Hamburger SV - So schön kann Mittelmaß sein

HSV-Coach Bruno Labbadia

Labbadia bringt den Erfolg zurück

Hamburger SV - So schön kann Mittelmaß sein

Von Marco Schyns

Durch den Sieg gegen Hertha BSC hat sich der Hamburger SV aus der Abstiegszone geschossen. Verantwortlich für die positive Entwicklung sind vor allem zwei Personalien.

Sie sind der Inbegriff von Mittelmaß in dieser Saison. Nach 25 Spieltagen liegt der Hamburger SV auf Rang zehn in der Bundesliga. Nach dem 2:0-Sieg gegen Hertha BSC am Sonntagabend beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz komfortable sieben Punkte. Dabei hätte es bei einer Niederlage ungemütlich werden können im Abstiegskampf. "Der Eindruck, dass es vor allem unter Druck funktioniert, ist da", meinte Torhüter René Adler anschließend. Intern, so Adler weiter, würde niemand vom Abstiegskampf reden.

Das ist alles andere als selbstverständlich für einen Klub, der in den vergangenen beiden Jahren dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte zwei Mal knapp entkommen war. 2014 die Zitterspiele gegen Greuther Fürth, 2015 die dramatische Nachspielzeit inklusive Verlängerung gegen den Karlsruher SC. Das alles wollen die Norddeutschen endgültig hinter sich lassen - ohne gleich wieder Träumereien zu verfallen.

Labbadia bringt den Erfolg zurück

Verantwortlich dafür ist vor allem ein Mann: Trainer Bruno Labbadia. Obwohl offensichtlich nur zweite Wahl hinter Thomas Tuchel übernahm er im April vergangenen Jahres den taumelnden HSV auf einem Abstiegsplatz. Elf Monate später bewegt man sich zumeist zwischen Platz zehn und zwölf der Tabelle. Nahezu frei von Abstiegssorgen und ohne den noch unrealistischen Blick in Richtung Europa. In dieser Saison steht Hamburg für Mittelmaß, damit können alle Beteiligten gut leben. Auch Labbadia.

Seine Vertragsverlängerung Anfang Januar war ein Zeichen dafür, dass beim HSV auch auf der Trainerposition Konstanz einkehrt. Und es war der Lohn dafür, dass er ein lebloses Team emotionalisiert, den Zusammenhalt wieder hergestellt und den sportlichen Erfolg zurückgebracht hat. Seine wichtigste Personalie aber hat sich erst im Laufe dieser Spielzeit herauskristallisiert: Ex-Nationalspieler Lewis Holtby.

Holtby als Lenker im Mittelfeld

Der 25-Jährige wurde von Labbadias Vorgängern vor allem im offensiven Mittelfeld eingesetzt, wenn überhaupt. Labbadia zog ihn auf die Sechserposition und machte ihn zum Lenker im Mittelfeld. Davon profitieren beide Seiten. Auch weil mit Sommer-Neuzugang Albin Ekdal die Fehlerquote im Aufbauspiel minimiert wurde. Wenn der Schwede nicht gerade wieder mit einer Verletzung zu kämpfen hat, ist er auf der Doppelsechs gesetzt - und bildet mit Holtby ein spielstarkes Duo. Das stellten beide auch gegen Hertha BSC unter Beweis.

Labbadia: "Albin war so heiß"

76 Minuten Einsatzzeit bekam Ekdal gegen Hertha, obwohl er zuletzt wegen einer Kapselverletzung fehlte. "Es war ein Risiko, aber Albin war so heiß. Für ihn war es wichtig, so zurückzukehren", sagte Labbadia nach dem Spiel, verbunden mit der Hoffnung, dass der 26-Jährige seinem Team im Saisonendspurt helfen kann. Seit Oktober hatte Ekdal kein Pflichtspiel mehr absolviert. Ganz anders als Teamkollege Lewis Holtby, der in allen 25 Ligaspielen in der Startelf stand. Das kann beim HSV ansonsten nur  Verteidiger Matthias Ostrzolek von sich behaupten.

Lewis Holtby (o.) feiert Torschütze Nicolai Müller

Lewis Holtby (o.) feiert Torschütze Nicolai Müller.

In der Vorsaison ohne eigenes Tor geblieben, traf Holtby dieser Spielzeit bereits zwei Mal, darunter beim wichtigen 3:1-Sieg gegen Borussia Dortmund. Gegen Hertha leitete er zudem beide Treffer von Teamkollege Nicolai Müller ein. "Der Trainer ist der Wahnsinn. Er ist ein richtig guter Mensch. Er kann dich in den Arm nehmen, er kann dich anpeitschen", sagt der Ex-Schalker über seinen Förderer Labbadia.

Zünglein an der Waage im Abstiegskampf

Neben Holtby und Ostrzolek zählen auch die Außenbahnspieler Ivo Iicevic und Nicolai Müller, je 23 Einsätze, zu den Dauerbrennern bei den Hamburgern. Mittelstürmer Pierre-Michel Lasogga (22 Einsätze, sechs Tore) hatte seinen Stammplatz zuletzt an Artjoms Rudnevs verloren, der aber auch erst zwei Mal erfolgreich war. Auch das ist ein Grund dafür, dass die Offensive häufig noch ins Stottern gerät.

Sieben Spiele blieb der HSV bislang ohne eigenen Treffer, dreimal endete die Partie 0:0. Schließlich kann sich Trainer Labbadia meistens auf eine stabile Defensive verlassen. 35 Gegentore sind absoluter Liga-Durchschnitt. Vor dem HSV hat nur ein Team mehr Gegentore (Borussia Mönchengladbach), dahinter hat nur eins weniger Gegentore (1. FC Köln). Mittelmaß eben.

Wenn man an der Elbe auch am Ende dieser Spielzeit von Mittelmaß spricht, wären wohl nicht nur die Anhänger zufrieden. Bei noch ausstehenden Spielen gegen die Abstiegskandidaten Hoffenheim, Hannover, Darmstadt, Bremen und Augsburg könnten die Hamburger dennoch eine große Rolle im Abstiegskampf spielen - dieses Mal allerdings ohne selbst mittendrin zu sein.

Stand: 07.03.2016, 12:30

Bundesliga | Tabelle

Rang Team S P
1. 1. FC Köln 0 0
1. 1. FSV Mainz 05 0 0
1. 1899 Hoffenheim 0 0
1. Bayer Leverkusen 0 0
1. Bayern München 0 0
  ...    
1. SV Darmstadt 98 0 0
1. VfL Wolfsburg 0 0
1. Werder Bremen 0 0
Darstellung: