Uli Hoeneß hält eigene Gomez-Kritik für gewagt

Uli Hoeneß

"Das kann man nicht jeden Tag machen"

Uli Hoeneß hält eigene Gomez-Kritik für gewagt

Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß hat nach seiner verbalen Attacke auf Torjäger Mario Gomez eingeräumt, dass dies "ein gewagter Weg" sei.

"Das kann man nicht jeden Tag machen, vielleicht nur alle zwei Jahre mal. Aber wenn du so etwas machst, hast du ja noch die Hoffnung, dass sich was ändert", sagte Hoeneß der Süddeutschen Zeitung (SZ). Dass er Gomez (27) in der Öffentlichkeit derart kritisiert hat, bezeichnete der 60-Jährige "als die letzte Möglichkeit, dass es besser wird". Man müsse dem Nationalspieler ein "gewisses Phlegma" austreiben.

Hoeneß hatte am Dienstag (31.07.2012) am Rande eines Sponsorentermins über den 27 Jahre alten Stürmer gesagt: "Wenn er sehr gut wäre, wären wir jetzt Champions-League-Sieger." Zuvor hatte Hoeneß betont, dass der Nationalspieler "gut, aber nicht sehr gut ist. Er kann noch besser werden. Wir dürfen die Spieler nicht immer nur in Watte packen. Wenn man Spielern immer nur auf die Schulter klopft, werden sie nicht besser. Zum Leben gehört auch konstruktive Kritik. Wer damit nicht umgehen kann, hat ein Problem".

Hoeneß: "Bin nicht der Messias"

Er sei nicht "der Messias", so Hoeneß, "ob es richtig war, werden wir in drei Monaten sehen". Eins sei aber jetzt schon klar: "Das Wohlfühlgehabe, das es bei uns ständig gab, ist nicht immer gut." Der Druck auf Gomez, der erst im Frühjahr seinen Vertrag beim deutschen Fußball-Rekordmeister bis 2016 verlängert hat, ist schon jetzt riesig. Zumal die Bayern nach SZ-Informationen weiterhin am Dortmunder Robert Lewandowski interessiert sein sollen.

Dem lag angeblich ein Angebot aus München mit einem Jahresgehalt von sieben Millionen Euro vor. Dortmund lehnte einen Wechsel aber ab. Sollte es mit Gomez in der neuen Saison nicht wie gewünscht klappen, "könnte es gut sein, dass Dortmund 2013 wieder vom FC Bayern kontaktiert wird", schrieb die SZ am Freitag. Auch Edin Dzeko soll deshalb weiter auf Bayerns Agenda stehen. Schon jetzt haben die Bayern in Claudio Pizarro und Mario Mandzukic zwei hochkarätige Konkurrenten für Gomez verpflichtet.

Trainer Heynckes reagiert gereizt

Mario Gomez

Mario Gomez steht in der Kritik.

Hoeneß verdeutlichte noch einmal, dass er den Nationalspieler, der in den vergangenen zwei Jahren für die Bayern 80 Tore in 97 Pflichtspielen schoss, mit seinen Aussagen "nur reizen und kitzeln" wollte: "Da war doch keine Beleidigung dabei, keine Diffamierung." Er wollte zudem "mal was relativieren". Gemeint ist das Lob des ehemaligen Sportdirektors Christian Nerlinger, der bei der EM erklärt hatte, dass Gomez ein "Top-Stürmer in Europa" sei.

Vereinsintern kommt die Hoeneß-Kritik offenbar auch nicht sonderlich gut an. Trainer Jupp Heynckes scheint nicht besonders angetan zu sein von den Worten seines Freundes Hoeneß: "Sie wissen doch selbst, dass das Unsinn ist", herrschte der Münchener Trainer nach dem 3:2-Testspielsieg beim 1. FC Kaiserslautern einen Reporter an.

Stand: 03.08.2012, 13:18