Guardiola - Lob, Respekt und Neid

Pep Guardiola

Bayern München verpflichtet Star-Trainer

Guardiola - Lob, Respekt und Neid

Die Verpflichtung Pep Guardiolas als Bayern-Trainer hat eine Welle von Reaktionen ausgelöst. Die internationale Presse und auch die Konkurrenz zollten den Bayern und der gesamten Liga Respekt. Von Fans anderer Klubs gab es auch Kritik.

Die Schlagzeilen-Macher der englischen Zeitungen konnten die Nachricht nur schwer verdauen. Auf der Insel hatte man fest damit gerechnet und vor allem darauf gehofft, dass Star-Trainer Pep Guardiola künftig bei einem Premier-League-Klub an der Linie steht. Vor allem Champions-League-Sieger FC Chelsea mit Milliardär Roman Abramowitsch hatte sich große Chancen ausgerechnet.

"Guardiola ist der begehrteste Trainer der Welt - und er unterschreibt für drei Jahre bei Bayern", schrieb die Daily Mail und brachte die Enttäuschung und das Unverständnis damit auf den Punkt. "Ein krachender Schlag für die Interessenten aus der Premier League. Der deutsche Gigant gewinnt", schrieb das Blatt, während der Independent titelte: "Chelsea ist bloßgestellt."

Lob aus Italien

Die italienische Zeitung Repubblica zollte den Bayern und auch der gesamten Liga derweil Respekt. "Mit Guardiolas Wechsel zu Bayern München erlebt die Bundesliga einen definitiven Qualitätssprung. Jetzt kann man von der besten Liga der Welt sprechen, auch wegen des schönen offensiven Spiels. Die Bundesliga ist auch die tugendhafteste, da die Bilanzen der Klubs mehrheitlich positiv sind, und die demokratischste, weil die Gehälter nicht übertrieben sind", schrieb das Blatt.

Der Corriere della Sera ist schon gespannt, wie sich die Dinge in Zukunft entwickeln werden: "Jetzt werden wir wirklich feststellen können, ob Guardiola der beste Trainer der Welt ist. Wenn es eine Mannschaft gibt, die Barcelona ähnelt, ist es Bayern. München hat Barcelonas Geld und die Gewohnheit, auf junge Talente zu setzen und zu gewinnen."

Von Barca zu den Bayern - Guardiolas Karriere in Bildern

Pep Guardiola wird ab Sommer 2013 Trainer beim FC Bayern München. Der Meister-Trainer aus Barcelona hat keine lange Liste ehemaliger Arbeitgeber.

Pep Guardiola

Der Erfolgscoach Pep Guardiola holte mit dem FC Barcelona in vier Jahren 14 Titel. Ab der Saison 2013/2014 wird er den FC Bayern München für drei Jahre trainieren. Den Spitzenklubs Manchester City und United sowie dem FC Chelsea ist es nicht gelungen, den heiß umworbenen Trainer für sich zu gewinnen.

Der Erfolgscoach Pep Guardiola holte mit dem FC Barcelona in vier Jahren 14 Titel. Ab der Saison 2013/2014 wird er den FC Bayern München für drei Jahre trainieren. Den Spitzenklubs Manchester City und United sowie dem FC Chelsea ist es nicht gelungen, den heiß umworbenen Trainer für sich zu gewinnen.

In der Geschichte des FC Barcelona ist Pep Guardiola der erfolgreichste Trainer. Dabei ist der Verein bis heute seine einzige Trainerstation.

Schon während seiner aktiven Karriere spielte Guardiola für den FC Barcelona. Als Spieler gewann er zwischen in den 90er Jahren sechs spanische Meisterschaften und einmal den europäischen Landesmeistertitel, den Vorgängerwettbewerb der Champions League.

Von dem damaligen Barça-Trainer Louis van Gaal wurde er 2001 schließlich aussortiert und wechselte zu Brescia Calcio und 2002 zum AS Rom.

2003 wechselte Guardiola zu Al-Ahli SC nach Katar. Seine Spielerkarriere beendete er 2006 beim mexikanischen Club Dorados de Sinaloa, um als Trainer zum FC Barcelona zurückzukehren.

