Der HSV gerät aus der Balance
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1:5-Niederlage in Hannover
Der HSV gerät aus der Balance
Von Marcus Bark
Der Hamburger SV verliert deutlich in Hannover, weil er nie eine vernünftige Balance findet. Die zuletzt so starken Heung Min Son und Artjoms Rudnevs bleiben ohne Treffer und vernachlässigen die Defensivarbeit. Eine Analyse.
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Abseits. Der Treffer von Rudnevs zählt nicht. Es wäre sein elfter in dieser Saison gewesen. Son hätte sich den zweiten Assist zu seinen neun Toren auf das Konto buchen können. Doch dieser 23. Februar 2013 ist halt für die beiden Stürmer und den HSV das, was Fußballer inzwischen sehr gerne als gebrauchten Tag bezeichnen. Kapitän Heiko Westermann benutzte genau diese Worte, um das 1:5 zu erklären. Einen ganz schlechten Tag hatte René Adler erwischt. "Ich war meilenweit von meiner Normalform entfernt", sagte der Torhüter, der bei den ersten vier Hannoveraner Treffern schlecht aussah. Es wäre aber zu einfach, sich bei der Ursachenforschung für den heftigen Rückschlag auf Adler zu konzentrieren. Trainer Thorsten Fink umschiffte eine Bewertung seines Torhüters, indem er eine Einzelkritik ablehnte. Stattdessen sah er das große Ganze, und das bereitete ihm große Sorgen: "Wenn die Offensive nicht gut nach hinten arbeitet, hat die Abwehr Probleme."
Mittelfeldraute wird Auslaufmodell
Rudnevs und Son bildeten in der ersten Halbzeit das Sturmduo im 4-4-2-System mit einer Mittelfeldraute, das in der Bundesliga und international immer mehr zu einem Auslaufmodell wird. Zur zweiten Halbzeit wurde Maximilian Beister eingewechselt, der in den Angriff rückte. Son nahm die Position des ausgewechselten Per Skjelbred im rechten Mittelfeld ein. Der Norweger war in den vergangenen Wochen zu einer festen Größe in der Mannschaft geworden, ohne zu glänzen. Skjelbred war passsicher und zeigte ein gutes Gespür dafür, Räume zuzustellen. In Hannover war er dazu nicht in der Lage, denn das HSV-Spiel war nie in einer guten Balance.
"Wir waren heute sehr offensiv und haben hinten eigentlich immer eins gegen eins gespielt. Das war schon so gewollt", sagte Westermann. Die Hamburger hatten darauf gesetzt, den Gegner, der gut 40 Stunden zuvor einen 98 Minuten langen Sturmlauf gegen Anschi Machatschkala in der Europa League hinlegte, zu überrumpeln. Das gelang auch beinahe. Son hatte nach 15 Sekunden, Rudnevs in der dritten Minute eine Chance. Aber ihnen wollte vorne nichts gelingen, und nach hinten war die Leistung des Sturmduos ganz schwach.
Kein Pressing
Son und Rudnevs liefen die Gegner nur halbherzig an, von einem Pressing konnte nie die Rede sein. Waren sie überspielt, blieben die Beiden vorne. Das kam dem HSV vor dem Ausgleich zu Gute, denn bei dem Konter vor dem Elfmeterpfiff ergaben sich für Rafael van der Vaart zwei Anspielstationen. Aber der HSV hätte sich schon ähnlich effizient im Abschluss zeigen müssen wie Hannover (mit Ausnahme von Mame Diouf, der zahlreiche gute Gelegenheiten ausließ), um von der forschen Taktik zu profitieren.
Westermann monierte, dass "wir fast keinen zweiten Ball gewonnen haben. Das war in Dortmund noch ganz anders, als wir 4:1 gewonnen haben." Es lag in erster Linie nicht am Zweikampfverhalten, das Fink so heftig kritisierte: "Das war Herrenmannschaft gegen Jugendmannschaft." Die Statistik zeigte, dass der HSV 56 Prozent der Zweikämpfe gewann. Zu oft wurden die Hannoveraner aber gar nicht in einen Zweikampf verwickelt, weil die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen und den Spielern in vertikaler und horizontaler Ausrichtung nicht stimmten.
HSV zu lauffaul
Defensiv zu schwach: Son
Der HSV muss sich dabei den Vorwurf gefallen lassen, zu wenig gelaufen zu sein. Die Gesamtleistung der Hamburger lag mit 111 Kilometern zwar nur 500 Meter niedriger als die der Niedersachsen. Doch Hannover bestritt sein bereits 38. Pflichtspiel der Saison, der HSV erst sein 24. Eine Woche lang hatten die Gäste Zeit, sich auf die Partie in Hannover vorzubereiten. Der Mannschaft von Mirko Slomka waren nur 40 Stunden geblieben, die sie hauptsächlich mit "Schlafen und gutem Essen" verbrachte, wie der Trainer sagte.
Thorsten Fink hatte unter der Woche schon festgestellt, dass seine Spieler es im Training nach zwei Siegen hintereinander etwas lascher angehen ließen. Er habe sie daher am Donnerstag zusammengetrommelt und gewarnt, dass es mit dieser Einstellung auf eine deutliche Niederlage hinaus laufe. Im Spiel zeigte sich, dass die Mahnung ankam, aber nur für den Fall des eigenen Ballbesitzes.
Stand: 23.02.2013, 20:30