Was ist dran an Luuk de Jong?

Luuk de Jong

Borussia Mönchengladbach buhlt weiter um den Niederländer

Was ist dran an Luuk de Jong?

Es scheint Liebe zu sein. Luuk de Jong will unbedingt nach Mönchengladbach, und die Borussia will unbedingt Luuk de Jong. Bisher scheitert der Transfer noch an der Ablösesumme. Doch was finden beide eigentlich aneinander?

Dass Borussia Mönchengladbach bereit ist, rund 14 Millionen Euro für nur einen einzigen Spieler zu bezahlen, das hätten Fans und Verantwortliche des Klubs vor nicht allzu langer Zeit noch ins Reich der Fabel verwiesen. Und dass ein Spieler auf einen Millionenbetrag verzichtet, nur um zu seinem Wunschverein wechseln zu können, das kommt im Fußballgeschäft höchst selten vor. Doch so ist das mit der Borussia und Luuk de Jong.

Seit Monaten verhandelt Sportdirektor Max Eberl mit Twente Enschede über einen Transfer des 21-Jährigen. Bisher scheitert der an den hohen Forderungen des niederländischen Klubs. Von 20 Millionen Euro war zwischenzeitlich die Rede. Doch auch wenn Gladbach am Ende vielleicht "nur" 14 Millionen überweist, wäre de Jong der mit Abstand teuerste Transfer der Vereinsgeschichte. Warum will Gladbach so viel Geld investieren?

Der ideale Reus-Ersatz

Zum einen steht die Borussia unter großem Druck. Denn es gilt, drei Stützen der bisherigen Erfolgsmannschaft zu ersetzen. Roman Neustädter, der im Mittelfeld das Spiel der Borussia ankurbelte, wechselte zu Schalke 04. Abwehrchef Dante zog es zu Bayern München, und Marco Reus erlag dem Werben des Meisters aus Dortmund.

Zwei Mal sind Sportdirektor Max Eberl und Trainer Lucien Favre auf dem Transfermarkt schon fündig geworden. Das Aufbauspiel soll künftig der Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka vom FC Basel dirigieren, der Spanier Alvaro Dominguez von Atletico Madrid soll die Abwehr zusammen halten. Fehlt noch Ersatz für Marco Reus. Und da hat Favre de Jong zu seinem Traumspieler erkoren. Denn der passt offenbar haargenau ins Konzept des Schweizer Fußball-Lehrers.

25 Tore in 32 Spielen - 15 Klubs waren dran

Seit 2009 spielt de Jong bei Twente. Damals holte der Klub ihn vom Liga-Rivalen De Graafschap. Seinen Durchbruch in der niederländischen Ehrendivison gelang ihm in der vergangenen Saison. Da schoss er in 32 Spielen 25 Tore - was ihn auch für europäische Topklubs interessant machte. De Jongs Berater Louis Laros erklärte, dass im Frühjahr 15 Vereine Interesse an dem Talent bekundet hätten. Die prominentesten: Der FC Liverpool, die Tottenham Hotspur, Newcastle United, Benfica Lissabon - und zwischenzeitlich auch Borussia Dortmund.

Was de Jong mitbringt, ist internationale Erfahrung. Das hätte er den meisten seiner Mitspieler in Gladbach voraus. Sechs Champions-League- Einsätze und 19 Europa-League-Spiele stehen zu Buche. Zudem trug de Jong sieben Mal das Trikot der niederländischen Nationalmannschaft, wo er allerdings klar im Schatten der Topstars Robin van Persie und Klaas-Jan Huntelaar steht.

"Passt perfekt zu mir"

Lucien Favre

Gladbachs Trainer Lucien Favre

Dass jetzt nur noch Gladbach am Niederländer dran ist, liegt daran, dass der einzig und allein zur Borussia will. Der fünfmalige Meister ist de Jongs Wunschverein, denn der Niederländer ist mächtig angetan von Favres Spielphilosophie. "Ich habe mit Trainer Favre mehrmals telefoniert. Wir haben darüber gesprochen, wie er spielen lassen will. Ich bin sicher, seine Philosophie mit schnellem Spiel in die Spitze passt perfekt zu mir", sagt der Jungstar.

Fest steht, dass das Toptalent gewiss woanders mehr Geld verdienen könnte als am Niederrhein. Doch für den Stürmer zählt vor allem die sportliche Perspektive. Während er bei der Borussia wohl von Beginn an zum Stammpersonal gehören würde, säße er anderswo womöglich vor allem auf der Bank.

Verzicht auf einen Millionenbetrag

Max Eberl

In de Transferphase bleibt das Handy auch nachts an: Manager Max Eberl

Um den Wechsel möglich zu machen, will de Jong selbst auf viel Geld verzichten. Laut Vertrag stehen ihm 20 Prozent der Transfersumme zu, doch die will er nicht. Das freut die Borussia. "Es ist schön zu  sehen, dass unser Plan, junge Spieler Schritt für Schritt aufzubauen, so gut angenommen wird. Es ist ein unglaublich gutes Zeichen, dass ein Spieler bereit ist, auf sehr viel Geld zu verzichten, um zu uns zu kommen", sagt Sportdirektor Max Eberl.

Ob de Jong die 14 Millionen Euro, die im Raum stehen, nun Wert ist oder nicht, bleibt dahin gestellt. Dass der Bundesliga-Vierte durch den Verkauf von Reus und Dante 22 Millionen Euro eingenommen hat, ist auch in den Niederlanden bekannt. Twente-Präsident Joop Mustermann treibe den Preis deshalb in die Höhe, monieren Kritiker.

Gladbach pokert - Plan B in der Schublade

Was die Ausgaben angeht, pokert Gladbach hoch. Zieht die Borussia dank de Jong in die Gruppenphase der Champions League ein, rechnet sich der Transfer in kürzester Zeit. Falls nicht, ist erstmal Ebbe in den Kassen, denn die Borussia hatte zuvor schon für Xhaka und Dominguez rund 15,5 Millionen bezahlt. Doch Sportdirektor Eberl ist in der Zwickmühle. Denn Trainer Favre hatte seinen Vertrag zuletzt praktisch unter Auflagen verlängert. Das Geld für Reus und Dante, so der Schweizer, müsse komplett in den Kader gesteckt werden.

Sollte das Geschäft platzen, muss sich die Borussia weiter um Ersatz für Marco Reus bemühen. Interesse besteht weiterhin an John Guidetti von Manchester City, Luc Castaignons von Inter Mailand und David Hoilett von den Blackburn Rovers. Auch der Berliner Raffael soll angeblich wieder ein Thema sein. Die Zeit ist knapp. Schon am 21. oder 22. August stehen die Playoffs für die lukrative Champions League an - und zwar mit oder ohne de Jong.

Stand: 17.07.2012, 12:20