Arnautovic zerlegt Hoffenheim

Bremens Marko Arnautovic nach seinem Treffer zum 2:0 in Hoffenheim

1899 Hoffenheim - Werder Bremen 1:4

Arnautovic zerlegt Hoffenheim

War das 29. Spiel von Markus Babbel als Trainer in Hoffenheim sein letztes? Seine Mannschaft liefert beim 1:4 gegen Werder eine hilflose Vorstellung ab und macht Babbels Zukunft in Hoffenheim ein Stück fraglicher.

Nach dem erneuten sportlichen Offenbarungseid seiner Mannschaft verschwand Trainer Babbel auf schnellstem Weg in die Katakomben. Die Profis von 1899 Hoffenheim absolvierten derweil einen Spießrutenlauf. "Wir haben die Schnauze voll!" skandierten die aufgebrachten Fans der Kraichgauer, ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert folgte. Die Tage von Coach Babbel scheinen nach der 1:4-Heimpleite am Sonntag (02.12.12) gegen Werder Bremen gezählt.

Doch der gab sich wenig später vor laufenden Kameras kämpferisch. "Ich weiß nicht, was nun passiert. Wir konzentrieren uns jedenfalls auf das Spiel am Freitag in Hamburg", sagte der Ex-Nationalspieler, und Manager Andreas Müller wollte sich nicht zu einem eventuellen Abschied von Babbel äußern. "Wir sind derzeit alle so unglaublich enttäuscht, denn wir hatten uns viel vorgenommen", sagte der ehemalige Schalker. Ein Sieg in den zurückliegenden zehn Partien lautete die ernüchternde Bilanz der Hoffenheimer, die weiterhin auf einem Relegationsplatz dümpeln.

Babbel: "Ein Stück weit zusammengebrochen"

Der Klub von Mäzen Dietmar Hopp stellt die schlechteste Defensive der Eliteklasse und hatte zu diesem Zeitpunkt einer Saison noch nie weniger Punkte (12) als derzeit auf dem Konto. "Die Niederlage ist sehr bitter. Die erste Halbzeit war ganz schwach. Nach dem dritten Gegentor hat man gemerkt, dass die Jungs ein Stück weit zusammengebrochen sind", resümierte 1899-Coach Babbel.

Schon jetzt steht fest, dass Hoffenheim die schlechteste Hinrunde der Vereinsgeschichte spielen wird. Diese Bilanz muss die Chefetage, allerdings ohne den in Florida weilenden Hopp, am Montag bei der Mitgliederversammlung (19.00 Uhr) erklären. Als mögliche Nachfolger Babbels, der erst am 10. Februar Holger Stanislawski beerbt hatte, werden bereits Felix Magath und Marco Kurz gehandelt.

Dreierpack von Arnautovic

Die beiden Österreicher Sebastian Prödl (21.) und Marko Arnautovic (29./73. und 79.) sorgten mit ihren Treffern für den verdienten Auswärtserfolg der Bremer, die mit 21 Punkten im gesicherten Mittelfeld der Tabelle rangieren. Für die Gastgeber traf lediglich Sejad Salihovic (50.). "In der ersten Halbzeit haben wir klar dominiert. Nach dem Wechsel sind wir schwer ins Spiel gekommen und haben prompt das Tor kassiert. Nach unserem dritten Treffer war das Ding gelaufen und Hoffenheim wollte auch nicht mehr", sagte Bremens Arnautovic, und Trainer Thomas Schaaf ergänzte: "Wir haben gut gespielt und haben schon vor der Halbzeit verpasst, klarer zu führen."

Verunsicherte Gastgeber - eiskalte Bremer

Bei winterlichem Wetter konnten sich die 23.500 frierenden Zuschauer in der Rhein-Neckar-Arena in der Anfangsphase kaum an der Partie erwärmen. Allenfalls die Werder-Fans fanden Gefallen an dem Auftritt ihrer Mannschaft, als Prödl sein erstes Saisontor für die Bremer erzielte. Im Anschluss an die Führung übernahm die Mannschaft von Trainer Schaaf, den weiter Spekulationen über einen Wechsel zum VfL Wolfsburg umgeben, das Kommando. Nach einer sehenswerten Kombination erhöhte Arnautovic den Vorsprung gegen die vollkommen verunsicherten Gastgeber.

Doppel-Wechsel schon vor der Pause

Babbel reagierte noch vor der Pause auf die schwache Vorstellung seiner Truppe. Er wechselte Stephan Schröck und Sven Schipplock gegen Roberto Firmino und Vicenzo Grifo aus. Das änderte aber nichts daran, dass Werder nahe am dritten Tor war. De Bruyne (45.) und Nils Petersen (45.+1) vergaben zwei Großchancen. Erst kurz nach dem Seitenwechsel gaben die Gastgeber durch das dritte Saisontor von Salihovic ihr erstes Lebenszeichen von sich. In der 57., 63. und 65. Minute vergab der Deutsch-Spanier Joselu drei Möglichkeiten zum Ausgleich. Danach kam der Elan der Hoffenheimer wieder zum erliegen, Arnautovic traf auf der Gegenseite per Freistoß.

sid | Stand: 02.12.2012, 17:18