Kießlings Tagessieg gegen Meier

Stefan Kießling erzielt das 2:0 für Bayer Leverkusen.

Bei Leverkusens 3:1 gegen Eintracht Frankfurt

Kießlings Tagessieg gegen Meier

Von Marcus Bark

Leverkusen gewinnt gegen Frankfurt, und auch Stefan Kießling feiert einen deutlichen Tagessieg gegen Alexander Meier im Duell der Torjäger. Eine Analyse.

Eine der Fragen, die Sascha Lewandowski in seiner noch sehr kurzen Laufbahn als Trainer einer Profimannschaft begleiten, ist die nach den Ambitionen von Stefan Kießling, noch einmal für die deutsche Nationalmannschaft berufen zu werden. "Eigentlich ist zu dem Thema alles gesagt", lächelte der Leverkusener, "'Kieß' sieht das ja inzwischen auch ganz relaxt".

Der Stürmer hatte den Trainer ein paar Minuten zuvor eindrucksvoll belegt. "Ich wusste davon vorher nichts, und es ist mir eigentlich auch egal", sagte der Stürmer über die Anwesenheit von Bundestrainer Joachim Löw auf der Tribüne. Seit der Weltmeisterschaft 2010 pflegen die Beiden ein distanziertes Verhältnis, Kießling fühlte sich übergangen, weil er kaum zum Einsatz kam. Das Spiel um den dritten Platz in Südafrika war das bislang letzte von Kießling. Dabei gab es danach genügend Gründe in Form von Toren, ihn noch einmal zu nominieren. Aber selbst wenn Mario Gomez und Miroslav Klose ausfielen, gab es kein Zurück in den Elitekader des DFB.

Starke Offensive nach längerer Anlaufphase

Dass es andere als sportliche Gründe für den Bundestrainer geben muss, zeigte Kießling beim 3:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt komprimiert. Er war als Führender der Torjägerliste in die Partie gegangen, auf der anderen Seite stand mit Alexander Meier der Zweitplatzierte. An dieser Reihenfolge änderte sich nichts, denn beide trafen ein Mal. Aber der direkte Vergleich ging klar an Kießling.

Die Leverkusener benötigten zwar eine längere Anlaufphase, bis ihr Offensivspiel in Schwung kam, dann aber zeigte sich die vorderste Reihe mit Gonzalo Castro (rechts), Kießling (Mitte) und Andre Schürrle wieder in starker Form. Die Werkself trat im gewohnten System auf, während die Eintracht auf das eher selten gesehene 4-4-2 statt des 4-2-3-1 zurückgriff. Damit gewann sie zwar vor der Winterpause in Wolfsburg, aber in Leverkusen erwies es sich als kontraproduktiv, dass Meier meistens an der Seite des schwachen Karim Matmour im Angriff auftauchte.

Einer abgeschnitten, einer mitten im Geschehen

Alexander Meier

Zwei gute Szenen, ein sehr schönes Tor: Alexander Meier

Das offensive Zentrum des Mittelfelds blieb daher unbesetzt, Meiers gestalterische Qualitäten kamen nicht zum Tragen, die Eintracht in der ersten Halbzeit zu keiner guten Chance. Meier lief mit 11,6 Kilometer gut 1,2 Kilometer mehr als Kießling, aber der war wesentlich effizienter. Er gewann in der Torschussstatistik mit 4:2 gegen Meier und bei den Zweikämpfen mit 13:8. Der Frankfurter wirkte abgeschnitten, Kießling immer mitten im Geschehen, wenn der Tabellenzweite eine gefährliche Szene hatte.

Seitdem das Leverkusener Trainergespann Lewandowski/Sami Hyypiä das System auf ein 4-3-2-1 mit fließenden Grenzen zum 4-3-3 umgestellt hat, kommen auch Kießling mehr Aufgaben in der gestaltenden Rolle zu. Er lässt sich häufiger ins Mittelfeld fallen, auch um Raum im Angriffszentrum zu schaffen für Schürrle und Castro. Dabei büßt er kaum an Torgefahr ein, denn dank seiner (Handlungs)-Schnelligkeit ist Kießling zeitig wieder vorne, wenn er als Abschlussspieler gebraucht wird. Das 2:0 war der Beleg dafür. Schürrle passte zwischen den beiden Frankfurter Innenverteidigern hindurch auf Castro, Kießling spurtete mit, um den einfachen Querpass zu einem einfachen Tor einzuschieben.

13 Treffer, sechs Vorlagen

Seinem 13. Saisontreffer ließ er noch die sechste Vorarbeit folgen, wobei der Querpass auf den Torschützen Schürrle ein wenig missraten war, da er in den Rücken gespielt wurde. Das 3:0 in der 58. Minute war die Entscheidung im Topspiel, eingeleitet wurde es durch einen Fehlpass von Alexander Meier, der nur zwei gute Szenen im Spiel hatte. Nach seiner präzisen Kopfballvorlage traf Olivier Occean den Pfosten (62.). "Wenn da der Anschlusstreffer fällt, geht vielleicht noch etwas. Das 1:3 kam dann zu spät", sagte Frankfurts Trainer Armin Veh. Den Treffer erzielte Meier mit einem Schlenzer in den rechten Torwinkel, bei dem die gute Technik des Offensivspielers deutlich wurde (78.).

Der Tagessieg im Duell der Torjäger ging dennoch deutlich an Kießling. Die Frage nach einer möglichen Berufung in die Nationalmannschaft war wieder einmal berechtigt. Vielleicht wird sie sich Joachim Löw ja doch irgendwann noch einmal ernsthaft stellen.

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Stimmen zum Spiel Leverkusen - Frankfurt (3:1) | 03:42 min | 19.01.2013 | Sportschau | Das Erste

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Stand: 19.01.2013, 23:56