Alexander Schwolow - Rückhalt mit Perspektive

Alexander Schwolow

Alexander Schwolow: der Torhüter des SC Freiburg im Interview

Alexander Schwolow - Rückhalt mit Perspektive

Der SC Freiburg spielt eine überragende Saison - und mit ihm sein Torwart. Im Interview spricht Alexander Schwolow über die Stärken des Teams, die Europa League und den drohenden Aderlass.

Vieles an der Saison 2016/17 war kurios. Vor allem die beiden Aufsteiger sorgten dabei für positive Schlagzeilen. RB Leipzig zieht gleich in die Champions League ein. Und auch der SC Freiburg spielt eine überdurchschnittlich erfolgreiche Saison. Die Breisgauer treffen am 34. Spieltag auf Bayern München und spielen um Europa. Mit einem Kader, der aus finanzieller Sicht eher um den Klassenerhalt kämpfen müsste. So etwas kann nur klappen, wenn man besondere Spieler hat. Einer davon ist Alexander Schwolow. Der 24-Jährige spielte seine erste Saison als Stammtorwart in der Bundesliga und entwickelte sich zu einer Säule im Team von Christian Streich. Eine rasante Entwicklung.

sportschau.de: Herr Schwolow, welcher Ort ist eigentlich schöner: Großaspach oder München?

Alexander Schwolow: Na ja, Großaspach habe ich jetzt nicht so erkundet, aber München ist schon ganz schön.

Vor ziemlich genau zwei Jahren waren Sie aber in Großaspach. Da haben Sie mit Arminia Bielefeld den Drittliga-Titel klar gemacht. Heute spielen Sie gegen Bayern München und können die Europa League klarmachen. Da hat sich ganz schön was getan in Ihrer Karriere.

Schwolow: Im Prinzip hat sich nicht viel verändert. Klar ich spiele jetzt zwar in größeren Stadien und gegen bessere Spieler. Das Ganze ist einfach ’ne Nummer größer, aber das ist immer noch Fußball. Ich schaue mich jetzt nicht um und sage: Wow, was ist jetzt hier auf einmal los?

Sie spielen das erste Mal in München, wie groß ist die Vorfreude?

Schwolow: Ich kenn es ja schon ein bisschen. Ich war zweimal auf der Bank, damals als Oliver Baumann noch Torwart war. Aber die Vorfreude ist natürlich sehr groß. Es wird eine Riesenaufgabe für uns, aber als Fußballer willst du dich immer mit den Besten messen, und das sind nun mal die Bayern.

Sie haben es schon erwähnt, für Freiburg ist es eine riesige Aufgabe. Es geht quasi um die Weißwurst, die Europa League. Ist es ärgerlich, dass ausgerechnet Bayern der Gegner ist?

Schwolow: Nein, überhaupt nicht. Die Saison geht jetzt schon über 33 Spiele. Die anderen Mannschaften, die in die Europa League wollen, mussten schon gegen Bayern spielen. Jetzt sind wir dran, und wenn wir ein gutes Spiel machen, ist da alles drin. Aber klar, es muss natürlich ein außergewöhnliches Spiel sein.

Schwolow: "Wollen natürlich in die Europa League"

Sportschau | 12.05.2017 | 00:27 Min.

Verspüren Sie Druck?

Schwolow: Nur den normalen Druck, den du vor jedem anderen Spiel auch hast. Klar ist das nicht etwas Alltägliches für den SC Freiburg, das ist schon etwas Besonderes. Fakt ist: Wir stehen jetzt auf Platz 6 und wir wollen den kleinen letzten Schritt auch noch gehen.

Glauben Sie, dass die Bayern in Gedanken schon auf Mallorca sind?

Schwolow: Wohl eher in St.Tropez (lacht). Nein, im Ernst, ich glaube die Jungs wie Lahm oder Alonso werden heiß wie sonst was sein. Die wollen mit einem guten Spiel ihre Karriere beenden und dementsprechend die anderen Spieler anheizen und aufpassen, dass sich da keiner rausnimmt. Ich erwarte sie in Normalform.

