Bayer - so schön verliert keiner
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Gegen Dortmund in die Niederlage gestürmt
Bayer - so schön verliert keiner
Von Christian Hornung
Wenn die Tabellensituation ein "Spitzenspiel" hergibt, kommt oft genug nur Taktikgeplänkel zweier Teams auf Augenhöhe heraus, die sich gegenseitig neutralisieren. Das 2:3 von Leverkusen gegen Dortmund am Sonntagabend (03.02.13) war aber definitiv ein Spitzenspiel. Es hätte aber keinen Verlierer verdient gehabt - und wenn, dann nicht diesen.
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Zwei Zahlen sagten am Ende eine Menge über dieses Kräftemessen des Zweiten gegen den Dritten aus. 26 Torschüsse verbuchten die Gastgeber. So viele hatte in dieser Saison noch nicht annähernd ein anderes Team gegen den Meister und Pokalsieger zustande gebracht. Und dass der BVB am Ende einer Partie nur auf 43 Prozent Ballbesitz kam, ließ sogar den gewöhnlich nie um eine Erklärung verlegenen Jürgen Klopp einigermaßen ratlos zurück: "Ich muss mir in dieser Woche erstmal anschauen, ob das unseren Fehler oder der großen Qualität der Leverkusener geschuldet war."
Castros Fehlschüsse
Wenn sich der Dortmunder Trainer das Video anschaut, wird er jede Menge Belege für beide Thesen finden. Schon die ersten zehn Minuten hätten das Spiel in eine komplett andere Richtung lenken können. Vor beiden BVB-Toren hatte Leverkusens Gonzalo Castro die Riesenchance, seine Mannschaft in Front zu bringen. Einmal lupfte er über das Tor, einmal trat er spektakulär am Ball vorbei. Jeweils im Gegenzug schlug der Meister zu.
Dortmund verlor den Zugriff
Es sah zwar manchmal etwas wild aus, wie die Bayer-Spieler das Dortmunder Tor berannten. Doch je länger die Partie dauerte, desto weniger Zugriff bekamen im Mittelfeld Ilkay Gündogan und Sven Bender auf die Bayer-Angriffswellen. Mit der Einwechslung von Sidney Sam zur Halbzeit drehte sich die Partie vollends. "Es hat extrem lange gedauert, bis wir den auf dem Schirm hatten", gab Klopp später zu.
Überholen auf den Außenbahnen
Ganz so, wie sonst die Dortmunder spielen, mit zwei Mann auf den Außenbahnen, die sich ständig gegenseitig überholten, so agierten nun die Leverkusener. Auf der linken Seite schlug Linksverteidiger Sebastian Boenisch eine Flanke nach der anderen, auf der rechten wechselten sich mit Sam, Castro und Carvajal sogar gleich drei Vorbereiter ab. Der zweifache Torschütze Stefan Reinartz wunderte sich später: "Was die uns an Räumen gelassen haben, das hätte ich so nie erwartet. Da hat es uns ein Team wie Freiburg viel schwerer gemacht, die haben alles zugestellt. Bitter nur, dass wir nach dem 2:2 gleich den Fehler zum Gegentor gemacht haben. Da fehlte uns einfach die Abgeklärtheit."
Schürrle stützt Wollscheid
So selbstkritisch sahen es auch seine Teamkameraden. Innenverteidiger Philipp Wollscheid, der den verhängnisvollen Rückpass vor dem entscheidenden Gegentreffer von Robert Lewandowski gespielt hatte, räumte schuldbewusst ein: "Dieser Fehler hat uns um den Lohn für ein Superspiel gebracht. Wir waren immer auf Augenhöhe, haben nie aufgegeben, und dann passiert sowas. Es ist so bitter."
André Schürrle wollte seinen Kollegen aber nicht alleine im Leverkusener Regen stehen lassen. "Ich muss auch unbedingt ein Tor machen", meinte er zu der Szene in der 50. Minute, als er auf der Linie Mats Hummels anschoss. "Wer so klare Dinger vergibt wie wir, der verliert halt, auch wenn er sonst ein unglaubliches Spiel abliefert."
"Ruhiger angehen müssen"
Torwart Bernd Leno, der sein Team mit dem gehaltenen Elfmeter gegen Jakub Blaszczykowski bis zum Schluss in der Partie hielt, ergänzte: "Es hat zwar Riesenspaß gemacht, für die Zuschauer war es bestimmt ein überragendes Spiel. Aber wir hätten es phasenweise einfach etwas ruhiger angehen müssen. Nach dem 2:2 wollten wir zuviel und sind eiskalt bestraft worden."
Der bedingungslose Sturm und Drang verursachte also diese erste Heimniederlage der Leverkusener in der laufenden Saison. Aber dass Bayer nun die nächsten Spitzenspiele verhaltener angeht und nur noch den Gegner kontrollieren will, ist nicht zu erwarten. Stefan Reinartz gab für alle Fans des spektakulären Fußballs Entwarnung: "Unser Spiel ist es nun mal, Vollgas zu geben und nach einem aufgeholten 0:2 auch noch das Siegtor nachlegen zu wollen." Auch wenn man dann mal das Risiko eingeht, besonders schön zu verlieren.
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Stand: 03.02.2013, 21:27