Dort trainierte er zunächst die zweite Mannschaft, bevor er 2008 Nachfolger von Chefcoach Rijkaard wurde. Gleich im ersten Jahr stellte er sein Können unter Beweis und gewann die spanische Meisterschaft.

Auch im internationalen Geschäft war er stets erfolgreich: 2009 und 2011 holte er den Champions-League-Pokal nach Barcelona. Eine Qualität, die besonders auf Uli Hoeneß Eindruck gemacht haben dürfte.

Mehr als die halbe Mannschaft schafft unter seiner Regie den Sprung in die spanische Nationalmannschaft.

Das Erfolgsrezept des FC Barcelonas: Lionel Messi und Pep Guardiola. Hohe Spielintelligenz gepaart mit spielerischer Virtuosität.

Seine Leistungen als Trainer blieben auch von der FIFA nicht unprämiert:2009 und 2011 wurde er Welttrainer des Jahres.

Nach vier Jahren gab Guardiola am 27. April 2012 auf einer Pressekonferenz bekannt, dass er seinen Vertrag beim FC Barcelona nicht verlängern werde. Schon vorher hatte er betont: "Trainer von Barça kann man nicht auf Lebenszeit sein."

Ob Pep Guardiola seinen Erfolg auch bei den Bayern fortsetzen kann, bleibt abzuwarten.

Konkurrenz zieht den Hut

Auch in Deutschland übertrafen sich die Experten und Klub-Macher mit Respekts-Bekundungen. Dass Bayern-Ikone Franz Beckenbauer ("Da muss ich dem FC Bayern gratulieren.") und Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld ("Das passt optimal.") voll des Lobes sind, ist klar. Doch auch die Konkurrenz zieht den Hut. "Da kann ich nur vollen Herzens und ohne Neid gratulieren. Das ist eine Riesengeschichte für die Liga, gibt ihr international noch mehr Reputation. Als ich davon gehört habe, war ich schon erstaunt. Denn ich weiß, wie schwer es ist, so einen Trainer zu bekommen", sagte Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer von Borussia Dortmund.

"Das zeigt einmal mehr den großen Stellenwert der Bundesliga. Und mit Guardiola wird das internationale Interesse sicher weiter steigen", frohlockte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig und Ex-Bundestrainer Berti Vogts erklärte: "Ich glaube, dass Guardiola dem deutschen Fußball mit seiner Art, Fußball spielen zu lassen, viele Impulse geben wird."

Neid-Diskussion im Gästebuch

Die Mehrheit der User von sportschau.de sieht das genauso. "Glückwunsch und Respekt! Auch als BVB-Fan erkenne ich gerne an, dass den Bayern damit ein echter Coup gelungen ist. Es unterstreicht nicht nur den Stellenwert des FC Bayern sondern ist auch ein Zeichen dafür, dass die Bundesliga immer mehr respektiert und geschätzt wird, auch international. Ein weiterer Schritt nach vorne für den deutschen Bundesliga-Fußball- ich freue mich drauf wenn Pep die Stimmung im BVB-Tempel erleben darf. Auf reizvolle Duelle, auch auf der Trainerbank", schreibt zum Beispiel "BVB aus Bayern" ins Gästebuch.

Doch es gibt auch Neid und Kritik. "Er wird an der Kleinkariertheit und Arroganz der ach so weltläufigen Voralpler scheitern, ich freu mich schon drauf!", schreibt "Häme aus dem Norden". "JoNi" behauptet, dass dieser Trainer und der FCB noch vor Ende des Vertrages getrennte Wege gehen. Dieses Experiment wird genauso scheitern wie das mit Klinsmann. Da war die Euphorie ähnlich." Auch "tuhberlin" erklärt: "Dieser Trainer wird bei Bayern München genauso kläglich versagen, wie bisher alle anderen Trainer, die aus dem Ausland verpflichtet wurden. Nur weil Guardiola ein Weltklassetrainer ist, heißt das lange nicht, dass er in Bayern München genauso erfolgreich sein wird." "Axel" sieht die Diskussion derweil gelassen. Er zitiert Wilhelm Busch und schreibt: "Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung."

Fanstimmen zur Trainerverpflichtung Play-Icon

Guardiola kommt - Reaktionen der Bayern-Fans | 01:27 min | 17.01.2013 | Morgenmagazin | Das Erste

Stand: 17.01.2013, 10:54