Horst Heldts stiller Umbau geht weiter

Horst Heldt

Schalkes Manager verlängert seinen Vertrag

Horst Heldts stiller Umbau geht weiter

Von Jörg Strohschein

Schalkes Manager Horst Heldt wird bis 2016 beim FC Schalke 04 bleiben. Der 42-Jährige hat dem Klub eine bisher ungewohnte Seriosität beschert.

Zum Ende der vergangenen Saison hatte Horst Heldt tiefe Ränder unter seinen Augen. Die Anspannung war groß. Es ging schließlich darum, ob die Mannschaft des FC Schalke 04 sich für die Champions League qualifiziert. Daran wird nicht nur Trainer Huub Stevens gemessen. Auch der Manager steht für den sportlichen Erfolg seines Klubs.

Letztlich ist es gutgegangen. Schalke hat den dritten Platz erreicht, spielt wieder in der europäischen Königsklasse. Dass lässt Kritiker verstummen und spült viel Geld, mindestens 20 Millionen Euro, in die Vereinskassen. Im Nachhinein war die Aufregung umsonst. "Der Verein stresst positiv, aber er stresst", sagt Heldt heute. "Das kann man vermutlich nicht sein ganzes Leben machen."

"Schalke setzt mit Heldt auf Kontinuität"

Clemens Tönnies

Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies

Ein bißchen will er aber noch bleiben. Der 42-jährige wird seinen Vertrag bei den Schalkern bis zum Jahr 2016 verlängern. Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, die gewichtigste Stimme im Klub, hat Heldt dies angeboten. "Wir setzen auf dieser wichtigen Position auf Kontinuität. Und die heißt bei uns Horst Heldt. Er leistet hervorragende Arbeit für den Verein", sagt Tönnies.

Dieses Lob darf man Tönnies durchaus abnehmen. Denn Heldt hat dafür gesorgt, dass die aufkommende Kritik an Tönnies verstummt ist. Nach der Verpflichtung von Felix Magath und dessen unglücklicher Mission in Gelsenkirchen, die Tönnies nahezu im Alleingang betrieben hatte, galt es für den 56-Jährigen, Schadensbegrenzung zu betreiben. Heldt war eine Art Blitzableiter. Dafür hatte Tönnies Heldt bereits im Juli 2010 vom VfB Stuttgart geholt.

Heldt muss einen aufgeblähten Kader bearbeiten

Heldt hielt sich dann erstmal recht lange - fast bis zur Unkenntlichkeit - im Verborgenen und mied die Öffentlichkeit. Es kursierte bereits die Frage rund um den Schalker Markt, welches Aufgabenfeld Heldt eigentlich verantworte. Das ging solange, bis die überaus kostspielige Ära Magath in Schalke im März 2011 beendet war.

Im Anschluss hatte Heldt einen aufgeblähten Kader zu bearbeiten, der zeitweise mehr als 40 Spieler zählte. Allein die Gehaltszahlungen für die Spieler in der Saison 2010/11 verschlangen 94,6 Millionen Euro. Heldt hatte den Auftrag, Kosten zu senken, Spieler abzugeben, aber dennoch sportlichen Erfolg zu ermöglichen.

"Klein, aber gut"

Und er sollte einen Kontrapunkt in Sachen Harmonie und Zugänglichkeit zu seinem überaus autoritären Vorgänger setzen. "Die Leute sollen später über mich sagen: Er war klein, aber gut. Sie sollen sagen, dass es eine erfolgreiche Zeit war, dass aber gleichzeitig die finanzielle Seite des Klubs nicht vergessen wurde und der Konsolidierungskurs erfolgreich war", sagt Heldt über seine Aufgabe.

Mittlerweile ist der größte Teil des Kaderumbaus - unter finanziellen Zugeständnissen bei Leihgeschäften und Spielertransfers - erledigt. 25 Spieler befinden sich aktuell noch im Teamkader. Auch wenn nicht alle Verpflichtungen des Managers, wie etwa im Fall vom Ciprian Marica aufgegangen sind, ist die aktuelle Mannschaft doch so stark, um in der Bundesliga wieder im oberen Tabellenbereich mitspielen und in der Champions League die Gruppenphase überstehen zu können.

Knochentrockene Solidität

Horst Heldt und Huub Stevens (r.)

Horst Heldt und Huub Stevens (r.)

Dabei hat Heldt auch für die eine oder andere Überraschung gesorgt - so in der Trainerfrage, als er nach dem krankheitsbedingten Rücktritt von Ralf Rangnick den Niederländer Huub Stevens verpflichtete. Der von den Fans einst zum Jahrhunderttrainer gewählte Stevens galt als einer der Lieblingskandidaten von Clemens Tönnies - aber auch als Defensivfanatiker. Das Risiko für Heldt war jedoch letztlich überschaubar, weil Stevens den Anhängern leicht zu vermitteln war. Damit hatte der Manager nicht gerade revolutionär gehandelt, aber dem Klub auf dieser Position eine knochentrockene Solidität verordnet.

Die bisher größte Leistung des Managers ist jedoch, dass er im chronisch unruhigen Umfeld des Klubs für eine lange nicht gekannte Ruhe beschert hat. Die Ansprüche bleiben dennoch hoch in Schalke, die Finanzmittel weiterhin knapp. "Ich träume genauso wie jeder andere davon, mit diesem Verein irgendwann einmal Meister zu werden. Dann kommt man aber schnell in die Realität zurück. Kann man das planen, sind wir überhaupt in der Lage dazu?", fragt Heldt. Er werde alles tun, um dieses Ziel zu erreichen.

Stand: 12.09.2012, 11:30