Letzte Chance für Weltmeister Großkreutz

Kuriose Fußballreise endet vorläufig in Stuttgart

Letzte Chance für Weltmeister Großkreutz

Ein bisschen kurios ist es schon: Die erste Dienstreise mit seinem neuen Klub wird Kevin Großkreutz ausgerechnet dorthin führen, wo er nicht mehr sein wollte. Am Dienstag (05.01.16) fliegt der VfB Stuttgart zu einem Trainingslager nach Belek in der Türkei.

Aus der Türkei, genau genommen von Galatasaray, ist der Weltmeister erst vor einem Monat geflohen, geplagt von Heimweh. Heimat ist für Großkreutz bekanntlich Dortmund, aber er wird jetzt seinen Lebensmittelpunkt nach Stuttgart verlegen. VfB-Sportvorstand Robin Dutt erklärt: "Nach der unglücklichen Zeit in Istanbul brennt Kevin darauf, endlich wieder Fußball zu spielen." Die Ablösesumme soll bei rund 2,5 Millionen Euro liegen, am Mittwochabend (06.01.2015) gab der VfB den Transfer als vollzogen bekannt.

Kramny total begeistert

"Er war Feuer und Flamme für den VfB. Es war für ihn von vornherein die beste Adresse", versicherte Trainer Jürgen Kramny, vor der Winterpause von der Zwischenlösung zum Chef befördert, am Montag begeistert beim Trainingsauftakt der Stuttgarter. Er hat sich erkundigt über Großkreutz, wohl auch bei Kumpel Jürgen Klopp, unter dem der Allrounder einst bei Borussia Dortmund zu einem "Top-Spieler" (Kramny) reifte.

Großkreutz und der VfB: Es dürfte im deutschen Fußballoberhaus die letzte Chance für den zuletzt fast nur noch von Negativ-Schlagzeilen umgebenen Profi sein. Aber unter ähnlichem Druck steht auch sein neuer Arbeitgeber, der sich im Abstiegskampf eigentlich keine personellen Fehlgriffe leisten kann.

Gesperrt wegen 48 Sekunden

Großkreutz braucht also dringend einen Neuanfang, sein neuer Verein ebenso. Für 1,5 Millionen Euro war der 27 Jahre alte Allrounder vergangenen Sommer am letzten Tag der Wechselzeit zu Galatasaray gewechselt. Doch weil sich die Türken 48 Sekunden zu lang Zeit ließen, den Wechsel beim Weltverband FIFA zu melden, wurde Großkreutz gesperrt. Nach der Winterpause hätte Großkreutz für Galatasaray spielen können, doch da hatte er längst beschlossen, dass das Ausland für ihn nichts ist.

Jetzt also folgt in Stuttgart sein zweiter Versuch, seine Karriere wiederzubeleben. Im Sommer vergangenen Jahres war er bei Borussia Dortmund schon auf dem Abstellgleis gelandet, Verletzungen hatten ihn zurückgeworfen, und der neue Trainer Thomas Tuchel wollte ihn nicht mehr. Stuttgart heißt nun die Ersatzheimat, beim VfB können sie ihn gut brauchen im Abstiegskampf, als defensiven wie offensiven, als links wie rechts einsetzbaren Dauerläufer.

Mentalität in die Mannschaft bringen

Vorausgesetzt freilich, Großkreutz findet zurück zu der alten Dynamik. Dem VfB ist er das Risiko jedenfalls wert, und er muss schließlich auch etwas tun: Derzeit trennen die Schwaben auf Tabellenrang 15 nur zwei Punkte von Schlusslicht 1899 Hoffenheim. "Ich hoffe, dass er Mentalität in die Mannschaft bringt", sagt Kramny.

Die Sache mit dem Heimweg erfährt übrigens in nur gut einen Monat den ersten Härtetest. Dann kommt es für Großkreutz zu einem Wiedersehen mit seiner großen Liebe Borussia Dortmund: Am 9. Februar empfängt der VfB den BVB im Viertelfinale des DFB-Pokals.

sid/horni | Stand: 04.01.2016, 21:15

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