Der HSV lebt wieder

Son (o.) und Arslan feiern einen Hamburger Treffer

Hamburger SV - Borussia Dortmund 3:2

Der HSV lebt wieder

Als Rafael van der Vaart seinem Torhüter René Adler wie ein kleiner Junge mit rotglühenden Wangen in die Arme sprang und ausgelassen jubelte, war bei Borussia Dortmund die Superserie endgültig gerissen und die Enttäuschung grenzenlos. "Gefühlt hatten wir 14:3 Torchancen - und dann so etwas", murmelte BVB-Nationalspieler Mats Hummels, das Gesicht kreidebleich, die Stimme zittrig.

So etwas - das war die überhaupt nicht einkalkulierte 2:3 (0:1)-Niederlage beim Hamburger SV, die nicht nur nach einem Jahr die Superserie von 31 Spielen ohne Niederlage enden ließ, sondern die Westfalen auch auf dem Weg zur Titelverteidigung übel zurückwarf. Nach nur vier Spielen liegt der deutsche Pokalsieger bereits fünf Punkte hinter Rekordmeister Bayern München zurück.

Raphael van der Vaart grinst nach dem Sieg gegen Dortmund Play-Icon

Stimmen zum Spiel Hamburg - Dortmund (3:2) | 03:00 min | 22.09.2012 | Sportschau | Das Erste

Sichtlich niedergeschlagen war auch Mannschaftskapitän Sebastian Kehl, und dennoch war der Mittelfeldspieler zu einer so klugen wie prägnanten Spielanalyse fähig: "Wir haben dieses Spiel selbst entschieden - in beide Richtungen."

Hinten des Öfteren zu lässig, vorne zu nachlässig - dirigiert von einem soliden, aber nicht überragenden van der Vaart nutzten die Platzherren die Gelegenheiten, die ihnen geboten wurden, mit lange vermisster hanseatischer Gründlichkeit. Gleich zweimal (2. und 59.) entwischte der kleine Südkoreaner Heung-Min Son den Dortmunder Abwehrspielern, Ivo Ilicevic (55.) überraschte Keeper Roman Weidenfeller mit einem Schuss in die Torwartecke.

HSV landet ersten Sieg seit fünf Monaten

"Wir müssen wieder dazu kommen, weniger Fehler zu machen", forderte ein konsternierter Sportdirektor Michael Zorc. Die beiden Tore von Ivan Perisic (46. und 60.) hielten die Gäste zwar im Spiel, doch zur Wende reichte es nicht mehr. Pech und Unvermögen im Abschluss beim BVB sowie ein gut disponierter Adler ließen die Partie in den ersten HSV-Sieg seit mehr als fünf Monaten münden.

Jürgen Klopp guckt ernst auf der Pressekonferenz nach dem Spiel in Hamburg Play-Icon

Jürgen Klopp und Thorsten Fink vor der Presse | 04:32 min | 22.09.2012 | Sportschau | Das Erste

Eine Woche vor den aufwändig geplanten Jubiläumsfeierlichkeiten zum 125. Geburtstag für die Norddeutschen eine wahre Erlösung. "Wenn das kein Brustlöser war, dann weiß ich auch nicht", sagte ein höchst erleichterter HSV-Kapitän Heiko Westermann. Van der Vaart stellte den Teamgeist in den Vordergrund: "Wir haben gezeigt, was eine Mannschaft leisten kann."

Mit Glück und Leidenschaft zum Sieg

Der Hamburger SV hat sich im vierten Spiel der Saison die ersten drei Punkte gesichert. Bei Borussia Dortmund riss die Serie nach 31 Spielen ohne Niederlage.

Spielszene der Partie Hamburg gegen Dortmund

Der HSV ist heiß: Mit großer Konzentration und Siegeswillen stimmen sich die Spieler und Betreuer auf das Spiel gegen den BVB ein.

Der HSV ist heiß: Mit großer Konzentration und Siegeswillen stimmen sich die Spieler und Betreuer auf das Spiel gegen den BVB ein.

Die gute Vorbereitung zeigt Wirkung: Bereits nach zwei Minuten feiern Torschütze Son und Arslan (u.) den ersten Treffer der Hamburger.

Doch auch der BVB trifft: Ivan Perisic (l.) erzielt Sekunden nach der Pause den Ausgleich. Sehr zur Freude seiner Kollegen.

Der Ruck, der durch die Elf der Hamburger geht, hat einen Namen: Rafael van der Vaart ist besonders in der ersten Hälfte sehr aktiv und ist sich auch für Fouls nicht zu schade.

Für die Tore bei den Hanseaten sorgt aber Heung-Min Son. Nationalspieler Marcel Schmelzer (l.) findet keine Mittel gegen den Stürmer.

Die Hamburger Mannschaft und Thorsten Fink sind überglücklich, als Son das 3:1 macht.

Als erneut Perisic den Anschlusstreffer für den BVB erzielt, muss der HSV Leidenschaft zeigen. Arslan kann kaum noch Impulse nach vorne geben.

Kapitän Heiko Westermann greift zu: Zum einen lässt der Routinier seine Erfahrung spielen, zum anderen hält er sich an Gegenspieler Lukasz Piszczek fest.

Was auch zum Profi gehört: Nach einem Foul das Unschuldslamm geben.

Besonders in der Schlussviertelstunde lässt Dortmund die Hamburger Hintermannschaft keine Sekunde verschnaufen: Michael Mancienne läuft und läuft und läuft.

Die Verpflichtung von Rafael van der Vaart könnte zum richtigen Zeitpunkt gekommen sein: Sein Spielwitz und sein Eifer beflügeln die gesamte Mannschaft der Hamburger.

Genau das taten die Westfalen in der mit 57.000 Zuschauern ausverkauften WM-Arena am Volkspark nicht, zu oft wurde den zweifellos individuell stärkeren BVB-Solisten vertraut - letztlich ohne Erfolg. Trainer Jürgen Klopp: "Das Spiel war ein Spektakel, aber uns hat die Leichtigkeit gefehlt. Und wenn ein Gegner wie der HSV dann seine wenigen Möglichkeiten nutzt, wird es eben schwer."

Ein anderer Dortmunder hingegen freute sich über das Resultat. Der in der schwarz-gelben Metropole geborene und aufgewachsene HSV-Coach Thorsten Fink möchte nun selbst eine Erfolgsserie im Stile des Double-Gewinners starten: "Vielleicht ist es sogar ganz gut, dass es schon am Mittwoch in Mönchengladbach weitergeht. Wir brauchen unser Selbstvertrauen dorthin einfach nur mitzunehmen."

dpa