Italiens Fußball fehlen die neuen Entscheider

Der Italiener Alessandro Florenzi ist nach dem Ausscheiden gegen Schweden bei den EM-Playoffs am Boden zerstört

Wahl zum Verbandspräsidenten gescheitert

Italiens Fußball fehlen die neuen Entscheider

Der italienische Fußball müsste nach der verpassten WM-Qualifikation einen Neuanfang vorbereiten, doch nun ist der Verband durch die gescheiterte Wahl eines neuen Präsidenten ebenso führungslos wie die Nationalmannschaft.

Keiner der drei Kandidaten bekam am Montagabend (29.01.2018) die notwendige Dreiviertelmehrheit, weshalb der Verband nun unter die Aufsicht eines Kommissars gestellt wird, den das italienische Olympische Komitee (CONI) ernennen muss. Der Fußball ist damit auf mehreren Ebenen ohne Führung.

Die drei Kandidaten für die Präsidentschaftswahl des italienischen Fußballverbandes (v.l.n.r.): Damiano Tommasi, Cosimo Sibilai, Gabriele Gravina

Die drei Kandidaten für die Präsidentschaftswahl des italienischen Fußballverbandes (v.l.n.r.): Damiano Tommasi, Cosimo Sibilai, Gabriele Gravina

Der Verband: Die Federazione Italiana Giuoco Calcio (FIGC) braucht nun einen Gesandten vom CONI. Dessen Präsident Giovanni Malago gilt als wahrscheinlicher Amtsträger. Cosimo Sibilia, Präsident der italienischen Amateurliga (LND), Drittligapräsident Gabriele Gravina sowie der Leiter der Spielergewerkschaft (AIC), Damiano Tommasi, fielen bei der Wahl allesamt durch. Die war nötig geworden, weil Carlo Tavecchio im Anschluss an die verlorenen Play-offs in der WM-Qualifikation zurückgetreten war.

Die Nationalmannschaft: Erstmals seit 1958 wird eine WM-Endrunde ohne die italienische Mannschaft stattfinden. Nach den beiden Spielen gegen Schweden (0:1 und 0:0), die zu dem historischen Ausscheiden geführt hatten, war Gian Piero Ventura als Trainer entlassen worden, einen Nachfolger gibt es noch nicht. In den kommenden Testspielen Ende März gegen England und Argentinien soll U21-Trainer Luigi Di Biagio die Mannschaft betreuen.

Der Ligaverband: Zuvor hatten sich die Vereine der Serie A ebenfalls nicht auf einen neuen Vorsitzenden geeinigt. Auch die Liga wird kommissarisch verwaltet, was vor allem in Geldfragen ein Problem ist. Die TV-Rechte für die kommenden drei Saisons brachten bei einer Auktion ein Höchstgebot von nur 830 Millionen Euro hervor, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Die Klubs hatten sich nach zuletzt 950 Millionen eigentlich ein Mindestgebot von 1,05 Milliarden vorgestellt. Die Rechte sind daher noch nicht vergeben.

Italiens Fußball: Wettskandale, Rassismus, Korruption

Verband, Liga und Nationalmannschaft stecken also in der Krise. Der Kandidat Tommasi bezeichnete die gescheiterte Wahl als Blamage für den ganzen italienischen Fußball. Der ist ohnehin in der Öffentlichkeit vor allem von Wettskandalen, Rassismus und Korruption geprägt. Italiens Fußball steht nun vor einem Neuanfang, auf Verbandsebene gilt aber von den Kandidaten, die am Montag zur Wahl standen, nur Tommasi als Freund von tiefgreifenden Veränderungen.

Seit der WM 2006, die Italien in Deutschland gewann, hat die Nationalmannschaft mit Roberto Donadoni, Marcello Lippi, Cesare Prandelli, Antonio Conte und Ventura bereits fünf Trainer durchgebracht, das WM-Aus ist der Tiefpunkt des Niedergangs gewesen.

Kein Präsident, der einen Trainer suchen könnte

U21-Trainer Luigi Di Bagio betreut vorerst die A-Nationalmannschaft.

U21-Trainer Luigi Di Bagio betreut vorerst die A-Nationalmannschaft.

Wann eine neue Wahl des Verbandspräsidenten stattfinden könnte, ist offen. Es fehlt also ein Präsident, der einen neuen Trainer für die A-Nationalmannschaft bestimmen könnte. Das ist aber die dringendste Aufgabe zurzeit, die nun wohl der kommissarische Präsident erledigen muss. Als Kandidaten wurden in der Öffentlichkeit bisher Alessandro Costacurta, Roberto Mancini und Claudio Ranieri gehandelt.

nch/dpa | Stand: 31.01.2018, 11:55

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