Der Preis eines Nachwuchsfußballers
Neuer Abschnitt
Was kostet ein Talent?
Der Preis eines Nachwuchsfußballers
Von Marcus Bark
Der deutsche Fußball ist stolz auf seine Nachwuchsförderung und gibt immer mehr Geld dafür aus. Doch was kostet die Ausbildung überhaupt?
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Jedes Jahr vergibt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Fritz-Walter-Medaillen an die drei besten Spieler der Jahrgänge U19, U18 und U17. Das goldene Exemplar für die jüngste Stufe ging Ende Juli 2012 an Leon Goretzka. Der VfL Bochum, der den Preisträger seit der F-Jugend ausbildete, erhielt dafür 20.000 Euro.
Eine nette Summe, aber vermutlich nur ein Bruchteil von dem, was die Unterschrift Goretzkas unter einen Profivertrag sechs Wochen vorher dem Verein einbrachte. Das 17 Jahre alte Talent band sich bis 2016 an den Zweitligisten aus seiner Geburtsstadt. Dass er bis dahin auch beim VfL spielen wird, ist unwahrscheinlich. Der FC Bayern hat schon Interesse angemeldet, selbst Topklubs aus der englischen Premiere League sollen Goretzka beobachten.
Mehr Geld in den Nachwuchs
Wenn der Mittelfeldspieler einmal verkauft wird, sollte er bei der von Experten prognostizierten Entwicklung eine siebenstellige Ablösesumme einbringen. Eventuell wird es sogar reichen, um den Etat des Zweitligisten für die Nachwuchsförderung zu decken. Laut des von der Deutschen Fußball Liga (DFL) erstellten Bundesliga-Report 2012 gaben die sechs Klubs der obersten Klasse mit Personaletats von 50 Millionen Euro und mehr durchschnittlich 5,7 Millionen Euro für die Nachwuchsförderung aus.
Das sind die Angaben für die Saison 2010/11, jüngere Daten gibt es nicht. Es darf jedoch von einer Steigerung ausgegangen werden, denn in den vergangenen Jahren wuchs der Posten stetig. Steckten die Bundesligisten in der Saison 2007/08 insgesamt 49 Millionen Euro in die Nachwuchsarbeit, waren es 10/11 schon 70 Millionen. Das macht zwar immer noch nur 3,75 Prozent der Gesamtausgaben aus, zeigt aber, dass den Worten von besserer Ausbildung auch Taten folgen.
Einnahmen und Ausgaben beim VfL Bochum
Ansgar Schwenken ist seit 1996 beim VfL Bochum und inzwischen Finanzvorstand. Als er begann, steckte der Verein "etwa eine Million Mark" in die Nachwuchsarbeit, heute sind es "im Saldo zwei Millionen Euro" für etwa 400 Spieler. Im Gespräch mit sportschau.de erläuterte Schwenken Einzelheiten. So nimmt der VfL Bochum in der Nachwuchsabteilung eine Million Euro jährlich ein, hauptsächlich durch das Sponsoring (400.000 Euro) und den Verkauf von Spielern.
Die Ausgaben von drei Millionen Euro gehen zu 60 Prozent für das Personal drauf. Es müssen die drei von der DFL vorgeschriebenen Fußball-Lehrer bezahlt werden, dazu fünf Vollzeitarbeiter in der Verwaltung. Hinzu kommen Kräfte, die nebenberuflich für den VfL arbeiten und mehr als 400 Euro verdienen.
Konkurrenz macht es teurer
Der Footbonaut von Borussia Dortmund
Auch die Spieler kassieren. In der zweiten Mannschaft (Regionalliga) bekommt jeder Fußballer ein Gehalt, in der U19 sind es einige. Die anderen kassieren Aufwandsentschädigungen. "Das geht hinunter bis zur U15. Wenn du es nicht machst, kannst du die Spieler nicht holen oder eben nicht halten", sagt Schwenken.
Die Konkurrenz ist gerade im Westen groß, etwa durch die direkten Nachbarn Schalke 04 und Borussia Dortmund. Beim BVB erhält jeder Spieler der U19 ein Gehalt von etwa 1.000 Euro im Monat, bei der U23 (3. Liga) sind es sogar schon etwa 5.000 Euro, für die Trainer gibt es nach Angaben von Thomas Treß "etwas mehr". Der zweite Geschäftsführer des deutschen Meisters konnte keine genauen Angaben über die Ausgaben für die Nachwuchsabteilung machen: "In vielen Bereichen lässt sich das gar nicht von der Profiabteilung trennen."
Investitionen für die Jungen
Anders als beim VfL Bochum trainieren alle Mannschaften des BVB auf einem großzügigen Gelände. Profis wie die zweite Mannschaft und die Junioren nutzen seit ein paar Wochen den "Footbonauten", eine technische Trainingshilfe, die in einer neuen Halle untergebracht ist. Investitionskosten: etwa eine Million Euro. Auch die Platzpflege, die Auswärtsfahrten und die Fahrzeuge müssen bezahlt werden. Beim BVB reist die U19 schon einen Tag vor einer Partie in der Bundesliga West an, beim VfL Bochum aus Kostengründen erst am Spieltag.
Ansgar Schwenken sagt, dass die Bochumer mit ihren Ausgaben für die Nachwuchsarbeit sicherlich im obersten Bereich der Zweitligisten anzusiedeln sind. Die Zahlen des Bundesliga-Report belegen das. Demnach gaben Zweitligisten in der Saison 2010/11 etwa 1,2 Millionen Euro für die Ausbildung in Fußballer aus. Im Gegensatz zur Bundesliga sind die Zahlen leicht rückläufig. Schwenken nennt einen der Gründe: "Wenn gespart werden muss, steht die Nachwuchsförderung bei vielen Klubs häufig oben auf der Streichliste." Es habe auch ihn schon häufiger Mühe gekostet, den Aufsichtsrat von den nützlichen Investitionen zu überzeugen. Eine Transfersumme, wie sie für Leon Goretzka zu erwarten ist, gilt sicherlich als schlagkräftiges Argument.
Stand: 18.10.2012, 08:00