Luiz Gustavo ist das fünfte Rad am Wagen

Will weg vom FC Bayern: Luiz Gustavo.

FC Bayern

Luiz Gustavo ist das fünfte Rad am Wagen

Der neue Bayern-Trainer Pep Guardiola hat den brasilianischen Nationalspieler bislang nur in einem Testspiel eingesetzt. Zu wenig, um den 26-Jährigen dauerhaft bei Laune zu halten.

Es muss ein gutes Gefühl für Luiz Gustavo gewesen sein: mittendrin statt nur dabei. Wie selbstverständlich durfte der Mittelfeldspieler am Mittwochabend im Baseler St. Jakob-Park mitmachen, als die brasilianische Nationalelf im Länderspiel gegen die Schweiz testete.

Trotz der 0:1-Niederlage im größten Fußballstadion der Eidgenossen ein wichtiges Erlebnis für den Profi des FC Bayern. Im Pokal gegen den Viertligisten BSV Rehden gehörte Gustavo genauso wenig zum 18er-Aufgebot der Münchner wie zum Bundesligastart gegen Borussia Mönchengladbach. Da kommt sich einer in München wie das fünfte Rad am Wagen vor.

Im neuen System ist nur noch Platz für einen Sechser

Schuld ist weniger der Spieler selbst, der in der Sommerpause für die Selecao beim Confed Cup alle fünf Begegnungen bestritt. Der  solide Abräumer wird im Verein wegen einer Systemumstellung nicht mehr gebraucht: Spätestens nach dem Neueinkauf von Guardiolas Wunschspieler Thiago verfügen die Münchner über ein Überangebot im defensiven Mittelfeld. Neben dem 25-Millionen-Neueinkauf vom FC Barcelona stehen in Bastian Schweinsteiger und Javi Martínez auch noch zwei weitere Klassespieler für das neue 4-1-4-1-System  von Pep Guardiola zur Verfügung.

Der Ausweg wäre ein Wechsel. "Ich bin bei den Bayern zurzeit in einer sehr heiklen Situation. Ich habe persönliche und berufliche Gründe, weggehen zu wollen", hatte er vor dem Schweiz-Länderspiel gesagt. Nach wochenlangen Interessensbekundungen zeichnet sich immer deutlicher ein Transfer zum VfL Wolfsburg ab. Die finanzstarken Niedersachsen seien bei der Vereinssuche des 26-Jährigen klarer Favorit, berichteten mehrere Medien am Donnerstag. Gustavo-Berater Roger Wittmann dementierte allerdings Vollzugsmeldungen: "Er hat noch nirgendwo unterschrieben", sagte der Chef von "Rogon Sportmanagement".

Ein teures Paket für den VfL Wolfsburg

Gustavo kehrte am Donnerstag nach München zurück. Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hatte zuletzt von Angeboten aus ganz Europa für den willensstarken Musterprofi berichtet - und neben Deutschland auch Spanien, England und Russland aufgezählt. Der FC Arsenal soll konkret Interesse gehabt haben, aber nicht bereit gewesen sein, rund 20 Millionen Euro Ablöse zu zahlen. Nun also wird der Wechsel innerhalb der Bundesliga wahrscheinlich: "Wir haben uns bemüht, unsere Chancen stehen nicht schlecht", sagte VfL-Manager Klaus Allofs am Donnerstag zum Stand der Gespräche.

Bei  Ablöse und Gehalt (bei einem Vertrag bis 2017) könnte das Gustavo-Paket leicht 40 Millionen Euro kosten. Für die Wolfsburger würde der millionenschwere Deal dann ein schnelles Ende der neuen Bescheidenheit bedeuten, die die VfL-Macher erst in der Sommerpause angekündigt hatten. Zugleich wäre durch das Kommen von Gustavo aber die notorische Schwachstelle im defensiven Mittelfeld behoben - genau dieser Spielertyp fehlt. Zudem wäre eine brasilianische Dreierachse im Teamgefüge perfekt - inklusive Abwehrchef Naldo und Spielmacher Diego.

Der Spieler will wieder Stammkraft sein

Vor zweieinhalb Jahren war Luiz Gustavo auch dem FC Bayern noch viel Geld wert, mehr sogar als einst Luca Toni. Im Januar 2011 hatten die Bayern für den filigranen Taktgeber eine Ablösesumme von rund 17 Millionen Euro an 1899 Hoffenheim bezahlt.

Vor allem mit Blick auf die Heim-WM der Brasilianer sei ihm Spielpraxis wichtig. Nationalcoach Luiz Felipe Scolari hatte zuletzt schon betont, beim Fußball-Großereignis vor allem auf jene Profis zu setzen, die auch bei ihren Vereinen Stammspieler sind. Im östlichen Niedersachsen wäre ihm dieser Status garantiert.

dpa, hel | Stand: 15.08.2013, 13:09