Christian Heidel - das Herz eines Vereins

Christian Heidel

1. FSV Mainz vor schwierigen Wochen

Christian Heidel - das Herz eines Vereins

Von Frank Hellmann

Ob er will oder nicht: Christian Heidel steht im Mittelpunkt, wenn am Freitag (20.30 Uhr) der 1. FSV Mainz 05 gegen den FC Schalke 04 spielt. Sein Wechsel nach Gelsenkirchen würde bei den Rheinhessen eine riesige Lücke reißen.

Wer will es Christian Heidel eigentlich verdenken? "Mir wäre es sehr viel lieber, wenn das Fußballspiel im Mittelpunkt stehen würde", sagt der Manager des 1. FSV Mainz 05. Das wird indes ein frommer Wunsch bleiben. Wenn die Rheinhessen nun den FC Schalke 04 empfangen, ist ja unvermeidlich, dass der Mann in den Fokus rückt, der im Sommer aller Voraussicht nach die Seiten wechselt.

Präsident Strutz ist verstimmt

Kaum jemand glaubt noch, dass Heidel seinen bis Juni 2017 laufenden Vertrag in Mainz erfüllt. Statt dessen soll er eine bestens dotierte Stelle in Gelsenkirchen antreten. Die Rede ist von einem Vierjahresvertrag mit fast zwei Millionen Euro Jahresgehalt. Allen Fragen dazu weicht Heidel seit Wochen aus. Diesmal nur noch energischer. "Ich kann dazu nicht mehr sagen. Es gibt überhaupt nichts Neues. Sollte es eine Entscheidung geben, geben das die Vereine bekannt", erklärte der 52-Jährige am Donnerstag auf der Pressekonferenz.

Dabei war er sichtlich bemüht, nicht zu viel Aufhebens um seine Person zu machen. Sein Herz schlage weiter für Mainz 05, und nur diesem Verein drücke er am Spieltag alle Daumen. „Ich wäre beleidigt, wenn mir unterstellt würde, ich könnte mich nicht positionieren. Ich möchte wie immer, dass Mainz 05 dieses Spiel gewinnt." Tatsächlich bestehen ja an Loyalität des Machers keine Zweifel, obgleich die Hinhaltetaktik kein Dauerzustand sein kann. "Mich persönlich hat von Schalke noch keiner gefragt, ob wir Heidel freigeben. Ich finde, es wäre dafür langsam mal an der Zeit", schimpfte erneut FSV-Präsident Harald Strutz. Heidel kündigte nun eine Entscheidung "in Kürze" an.

Dirk Dufner ein Kandidat

Denn letztlich schadet die Ungewissheit, die im Grunde seit den ersten Veröffentlichungen über einen möglichen Heidel-Wechsel im Herbst vergangenen Jahres aufkam, beiden Vereinen. Heidel will den Kollegen Horst Heldt, dessen Vertrag bei den Königsblauen nicht verlängert wird, ganz normal begegnen. "Ich schätze und respektiere Horst Heldt als Kollegen seit vielen Jahren. Und so habe ich mich bis heute auch verhalten. Daran wird sich nichts ändern."

Es würde sich aber vieles bei Mainz 05 ändern, sollte Heidel mal nicht mehr da sein. Als Nachfolger wird der privat mit der Stadt Frankfurt verbandelte Dirk Dufner genannt, aber ist der bei Hannover 96 gescheiterte Sportdirektor wirklich der Richtige? So oder so wäre die Lücke riesengroß, die der mächtige Heidel hinterlässt. Auch menschlich. Es gibt kaum einen im Klub, der schlecht über ihn redet.

Gewaltige Veränderung

Wer auf die Entwicklung eines biederen Zweitligisten blickt, der vor einem Vierteljahrhundert in einem baufälligen Stadion am Bruchweg vor wenigen Tausend Zuschauern seine Heimspiele bestritt, kommt am Manager nicht vorbei. Dass der selbst ernannte Karnevalsverein heute ein veritabler Erstligist ist, der sportlich und wirtschaftlich als Musterschüler auftritt, gilt in erster Linie als Heidels Verdienst.

"Niemand hätte uns vor einigen Jahren zugetraut, einmal die 100-Millionen-Euro-Umsatzmarke zu knacken", sagt Heidel. Und: "Seit dem Wiederaufstieg 2009 haben wir nicht ein einziges Mal auf einem Abstiegs- oder Relegationsplatz gestanden." Das ist allein deshalb eine besondere Leistung, weil seit Jahren die besten Spieler verkauft werden (müssen).

Überragendes Netzwerk

Ob früher André Schürrle und Adam Szalai oder zuletzt Shinji Okazaki und Johannes Geis (zu Schalke): Immer nahm der Klub gutes Geld sein und beschaffte sich adäquaten Ersatz. Dank Spürnase Heidel. "Wenn die Zeit mal kommt, dass unsere Spieler nicht mehr umworben sind, haben wir ein Problem. Das ist Teil unserer Idee, die uns seit sieben Jahren in der Bundesliga spielen lässt. Eine Alternativlösung ist mir bislang noch nicht eingefallen", erklärte er im "Kicker".

Wie aber macht der Allesmacher das, der nebenbei mit städtischer Unterstützung eine 2011 eröffnete Arena am Europakreisel bauen ließ? Der Mainzer Marketingchef Dag Heydecker beschreibt ihn als einen Mann "mit sehr viel gutem Gespür für den Markt und die Preise und einem überragenden Netzwerk." Zudem gilt Heidel als harter Verhandler und seriöser Kaufmann.

Top-Trainer gefunden

Letztere Qualitäten eignete sich der gebürtige Mainzer als geschäftsführender Gesellschafter eines Autohauses an. Dass er dabei in der Vergangenheit häufig in die Schublade eines Autohändlers gesteckt wurde, hat ihm, der bis 2005 sogar noch ehrenamtlich für den Klub arbeitete, nie geschmeckt. Denn er war nicht derjenige, der beim Kunden Motoren oder Innenausstattung anpries, sondern seine Aufgabe war die kaufmännische Leitung.

Vielleicht rührt daher seine Akribie, über Excel-Tabellen die aktuellen und kommenden Ausgaben stets im Blick zu haben. Und nie Einnahmen im Vorgriff zu verlieren. So manch einen Transfer konnte er bewerkstelligen, weil er in den Verordnungen der Verbände nach Schlupflöchern fahndete. Seine größten Verdienste erwarb er sich allerdings mit den Trainerentscheidungen für Jürgen Klopp, Thomas Tuchel und zuletzt auch Martin Schmidt. Sie alle haben den Verein auf die nächste Entwicklungsstufe geführt.

Heidel kam gerade bei diesen Maßnahmen seine Nähe zur Nachwuchs- und Amateurabteilung zugute. Mittlerweile arbeitet der Manager daher aus zwei verschiedenen Büros: Bezeichnend für den umtriebigen Strippenzieher, dass er im alten Bruchwegstadion – dort wo das Nachwuchsleistungszentrum untergebracht ist – fast genauso häufig anzutreffen ist wie in der Arena mit der Profiabteilung. Da weiß halt einer, was beim 1. FSV Mainz 05 auch in Zukunft ohne ihn gefragt ist: Bodenständigkeit.

Stand: 11.02.2016, 12:34

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