Labbadia verlängert in Stuttgart
Neuer Abschnitt
Nach zähen Verhandlungen
Labbadia verlängert in Stuttgart
Von Chaled Nahar
Bruno Labbadia hat seinen Vertrag beim VfB Stuttgart verlängert. Vor der Unterschrift zögerte er lange - und hatte dafür gute Gründe.
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Das Ende der wochenlangen Hängepartie verlief nach außen völlig harmonisch. "Ich bin sehr glücklich", lässt Bruno Labbadia die Pressestelle seines Vereins mitteilen, "seitdem wir hier angefangen haben, sind wir diesen intensiven Weg bedingungslos mitgegangen. Dieser Weg ist für uns noch lange nicht zu Ende."
Labbadia hat seinen Vertrag mit dem VfB Stuttgart also bis zum 30. Juni 2015 verlängert. Diese Meldung hätte der VfB gerne viel früher veröffentlicht, doch der Trainer, der im Dezember 2010 auf Jens Keller folgte, zögerte sehr lange - und das aus gutem Grund. Er ärgerte sich, dass ihm für Verstärkungen und Vertragsverlängerungen weniger Geld zur Verfügung steht als vielen seiner Kollegen und dass sein Kader viel zu dünn besetzt sei. Auf dem Gipfel der Spekulationen um seine Zukunft sagte er im Dezember in der "Süddeutschen Zeitung": "Am Ende haben wir nur 200.000 Euro ausgeben können. Frankfurt hat als Aufsteiger sieben Millionen ausgegeben. Ich will nicht jammern, aber es stört mich schon, dass das keinen interessiert."
Die Frage des Trainers: "Was ist unsere Vision beim VfB?"
Nun hat es doch jemanden interessiert. Fredi Bobic als Sportdirektor und auch die Vereinsführung haben die Signale offenbar wahrgenommen und sind Labbadia entgegengekommen. Innenverteidiger Felipe Lopes kommt vom VfL Wolfsburg, Federico Macheda leiht der VfB von Manchester United aus. Zudem wurden im Winter die Verträge von Christian Gentner, Georg Niedermeier, Tamas Hajnal, Rani Khedira und Gotoku Sakai verlängert - klare Zeichen an Labbadia. Von der aktuellen Stammelf haben nur Cristian Molinaro, Serdar Tasci und Ibrahima Traoré derzeit keinen Vertrag, der länger als bis 2014 läuft. Auch deshalb habe er abwarten wollen. "Ich will beobachten: Was ist unsere Vision beim VfB Stuttgart?"
"Viele Vereine rüsten auf, wir müssen aufpassen, dass die Kluft nicht zu groß wird. Eventuell ist dafür auch mal ein kalkulierbares Risiko nötig", hatte Labbadia im Dezember gesagt. Er wollte nach der erfolgreichen Saison 2011/12 mit dem Erreichen des Europapokals Platz fünf bis zehn in der Liga sichern. "Wir schaffen den Klassenerhalt, verkleinern den Kader, schaffen die Europa League, geben fünf Spieler ab und holen zwei Neue - damit sicherst du aber nicht Platz 5 bis 10. Ich erwarte schon, dass Fredi Bobic und mir Vertrauen entgegen gebracht wird bei den Investitionen, die den Kader betreffen."
Labbadia und der VfB: Ein klassischer Kompromiss
Bruno Labbadia (r.) mit VfB-Präsident Gerd E. Mäuser
Stuttgarts Präsident Gerd E. Mäuser dürfte damit auch gemeint gewesen sein. Schließlich ist er es, der seit seinem Amtsantritt im Juli 2011 einen strikten Konsolidierungskurs eingeschlagen hat und immer wieder auf den Verlust von fast zehn Millionen Euro im Geschäftsjahr 2012 verweist. "Wir haben ihm klargemacht, was der Verein kann und was er nicht kann", sagte Mäuser kürzlich. "Das hat er verstanden."
Ein klassischer Kompromiss also. Der VfB gibt Labbadia ein bisschen mehr Möglichkeiten, die Mannschaft zu entwickeln - denn der VfB weiß, was er an seinem Trainer hat. Lange herrschte in Stuttgart nicht mehr derart Konstanz auf diesem Posten. Das Ergebnis: Stuttgart ist noch in allen drei Wettbewerben im Rennen, im Pokal ist der VfL Bochum der nächste Gegner, in der Zwischenrunde der Europa League der KRC Genk aus Belgien. Gleichzeitig muss Labbadia nun aber genauso den notwendigen Sparkurs des Vereins mittragen und an vielen Stellen Verzicht üben.
Die Anerkennung fehlt Labbadia manchmal
Bruno Labbadia mit den VfB-Fans nach dem Pokalspiel gegen Köln
Verstehen müssen das nun auch noch die Fans. Schon länger stört es Labbadia, dass seiner Mannschaft nicht die Anerkennung entgegengebracht wird, die ihr seiner Ansicht nach zustünde. Schon während der Hinrunde beklagte er sich über die unzufriedenen Fans: "Das Glas ist immer halb leer."
Dieses Problem fand beim 0:1 in der Europa League gegen Molde seinen Höhepunkt, als die Mannschaft von den eigenen Fans verhöhnt worden war. "Die Erwartungshaltung ist einfach riesengroß. Ich sehe, mit welcher Selbstverständlichkeit hier vieles gesehen wird. Das fehlt mir schon: Diese Anerkennung für die Leistung der Mannschaft, eine gewisse Euphorie", sagt Labbadia. Nun hat er laut seines neuen Vertrages zweieinhalb weitere Jahre Zeit, um das zu ändern.
Stand: 30.01.2013, 12:21