Der HSV ringt Werder nieder

Der Hamburger Dennis Aogo

Hamburger SV - Werder Bremen 3:2

Der HSV ringt Werder nieder

In einem emotionsgeladenen Fußball-Krimi hat der Hamburger SV seinen Dauerrivalen Werder Bremen niedergekämpft und die Krise an der Weser verschärft.

Der Bundesliga-Dino setzte sich im 98. Nordderby mit 3:2 (1:1) durch und beendete damit Werders Serie von drei Siegen in Folge gegen den ungeliebten Nachbarn. Während den HSV nach dem 19. Spieltag nur ein Zähler von Schalke 04 und damit von einem Europapokal-Platz trennt, steckt Werder im unteren Mittelfeld fest. Die Grün-Weißen bleiben Tabellenzwölfter - und die gesteckten Ziele rücken in immer weitere Ferne.

HSV-Trainer Thorsten Fink blieb betont sachlich nach seinem ersten Derby-Sieg über Bremen: "Nach Punkten sind wir wieder da, doch wir werden weiter keine große Ziele wie die Teilnahme an der Europa Leagie verkünden." Sein Bremer Kollege Thomas Schaaf fasste die Partie so zusammen: "Das war ein echtes Derby. Da haben zwei Mannschaften gespielt, die sich beweisen wollten. Wir sind nicht gut aus der Halbzeit gekommen, haben uns jedoch wieder gefangen, aber unsere Möglichkeiten nicht nutzen können."

Schaaf: "Wenn es Hand ist, muss man pfeifen"

Zunächst brachte Assani Lukimya (9.) die Gäste vor rund 55.000 Zuschauern in Führung, bevor der Südkoreaner Heung-Min Son (23.) mit einem Traumtor zum Ausgleich traf. Direkt nach dem Wiederanpfiff markierte Dennis Aogo (46.) die erneute HSV-Führung und in der 53. Minute erzielte Artjoms Rudnevs seinen achten Saisontreffer zum 3:1. Beide Tore waren umstritten. Aogo hatte den Ball ungeahndet mit dem Oberarm geführt, Rudnevs stand wohl knapp abseits. Zu Aogos Treffer meinte Werder-Coach Schaaf lapidar: "Wenn es Hand ist, ist es Hand, dann muss man pfeifen."

Aogo: "Glück, dass der Schiri das nicht gesehen hat"

Aogo sprach nach dem Schlusspfiff beim Blick auf die TV-Bilder von "ein bisschen Glück, dass der Schiri das nicht gesehen hat". HSV-Trainer Fink sagte nach seinem ersten Derby-Erfolg über Bremen: "Wir sind eine Stufe weiter, weil unsere Mannschaft mit Rückschlägen umgehen kann. Das war wichtig, dass die Jungs ein 0:1 wegstecken können." Bremens Sokratis (54.) verkürzte am Ende zwar noch auf 2:3, doch zu mehr Treffern reichte es für Werder nicht. Dennoch gestaltete sich die Schlussphase ausgesprochen farbig. Die Bremer Clemens Fritz (80.) nach Foulspiel und Marko Arnautovic (90.+1) wegen unsportlichen Verhaltens sahen jeweils die Gelb-Rote Karte.

HSV beendet Negativserie

Zweikampfstark, dominant und mit viel Zug zum Tor: Der HSV machte von Beginn an klar, dass er die bittere Serie gegen den ungeliebten Nachbarn unbedingt beenden wollte. Rafael van der Vaart deutete schon nach einer Minute an, dass sich die Hausherren viel vorgenommen hatten. Der HSV-Regisseur brachte Stürmer Artjoms Rudnevs in Schussposition, doch der Lette schoss knapp über das Tor. Acht Minuten später bekamen die Hausherren jedoch die kalte Dusche. Lukimya ließ Nationaltorhüter René Adler keine Abwehrmöglichkeit mit seinem artistischen Kopfball.

