Sturm ohne Namen beim HSV

Thorsten Fink und Artjoms Rudnevs

Vor der neuen Saison

Sturm ohne Namen beim HSV

Von Frank Hellmann

Beim Hamburger SV häufen sich die Probleme. Trainer und Sportchef müssen mal wieder einen Umbruch moderieren. Gerade in der Offensive gibt es große Fragezeichen.

Joachim Hilke, Vorstand für Marketing und Kommunikation beim Hamburger SV, mag die Stunden nicht mehr zählen, die für die Organisation des 125-jährigen Vereinsjubiläums aufgewendet wurden. Wie es sich für einen Traditionsverein gehört, haben die Norddeutschen dafür kräftig geklotzt: Für das Freundschaftsspiel zwischen dem HSV und dem FC Barcelona am Dienstag (24.07.12) ist das Heimtrikot eigens mit einer Sonderstickerei versehen worden, die limitierte Auflage der 1887 verzierten Jerseys soll zum Stückpreis von 80 Euro an den Fan gebracht werden.

Irgendwie müssen die Kosten ja wieder reinkommen: Rund 1,5 Millionen Euro soll der Deal mit den Katalanen gekostet haben; mehrere Seiten umfasst der Anforderungskatalog der spanischen Gäste, die sogar die Höhe des Rasens millimetergenau vorgegeben haben. "Es ist das größte Freundschaftsspiel, das wir je ausgetragen haben", sagt Hilke, "es krönt unsere Feierlichkeiten."

Geld rein, Qualität weg

Dumm nur, dass gerade jetzt der HSV wieder einen gewaltigen Umbruch erlebt, der eine Folge der hochpreisigen Risikopolitik des früheren Vorstandschefs Bernd Hoffmann ist. Der nötige Sparkurs verlangt, dass gut dotierte Verträge wie der von Mladen Petric (jetzt FC Fulham) nicht verlängert und Großverdiener wie Paolo Guerrero (jetzt Corinthians Sao Paulo) verkauft werden. Der HSV kassierte zwar fünf Millionen Euro Ablöse und spart vier Millionen Gehalt, doch mit Petric (128 Bundesligaspiele/51 Tore) und Guerrero (161/47) verlieren die Hanseaten auch sportliche Qualität.

Und die Suche nach Ersatz ist schwierig. Trainer Thorsten Fink und Sportchef Frank Arnesen liegen offenbar nicht immer auf einer Wellenlänge. "Wir sind nicht immer einig", hat der Däne kürzlich eingeräumt. Da tat es gut, dass der HSV auf seiner Südkorea-Reise den so genannten Peace-Cup gewonnen hat. Vor allem die knapp 1,5 Millionen Dollar Preisgeld stimmten die Hamburger froh, auch wenn diese die Probleme in der Offensive nicht auf einen Schlag lösen.

Wer stürmt?

Marcus Berg und Neuzugang Artjoms Rudnevs kämpfen in dem von Fink bevorzugten 4-2-3-1-System um den Platz als einzige Spitze. Doch Kritiker bemängeln bereits, dass sowohl dem 25-jährigen Schweden als auch dem 24-jährigen Letten, der zuletzt für Lech Posen spielte, die Klasse fehle. "Rudnevs hat Charakter und Willen, aber er braucht noch ein bisschen. Die Umstellung vom polnischen Fußball auf die Bundesliga ist nicht zu unterschätzen", erklärt Fink. "Berg scheint es dagegen gutzutun, dass die Konkurrenzsituation mit Petric und Guerrero für ihn vorbei ist." Der vor drei Jahren für fast  zehn Millionen Euro Ablöse aus Groningen verpflichtete Angreifer schoss immerhin das Siegtor im Peace Cup.

Spielmacher gesucht

Matti Steinmann, Jeffrey Bruma und Artjoms Rudnevs

Matti Steinmann, Jeffrey Bruma und Artjoms Rudnevs beim Peace Cup

Fink dürfte in den Vorbereitungsspielen allerdings nicht entgangen sein, dass auch auf anderen Offensivpositionen noch Luft nach oben ist. Zuvorderst fehlt ein offensiver Mittelfeldspieler. "Wir werden da sicherlich bald Neuigkeiten hören", sagt der Trainer, der auf die Verpflichtung eines Spielmachers drängt. Von Dinamo Zagreb soll der Mittelfeld-Allrounder Milan Badelj (23) kommen, Wunschkandidat Raffael von Hertha BSC ist wohl zu teuer.

Besser scheint der HSV auf den Flügeln besetzt, wo sich rechts der Düsseldorf-Rückkehrer Maximilian Beister und der Südkoreaner Heung Min Son streiten, während links Gökhan Töre, Marcell Jansen und Ivo Ilicevic spielen wollen. Töre, in der Hinrunde vergangener Saison noch als Überflieger gefeiert, steht allerdings vor einem Wechsel zu Rubin Kasan. So dürfte vermutlich wieder Jansen diese Position übernehmen.

Jansen ist es übrigens auch, der den aktuellen Teil der Vorbereitung gerade sehr genießt. Erst die Pokal-Übergabe beim Peace Cup, nun der Hit gegen Barcelona. "Das ist definitiv reif für die Champions League", sagt Jansen. Auf den in der Restaurierung befindlichen Hamburger SV trifft das eher nicht zu.

Stand: 24.07.2012, 08:00