, nachdem das Team von Trainer Hannes Wolf nur 13 in der Hinrunde zustande brachte. Gomez‘ Bilanz in Wolfsburg ("dort hat es zu viele Schulterklopfer gegeben") fällt mit zwei Treffern zwar nicht viel besser aus, aber wer in 281 Bundesligaspielen allein 155 Tore erzielt, der kann seinen Instinkt nicht verlernt haben.

Der 71-malige Nationalspieler ist sich der hohen Erwartungen bewusst. Aber sie scheinen ihn nicht zu kümmern. "Ich bin nicht hier, weil ich 2007 Meister wurde mit dem VfB. Sondern, weil die Konstellation, wie sie ist, mir den Reiz gibt." Wenn es am 13. Januar im Heimspiel gegen Hertha BSC um die ersten Punkte geht, will er möglichst sofort helfen.

Terodde soll in beiden Ligen helfen

Kurios: Dass der VfB Stuttgart den Betriebsunfall des Abstiegs überhaupt so schnell reparierte, war einem anderen Torjäger zu verdanken: Simon Terodde. Seine 25 Treffer waren Garant für die Zweitliga-Meisterschaft, und doch schien der Angreifer vom Erstliga-Anspruch oft weiter entfernt als gedacht.

Sein Winterwechsel zum 1. FC Köln ergibt daher Sinn. Denn sollte der aktuell Tabellenletzte absteigen, hätte er einen Torjäger, der in der zweiten Spielerklasse schon beim VfL Bochum (66 Spiele/ 41 Tore) verlässlich getroffen hat.

Schwierige Situation

Der Charme des Geißbockheims ist ihm aus seiner ersten Kölner Zeit (2009 bis 2011) bestens bekannt. Doch für den Angreifer hat sich einiges verändert: Vor dem ersten Training nach seiner Rückkehr verließ der 29-Jährige nun die Katakomben nicht mehr als einer von Vielen, sondern als Hoffnungsträger Nummer eins. Terodde nimmt diese Rolle an. "Ich freue mich, wieder hier zu sein. Es ist ein besonderes Gefühl beim FC."

"Ich kann auch die Tabelle lesen, es ist eine schwierige Situation. Aber als ich gestern in die Kabine gekommen bin, habe ich jede Menge Qualität gesehen." Im Idealfall soll der Drei-Millionen-Zugang das schier Unmögliche wahr machen - zumindest aber, im Falle des sechsten Abstiegs, den Traditionsklub umgehend wieder nach oben schießen.

Vorfreude bei Ujah ist groß

Anthony Ujah

Hoffnungsträger in Mainz: Anthony Ujah

Erst gar nicht mit dem Szenario eines Abstiegs setzt sich Anthony Ujah auseinander. Auch der in die Bundesliga zurückgekehrte Nigerianer ist ein Hoffnungsträger, mit dem Mainz 05 in sorgenfreie Tabellenregionen kommen will. Als sich der 27-Jährige am Bruchweg präsentierte, sprach der Stürmer flüssig Deutsch. Und wirkte so ganz anders, nachdem er 2011 schon einmal bei den Rheinhessen spielte.

Damals hatte Christian Heidel den Angreifer verpflichtet, der mit den komplexen Anforderungen in Training und Spiel unter Trainer Thomas Tuchel nicht zurechtkam. Erst die Ausleihe zum 1. FC Köln und später der Transfer an den Rhein halfen Ujah, sich weiterzuentwickeln - über den Umweg zweite Liga. Werder Bremen zahlte 2015 sogar 4,5 Millionen Euro, um den inzwischen sehr treffsicheren Torjäger zu holen.

Ein anderer Druck in Deutschland

Doch der blieb nur ein Jahr an der Weser, weil sowohl der Spieler als auch der Verein den Lockrufen aus der chinesischen Super League erlagen. Liaoning Whowin soll damals rund zwölf Millionen Euro gezahlt, das Jahresgehalt sogar fünf Millionen Euro betragen haben. Und doch wurde Ujah im Reich der Mitte nicht wirklich glücklich.

"Die Entfernungen sind groß, du musst ständig vier Stunden fliegen und stehst danach noch lange mit dem Bus im Stau", erzählte Ujah. Auf die Rückkehr nach Deutschland - maßgeblich vom Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder vorangetrieben - freue er sich. "Hier herrscht ein anderer Druck. Du musst immer wach sein. Das macht die Spieler besser."

mit dpa, sid | Stand: 05.01.2018, 12:24

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