Julian Schieber - "Klopp fordert unheimlich viel"
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Dortmunds neuer Stürmer im Gespräch
Julian Schieber - "Klopp fordert unheimlich viel"
Julian Schieber ist einer der vielversprechendsten deutschen Stürmer. Der Neu-Dortmunder sprach mit sportschau.de über seine Einsatzchancen, das Nationalteam und Trainer Klopp.
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Herr Schieber, Ihr Trainer Jürgen Klopp sagte, Sie seien Schwabe und bräuchten daher "a bisserl". Wie haben Sie sich in Dortmund eingelebt?
Julian Schieber: Eine gewisse Eingewöhnungszeit brauchst du überall. Aber die Kollegen hier haben es mir einfach gemacht.
Der Fußball, mit dem Borussia Dortmund in den vergangenen beiden Jahren Meister wurde, ist auch ein bisschen anders.
Schieber: Klar, hier wird absolutes Pressing gespielt. Das unterscheidet sich schon von den Systemen in Stuttgart oder auch Nürnberg. Jeder muss hier topfit sein, weil eine enorm hohe Laufbereitschaft gefordert ist. Derzeit arbeiten wir verschärft an den Grundlagen. Die taktischen Feinheiten kommen noch, es fehlen ja auch noch viele Kollegen im Training.
Beschreiben Sie doch einmal die Stelle, für die Sie geholt wurden.
Schieber: Es wird sich in der Vorbereitung herausstellen, wo ich mich am besten präsentieren kann. Meine Lieblingsposition ist die des zentralen Stürmers, und das weiß der Trainer auch. In der vergangenen Saison bin ich beim VfB auf linken Seite im Mittelfeld zum Einsatz gekommen. Das kann ich auch, aber ich favorisiere die Position im Sturm.
"Es war ein Abwägungsprozess"
Robert Lewandowski ist der Stürmer im System von Jürgen Klopp, der ihren Platz blockiert. In diesem Wissen haben Sie in Dortmund unterschrieben. War der Ruf des Meisters einfach zu verlockend?
Schieber: Es war ein Abwägungsprozess, ganz klar. Aber letztlich ist es eine Riesenchance, hier in Dortmund spielen zu dürfen. Ich weiß, dass ich einen Riesenstürmer vor mir habe, der eine Superquote aufweist. Es wird eine harte Nuss, ihn zu knacken. Aber eine Saison kann sehr lang sein, und ich habe beim BVB für vier Jahre unterschrieben. Das heißt nicht, dass ich mich jetzt hier zurücklehnen will. Ich habe hier vom ersten Tag an Gas gegeben. Wenn ich die Chance bekommen werde, muss ich sie nutzen.
Was würde es für Sie an Umstellungen mit sich bringen, in einem 4-4-2 neben Lewandowski zu spielen?
Schieber: Für einen Stürmer ist das dann vielleicht ein bisschen einfacher, weil er häufiger an den Ball kommt. Aber für den Trainer ändert sich im Grunde mehr, denn er hat einen Mann weniger im Mittelfeld. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen, wie er die gewünschte Kompaktheit und das Pressing hinbekommt. Da spielt es dann schon eine Rolle, ob ich vier oder fünf Spieler im Mittelfeld habe.
Gesprächsthema in der ganzen Liga
Sie waren vor zwei Jahren an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen und haben mit sieben Toren und neun Vorlagen eine starke Saison gespielt. Beim VfB, der sie zurückholte, lief es nur mittelprächtig. Woran lag's?
Schieber: Ich habe wegen einer Verletzung fast die komplette Hinrunde gefehlt. Dann bin ich nach nur zwei, drei Wochen Training einfach nicht in einen Rhythmus gekommen. Die ganze Mannschaft hatte vor der Winterpause eine schlechte Phase, das hat es zusätzlich schwieriger gemacht.
Wie haben Sie den Trainer Jürgen Klopp aus der Entfernung erlebt?
Schieber: Borussia Dortmund und gerade auch er standen ganz schön im Fokus. Da hast du viel mitbekommen. Jürgen Klopp hat eine ganz eigene Art, wie er sich etwa in den Interviews gibt. Über ihn und seine Vorstellungen von Fußball wird natürlich auch bei anderen Spielern in der Bundesliga gesprochen. Dass sich in Dortmund etwas bewegt, besonders auch bei jungen Spielern, war wichtig für mich zu erkennen. Das hat sich dann auch in meinem entscheidenden Gespräch mit dem Trainer bestätigt.
Und wie ist Klopp aus der Nähe?
Schieber: Das ist nach der kurzen Zeit noch schwierig zu beurteilen. Ich denke, er kann auch anders, aber er hat immer einen lockeren Spruch parat und wir haben Spaß beim Training. Wenn es aber ernst wird, dann gibt es keine Sekunde ausruhen. Da fordert er unheimlich viel von uns Spielern ein, immer 100 Prozent.
Brasilien ist noch weit weg
In der deutschen Nationalmannschaft drängelt sich die hohe Qualität im Mittelfeld, im Sturm sieht es hinter Mario Gomez und Miroslav Klose mau aus. Klose wird bei der WM 2014 in Brasilien schon 36 Jahre alt sein ...
Schieber: Ganz ehrlich, da mache ich mir noch überhaupt keine Gedanken. Um in die Nationalmannschaft zu kommen, musst du bei deinem Verein Stammspieler sein, und das ist für mich noch ein harter Weg. Alles andere ist weit weg, aber ein Ziel für irgendwann ist die Nationalmannschaft schon.
Das Gespräch führte Marcus Bark.
Stand: 15.07.2012, 15:00