Ein neuer Job für Juan Arango
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Neue Führungsstruktur in Mönchengladbach
Ein neuer Job für Juan Arango
Von Christian Hornung
"Wir haben unseren Messi, unseren Xavi und unseren Piqué verloren." Das sagt Gladbach-Trainer Lucien Favre über die Abgänge von Marco Reus, Roman Neustädter und Dante. In der neuen Saison, die am Dienstag (21.08.12) mit dem Champions-League-Playoffhinspiel gegen Dynamo Kiew gleich ihren ersten Höhepunkt für die Borussia hat, übernehmen nun andere Spieler die Verantwortung. Das Juan Arango dazugehört, war lange Zeit undenkbar.
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Missmutig, ohne Körpersprache, oft sogar lustlos. Das waren die Eindrücke, die Gladbachs Fans von dem Kapitän Venezuelas hatten, als er vor drei Jahren von Real Mallorca an den Niederrhein wechselte. Fußballerisch ließ Arango zwar immer seine enorme Klasse aufblitzen, zumindest wenn es um Aktionen im Offensivbereich ging. Abwehraufgaben schien er unter Ex-Trainer Michael Frontzeck jedoch als Majestätsbeleidugung zu betrachten, und immer wieder sah man ihm das totale Unverständnis an, wenn die Teamkollegen seiner Spielidee mal wieder nicht folgen konnten.
Auf Eberls Drängen
Als Lucien Favre kam, schien zunächst die Trennung von Arango bevorzustehen. Der Schweizer Perfektionist auf der Trainerbank hatte sich die Mannschaft ausgiebig auf DVDs angeschaut und stellte sogleich klar, dass er beim Kampf um den Klassenerhalt niemanden gebrauchen kann, der Defensivarbeit verweigert. Erst auf intensives Drängen von Sportdirektor Max Eberl entschloss sich Favre, mit Arango zumindest das Gespräch zu suchen.
Er ließ seinen Berater José Noguera einfliegen, der dem Deutschverweigerer seine Pläne auf Spanisch übersetzte. In dem Mönchengladbacher Hotel, in dem Favre selbst bis zum Klassenerhalt wohnte, erklärte er dem Venezolaner, dass er mit seinen Qualitäten bei Freistößen und Eckbällen der wichtigste Mann sei - wenn er sich bereit erklären würde, dem Team zu helfen.
"Wertschätzung war wichtig"
Das war - neben der Tatsache, dass Arango sich immer mehr mit Marco Reus anfreundete und mit ihm endlich einen kongenialen Partner im Team fand - der Wendepunkt. Die Wertschätzung von Favre hat aus Arango einen anderen Menschen gemacht, der plötzlich nach guten oder schlechten Aktionen Emotinen zeigte, der auch mal lachte. "Es war sehr wichtig für mich zu hören, dass der Trainer auf mich setzt, dass ich Verantwortung auch für andere übernehmen sollte", sagt Arango heute zu sportschau.de. "Wenn er damals nicht gekommen wäre, würden wir heute wahrscheinlich in der Zweiten Liga spielen. Er hat uns die Ordnung gegeben, er ist verantwortlich dafür, dass wir uns jetzt mit den Besten können."
Sich mit den Besten messen, natürlich am liebsten in der Champions League, das fasziniert den "Chiller", wie ihn sein Spezi Reus einst in der Kabine taufte. “Genau dafür spiele ich. In der Primera Divisón habe ich mit Mallorca meine besten Partien gemacht, wenn es gegen Real Madrid oder den FC Barcelona ging.”
"Gegen Kiew muss es klappen"
Das hat Arango in diesen Tagen auch seinen Teamkameraden vermittelt und versucht, sie mit dieser Wettkampfmentalität anzustecken: "Gegen Kiew muss es für uns unbedingt klappen, am besten mit einem oder zwei Freistoßtoren von mir", sagt er. "Beim unserem Pokalsieg in Aachen bin ich noch zweimal knapp gescheitert, auch wenn ich später aus dem Spiel heraus getroffen habe. Aber Freistöße sind sehr wichtig für mich."
Dann lobt er ausdrücklich seine Kameraden: "Natürlich hat Favre recht, wenn er sagt, dass wir drei gute Spieler verloren haben. Aber mit Marc-André ter Stegen haben wir den besten Torwart der Bundesliga, und wir haben auch sehr gute neue Spieler dazu bekommen. Granit Xhaka und Alvaro Dominguez haben eine große Qualität, Luuk de Jong auch, er wird sicher bald für uns treffen. Ich werde versuchen, ihn mit guten Vorlagen zu versorgen und spreche viel mit ihm über Laufwege."
Xhaka schwer beeindruckt
Dass Arango sich den Kollegen so zuwendet, beeindruckt diese enorm. "Von ihm kann ich mir noch sehr viel abschauen", sagt beispielsweise der Schweizer Nationalspieler Xhaka. "Juan hat große Ausstrahlung und sein linker Fuß ist einfach genial, den haben in Europa nicht viele Spieler." Patrick Herrmann sieht es ähnlich: "Spieler wie Juan, aber auch Martin Stranzl und Filip Daems, sind für uns Jüngere unheimlich wichtig. Die geben einem Kraft oder auch mal einen Tritt in den Hintern, wenn es mal nicht so läuft. Man sieht, wie sie in Stresssituationen die Ruhe behalten und wird dadurch automatisch auch selbst ruhiger."
Dass er anfangs Zweifel an einer gedeihlichen Zusammenarbeit mit Arango hatte, will Lucien Favre heute übrigens nicht mehr zugeben. "Ich habe schnell gesehen, dass er sehr wichtig für uns werden kann", sagt der Trainer. "Seine Standards können dir die Extra-Qualität geben und Spiele entscheiden. Und für die Mannschaft arbeiten muss jeder, du kannst auf höchstem Niveau kein System mit nur zehn Leuten spielen." Dass er das dem Venezolaner in einem zweistündigen Gespräch in einem Gladbacher Hotel aber erst deutlich machen musste, bestreitet Favre nicht. Er lächelt nur vielsagend.
Stand: 21.08.2012, 08:00