Hamburger SV - Werder Bremen 3:2

Nach einem hart umkämpften Sieg im Nordderby gegen Werder Bremen schielt der Hamburger SV auf die Europapokalplätze.

van der Vaart (l.) im Zweikampf mit Fritz

Intensiv geht es im 98. Nordderby der Bundesliga zu wie hier im Zweikampf zwischen Hamburgs Rafael van der Vaart (l.) und Bremens Clemens Fritz. Der Bremer sieht in der Schlussphase die Gelb-Rote Karte, ebenso wie sein Kollege Marko Arnautovic.

Intensiv geht es im 98. Nordderby der Bundesliga zu wie hier im Zweikampf zwischen Hamburgs Rafael van der Vaart (l.) und Bremens Clemens Fritz. Der Bremer sieht in der Schlussphase die Gelb-Rote Karte, ebenso wie sein Kollege Marko Arnautovic.

Zuerst darf Werder Bremen jubeln. Lukimya gelingt das 0:1.

Die Antwort des HSV lässt nicht lange auf sich warten. Mit seinem siebten Saisontor schafft Heun-Min Son den Ausgleich zum 1:1.

Wie im Kopfballduell zwischen Ciljan Skjelbred (l.) und Mehmet Ekici hat der HSV in der zweiten Halbzeit die Nase vorn.

Keine halbe Minute ist im zweiten Durchgang gespielt, als Dennis Aogo die Hamburger erneut in Führung schießt.

Hamburgs Stürmer Artjoms Rudnevs (l.) besorgt mit seinem Tor zum 3:1 die vermeintliche Vorentscheidung.

HSV-Torwart René Adler zeigt aber eine Unsicherheit und lässt noch einen Schuss durch die Arme rutschen. Bremen verkürzt durch Sokratis auf 2:3. Dabei bleibt es.

Werder war nach dem 0:5 beim Rückrundenstart gegen Dortmund, der zweithöchsten Heimniederlage der Vereinsgeschichte, ohne großes Selbstvertrauen nach Hamburg gereist. Nach der Führung brannte die Elf von Schaaf zwar auch kein fußballerisches Feuerwerk ab, präsentierte sich aber defensiv als stabil. Erst Son knackte das Bollwerk der Bremen mit seiner herausragenden Einzelaktion. Nach dem Ausgleich waren die Hausherren, die zuletzt drei Heimspiele in Folge gewonnen hatten, klar tonangebend, ohne sich dabei jedoch eine Vielzahl an Chancen herauszuspielen. Werder stand weiter tief und setzte auf Konter.

Adler mit Patzer

Nach der Pause entwickelte sich ein echter Fußball-Krimi. Beinahe jeder Schuss war ein Treffer. Der HSV zog erst mit dem frisch getankten Selbstvertrauen davon, doch dann patzte plötzlich Adler, der bei den Hamburgern eine überragende Saison spielt. Beim 2:3 ließ er den Ball unter den Armen durchrutschen. Sein trockener Kommentar: "Da merkt man, dass ich alt werde und nicht so schnell runterkomme."

Werder-Coach schweigt zu Platzverweisen

Beide Mannschaften kämpften weiter um jeden Meter und gaben keinen Zweikampf verloren. Am Ergebnis änderte sich nichts mehr. In der 62. Minute hatte de Bruyne noch die große Chance zum Ausgleich, nachdem ihn der gerade eingewechselte Arnautovic mustergültig bedient hatte. Doch der Kopfball des Belgiers war ebenso harmlos wie der Abschluss von Mehmet Ekici kurze Zeit später. Die unrühmlichen Schlusspunkte waren dann die zwei Bremer Platzverweise, die Schaaf nicht kommentieren mochte: "Das bringt uns nicht weiter."

Marcel Jansen gibt nach dem Spiel gegen Werder Bremen ein Intervieww Play-Icon

Stimmen nach dem Spiel HSV - Bremen (3:2) | 17:19 min | 27.01.2013 | Bundesliga am Sonntag | WDR

Und so feierten die Fans des HSV feierten die neue Nummer eins im Norden noch lange nach dem Abpfiff mit frenetischen Sprechchören. Wenige Meter weiter kauerten die Bremer Profis niedergeschlagen auf dem regenschweren Hamburger Rasen.

sid/dpa/red | Stand: 27.01.2013, 18:13