Kommentar - Der FC verliert eine zentrale Säule

Peter Stögers Entlassung beim 1. FC Köln

Kommentar - Der FC verliert eine zentrale Säule

Von Volker Schulte

Der 1. FC Köln will "spürbar anders" sein, so der selbst gewählte Werbespruch. In der Personalie Peter Stöger hat er die Chance verpasst, den Slogan mit Leben zu füllen. Die Entlassung ist fatal - und geht von den falschen Personen aus. Ein Kommentar.

Der Absturz des FC ist erstaunlich: Im Sommer galten Stöger und Manager Jörg Schmadtke noch als Inbegriff des erfolgreichen Duos. Sie hatten innerhalb von vier Jahren aus einem bankrotten, chaotischen Zweitligisten einen liquiden Europapokalteilnehmer gemacht. Jetzt, sechs Monate später, gibt der FC einen großen Teil seiner neuen Einnahmen für die Abfindungen von Stöger und Schmadtke aus. Das muss man erst einmal so schaffen.

Peter Stöger

Peter Stöger

Natürlich hat auch Stöger Schuld an der sportlichen Misere. Er hat es verpasst, seinem Team eine neue Spielidee ohne Anthony Modeste zu verpassen. Die Abwehr wackelt und bei Standards schwächelt der FC defensiv wie offensiv. Aber die aktuelle Saison deckt vor allem auf, dass der Kölner Kader nur unteres Bundesliganiveau hat. Und mit diesem Kader hat es Stöger geschafft, drei Jahre in Folge nicht auf einem Abstiegsplatz zu stehen. Das ist Stögers größte Leistung - der Europapokal-Einzug war nur das Sahnehäubchen.

Unklare Verhältnisse

Der FC hatte in dieser Saison zwei Möglichkeiten: Entweder Stöger wie jeden anderen Trainer behandeln - dann hätte er schon früher gehen müssen. Oder entgegen der üblichen Mechanismen handeln, eben spürbar anders. Der Klub hätte Stögers Verdienste hervorheben und ihm kompromisslos das Vertrauen aussprechen sollen, auch im Falle eines Abstiegs. Bei klaren Verhältnissen wären dem FC die internen Querelen der vergangenen Tage wohl erspart geblieben.

Jetzt aber trennt sich der Klub von Stöger zu einem Zeitpunkt, zu dem wohl kein Nachfolger der Welt den Abstieg noch verhindern kann. Vor allem aber fehlt unter denjenigen, die Stögers Entlassung verantworten, die sportliche Expertise. Präsident Werner Spinner und Geschäftsführer Alexander Wehrle sind auf ihren Gebieten Fachmänner, aber keine Fußballer. Und auch das ungeschickte Verhalten von Vizepräsident Toni Schumacher bei den Bemühungen um Horst Heldt hat gezeigt, dass der Klub möglichst schnell einen neuen Manager finden sollte.

Neuanfang auf dem Schleudersitz

In Stöger verliert der FC die zentrale Säule des jüngsten sportlichen Aufstiegs, seinen Rekordtrainer mit mehr als vier Spielzeiten. Es geht wieder bei Null los, höchstwahrscheinlich in der zweiten Liga. Finanziell ist der Klub gesundet. Aber wie schwierig es ist, in Köln langfristig Erfolg zu haben, das wissen zum Beispiel Holger Stanislawski, Stale Solbakken, Zvonimir Soldo, Hanspeter Latour, Uwe Rapolder ...

Stand: 03.12.2017, 13:33

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