Nagelsmann übernimmt früher in Hoffenheim

Julian Nagelsmann

TSG Hoffenheim

Nagelsmann übernimmt früher in Hoffenheim

Julian Nagelsmann wird bereits am Donnerstag (11.02.16) neuer Trainer des Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim. Der 28 Jahre alte bisherige U19-Coach sollte diesen Posten eigentlich erst zur neuen Saison übernehmen. Vorgänger Huub Stevens hatte am Mittwoch aus gesundheitlichen Gründen sein Amt zur Verfügung gestellt. Nagelsmann erhält einen Vertrag bis zum 30. Juni 2019.

Nagelsmann wird damit noch vor dem wichtigen Abstiegskampf-Spiel am Samstag bei Werder Bremen (15.30 Uhr) die Arbeit von Stevens übernehmen - allerdings leitet er die erste Übungseinheit unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nagelsmann wird der jüngste hauptamtliche Bundesliga-Chefcoach. Eigentlich hätte er das Team aus dem Kraichgau erst ab dem Sommer trainieren sollen, nun aber wird der in Landsberg am Lech geborene Fußballlehrer viel früher in die Verantwortung genommen als gedacht.

Viel Überzeugungsarbeit

Der Entscheidung, Nagelsmann als neuen Cheftrainer zu installieren, gingen intensive Gespräche voraus. "Wir haben eine Sorgfaltspflicht dem Klub und natürlich auch den beteiligten Personen gegenüber", teilte TSG-Geschäftsführer Peter Görlich mit. "Gemeinsam mit Julian haben wir wie schon im vergangenen Herbst noch einmal alle Chancen und Risiken sorgfältig gegeneinander abgewogen und uns nun dazu entschieden, den gemeinsam Weg früher zu beginnen."
 
"Julian, der die Verantwortung nicht nur tragen will, sondern auch kann, wird dem Team noch einmal ganz neue Impulse geben", ist TSG-Direktor Profifußball Alexander Rosen nach den Gesprächen mit Nagelsmann überzeugt. Um den Wunschtrainer zu überzeugen, wurden am Mittwoch und Donnerstag im TSG-Trainingszentrum in Zuzenhausen viele Gespräche geführt. Rosen musste dem künftigen Coach die große Aufgabe schmackhaft machen und gleichzeitig die Verantwortlichen der Hennes-Weisweiler-Akademie davon überzeugen, dass der Abschluss des Fußballlehrer-Lehrgangs und der Trainerjob von Nagelsmann unter einen Hut gebracht werden können.

Der Neue weiß um die Herausforderung

Nagelsmann, der in wenigen Wochen seine Ausbildung beim DFB abschließt,  "weiß um die große Herausforderung, die durch die aktuelle Tabellensituation natürlich noch einmal schwerer wird." Dennoch sei ihm "davor nicht bange. Ich freue mich darauf, mit der Mannschaft zu arbeiten und durch meine Art noch einmal neue Reize setzen zu können.“ 

"Natürlich spielt Julian Nagelsmann in unseren Überlegungen eine Rolle. Der Lehrgang ist in der Endphase, es gibt kaum noch Präsenzzeiten, der Zeitraum ist absehbar", hatte Rosen bereits zuvor gesagt, der die Verpflichtung eines neuen Kurzzeit-Trainers von außen ausschloss. Rosen ist sich darüber im Klaren, dass ein vorzeitiges Engagement des derzeitigen U 19-Trainers bei den Profis auch ein großes Risiko birgt.

Es bleibt ein Risiko

Sollte der Vorletzte, der fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz (Werder Bremen) aufweist und bereits sieben Zähler vom rettenden Ufer entfernt ist, am Ende absteigen, wäre die Karriere von Nagelsmann sofort mit einem Makel behaftet. "Wir sind uns aller Eventualitäten bewusst", äußerte Rosen mit Blick auf Nagelsmann, der das Team der Kraichgauer eigentlich erst im Sommer übernehmen sollte und einen Vertrag bis Juni 2019 unterschrieben hat.

Doch die Herzprobleme von Stevens machten diesen Plan zunichte. Im Kraichgau hoffen nun alle darauf, dass sich Geschichte wiederholt. Schließlich installierte Mehrheitseigner Dietmar Hopp vor drei Jahren in einer ähnlich aussichtslosen Lage den Trainer-Neuling Markus Gisdol. Damals war die Rettung vor dem Abstieg eigentlich gar nicht mehr vorgesehen, sondern der Neuaufbau in der zweiten Liga.

Ein Perfektionist am Werk

Doch der Vorgänger von Stevens schaffte den Klassenerhalt. Nagelsmann hat aber noch andere Aufgaben zu bewältigen. Zwischen dem 22. Februar und dem 7. März stehen die letzten fünf Prüfungen bei der Weisweiler-Akademie in Hennef auf dem Programm. Doch vor Prüfungen hatte Nagelsmann, der seinen Spitznamen "Baby Mourinho" vom ehemaligen TSG-Torhüter Tim Wiese verpasst bekam, als er 2012 im Alter von 25 Jahren zum jüngsten Co-Trainer der Bundesliga avancierte, noch nie Angst.

Das hat er im Laufe seiner jungen Karriere schon mehrfach bewiesen. Vor zwei Jahren gewann er mit der U 19 der TSG die deutsche Meisterschaft, die A-Lizenz bestand er mit der Note 1,0. "Ich bin Perfektionist und spiele in der Liga gerne oben mit, weil ich den Erfolg liebe", verriet Nagelsmann zuletzt. Als Spieler blieben ihm große Erfolge allerdings verwehrt. Als Trainer führte er in den vergangenen beiden Jahren die U 19 der TSG jeweils ins Finale um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft, die er 2014 gewann.

Zahlreiche Verletzungen sorgten für das Ende seiner aktiven Karriere im Alter von nur 20 Jahren. Über die Nachwuchsabteilungen des FC Augsburg und von 1860 München kam er 2010 zur TSG, wo der steile Aufstieg des praxisorientierten Trainers begann. "Ich habe nie großartig Taktikbücher verschlungen, eher viel von meinen früheren Trainern abgeschaut", sagte Nagelsmann. Das war nicht das schlechteste Rezept - schließlich hieß einer der Trainer Thomas Tuchel.

Stand: 11.02.2016, 13:32

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