Angenommen, Sie erreichen die Europa League. Ist das eher ein Bonus, oder kann das auch eine Gefahr sein?

Schwolow: Also, ich sehe es als Bonus. Es wäre eine Riesenerfahrung für alle, die es hier noch nie erlebt haben. Unter Umständen könnte es schwieriger werden in der Liga. Das hat man in Mainz oder auch bei uns vor drei Jahren gesehen, aber darüber können wir sprechen, wenn wir es geschafft haben.

Ob Europa League oder nicht, für Ihre Mannschaft war es so oder so eine starke Saison. Woher kommt auf einmal diese Stärke des SC Freiburg?

Schwolow: Die meisten sagen, es sei unsere Teamleistung. Das stimmt zum größten Teil. Aber ich finde, wir haben auch drei, vier richtig gute Einzelspieler wie zum Beispiel Grifo, Petersen, Niederlechner oder Philipp. Das sind außergewöhnliche Spieler, die eine Partie entscheiden können. Die Basis war natürlich das Kollektiv - dass wir immer gut zusammen gearbeitet haben und taktisch diszipliniert waren.

Zwei dieser außergewöhnlichen Spieler, Vincenzo Grifo und Maximilian Philipp, sind heiß umworben und werden den Verein wahrscheinlich verlassen. Befürchten Sie einen größeren Aderlass?

Schwolow: Möglich ist es. Ich weiß auch nicht mehr als die Presse, aber wir müssen uns darauf einstellen. Das war in Freiburg schon immer so. Bis jetzt konnten wir die Abgänge auch immer ersetzen. Klemens Hartenbach und Jochen Saier haben einen guten Job gemacht, und den werden sie auch weiterhin machen.

Wie können Klubs wie Freiburg es schaffen, junge und talentierte Spieler langfristig zu binden?

Alexander Schwolow

Alexander Schwolow

Schwolow: Der Klassenerhalt war schon mal ein ganz wichtiger Schritt. Auch aus finanzieller Sicht. Dann werden wir 2019 ins neue Stadion einziehen. Das könnte vielleicht auch neue Sponsoren auf uns aufmerksam machen. Mittel- oder langfristig gesehen kann es sich hier deutlich weiterentwickeln. Davon bin ich fest überzeugt.

Sie haben im Gegensatz zu Grifo oder Philipp vor kurzem Ihren Vertrag verlängert. Wie hat Freiburg das geschafft?

Schwolow: So viel bohren mussten sie nicht. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Hier hast du die perfekten Bedingungen, um dich weiterzuentwickeln. Ich hatte auch das Gefühl, dass ich hier noch bleiben muss. Dass ich meine Mission noch nicht erfüllt habe.

Aber nach so einer guten Saison hatten Sie doch bestimmt ein paar attraktive Angebote auf dem Tisch.

Schwolow: Na ja, ich habe es nicht so an mich rankommen lassen. Ich habe die Interessenten auch nur aus der Zeitung erfahren. Ich war die ganze Zeit mit dem Kopf bei Freiburg. Und wie gesagt: Ich denke, dass es für mich aus sportlicher Perspektive sinnvoll ist, den Vertrag hier zu verlängern. Ich bin noch relativ jung und habe noch genügend Zeit.

Ihren Trainer Christian Streich kennen Sie schon seit der Jugend. Sind Sie auch seinetwegen geblieben?

Schwolow: Natürlich! Er ist ein überragender Trainer. Er macht den Verein auch ein Stück weit aus. Aber es sind auch die Jungs im Hintergrund. Der Torwarttrainer (Andreas Kronenberg) zum Beispiel macht genauso eine super Arbeit.

Mal abgesehen von Christian Streich: Nennen Sie bitte drei Attribute, die Freiburg für Sie besonders macht.

Schwolow: Leidenschaftlich, bodenständig, familiär.

Das Gespräch führte Gian Luca Delbach.

Stand: 18.05.2017, 18:00

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