Hannover kippt wohl aus der 50+1-Regel

Martin Kind

Übernahme durch Martin Kind

Hannover kippt wohl aus der 50+1-Regel

Die 50+1-Regel gilt bald wohl für einen weiteren Verein weniger. Martin Kind will bei Hannover 96 in diesem Jahr die komplette Mehrheit übernehmen. Eine Ausnahmeregel, die bereits für Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim gilt, macht es möglich.

Kind will schon in diesem Jahr die Mehrheit bei der wichtigsten GmbH des Zweitligisten haben. Der Präsident des Stammvereins hat dazu einen entsprechenden Antrag bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) gestellt. Das sagte Kind am Montag (30.01.2017) beim Sportbusiness-Kongress SpoBis in Düsseldorf.

Kind will es alleine machen

Es gehe um die Komplementär-GmbH zur Hannover 96 GmbH & Co. KGaA, erklärte der Unternehmer. Diese ist das wichtigste Unternehmen in dem komplizierten Konstrukt des Zweitligisten. Sie kümmert sich um den Profibereich und das Nachwuchsleistungszentrum.

"Ich habe den Antrag als Person Martin Kind gestellt", sagte der Unternehmer, der seit Jahren gegen die 50+1-Regelung kämpft. Anders als ursprünglich geplant will Kind alleine die Mehrheit und nicht in einer Gesellschaft zusammen mit den anderen derzeitigen Teilhabern.

Kind: "Rechtlich hat die Regel keine Zukunft"

"Ich würde eine radikale und vollständige Öffnung bevorzugen, aber ich verstehe auch, dass wir uns auf gewisse Regeln verständigen müssen. Das Wichtigste ist, dass wir die Entscheidung nicht den Richtern überlassen", sagte Kind. Die 50+1 Regel verzerre seiner Meinung nach den Wettbewerb und verstoße gegen europäisches Recht. "Rechtlich hat die 50+1-Regel keine Zukunft."

Die Regel bedeute, "dass kreative Umgehungstatbestände entwickelt werden. Das kann nicht Sinn der Sache sein", sagte Kind. Ohne die Abschaffung dieser Regel würde es auf Dauer keine Chancengleichheit in der Bundesliga mehr geben, so Kind. "Ich empfehle daher den Fortfall dieser Regelung."

Ausnahmen für Leverkusen und Wolfsburg als Ausgangspunkt

Die 50+1-Regel soll verhindern, dass Kapitalanleger eine Stimmenmehrheit bei den als Gesellschaften ausgegliederten Profiabteilungen der Bundesligisten kaufen. Der Stammverein muss dafür die Mehrheit an einem Bundesligisten halten, 50 Prozent plus einen Anteil.

Allerdings gibt es seit jeher Ausnahmen von dieser 50+1-Regel. Wenn jemand den Verein mehr als 20 Jahre ununterbrochen und erheblich gefördert hat. Zunächst musste das vor dem 1. Januar 1999 geschehen sein, wodurch die Ausnahme auf Bayer Leverkusen und den VfL Wolfsburg zutraf und von Kritikern als "Lex Leverkusen" bezeichnet wurde. VW und Bayer halten jeweils 100 Prozent an den beiden Werksclubs.

Kind aber ging gegen den Stichtag beim DFB-Schiedsgericht vor, bekam Recht und kann nun die Mehrheit erhalten. 2017 wird Kind seit 20 Jahren im Klub aktiv gewesen sein und die Regel in ihrer neuen Fassung erfüllen. Der Hörgeräte-Unternehmer hatte im September 1997 das Präsidentenamt beim damaligen Regionalligisten übernommen und sich seitdem auch mit seinem Privatvermögen am Club beteiligt.

Ausnahme gilt auch für Hoffenheim

Auch für Hoffenheim trat 2015 die Ausnahme aus der 50+1-Regel in Kraft. Maßgeblich für die Bewertung des Hoffenheimer Antrags damals war das jahrelange finanzielle Engagement des SAP-Gründers Dietmar Hopp sowohl für den Profi- als auch den Amateurfußball des Klubs.

nch/dpa | Stand: 30.01.2017, 13:14

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