Heimfluch bleibt bestehen

Zweikampf zwischen Kießling und Dominguez

Borussia Mönchengladbach - Bayer 04 Leverkusen 3:3

Heimfluch bleibt bestehen

Patrick Herrmann ging auf Nummer sicher und rettete seinem Team in einem spektakulären Spiel einen glücklichen Punkt.

"Wir haben tolle Moral bewiesen. Da waren viele Emotionen im Spiel", meinte der Stürmer von Borussia Mönchengladbach, der mit seinem Kopfball in der 86. Minute das 3:3 (1:0) gegen Bayer Leverkusen sicherte, als er einen Querpass von Roel Brouwers, der vielleicht selbst den Weg ins Tor gefunden hätte, zur Sicherheit noch über die Linie bugsierte.

Glück für die Gastgeber

Die sehenswerte Tore-Show im Borussia-Park endete glücklich für die Gastgeber, die durch Martin Stranzl (44.) und Luuk de Jong (58.) zwar zweimal vorne lagen, doch Sidney Sam (52.), Stefan Kießling mit seinem 100. Bundesliga-Treffer (60.) und André Schürrle (65.) drehten die Partie vor 46.010 Zuschauern, ehe Herrmann den Schlusspunkt setzte.

Völler und Schürrle verärgert

Die Gäste, die seit dem 25. Februar 1989 kein Spiel in Mönchengladbach verloren, verpassten den Sprung auf Platz zwei und haderten mit dem späten Ausgleich. "Das ist natürlich ärgerlich, wir haben uns einfach nicht für den großen Aufwand belohnt", meinte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler. Auch Nationalspieler Schürrle war verärgert: "Wir schießen drei Tore und gewinnen nicht. Das ist echt bitter."

Mönchengladbach - Leverkusen 3:3

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Zweikampf zwischen Kießling und Dominguez

Leverkusen dominiert von Beginn an Spiel und Gegner. Nicht nur in dieser Szene ist Stefan Kießling (auf dem Foto rechts) eher am Ball als der Gladbacher Verteidiger Alvaro Dominguez.

Leverkusen dominiert von Beginn an Spiel und Gegner. Nicht nur in dieser Szene ist Stefan Kießling (auf dem Foto rechts) eher am Ball als der Gladbacher Verteidiger Alvaro Dominguez.

Doch aus all der Überlegenheit im ersten Durchgang macht Leverkusen nichts Zählbares - und kurz vor der Pause trifft Martin Stranzl zum völlig überraschenden 1:0 für Gladbach.

Doch Bayer kommt im zweiten Durchgang zurück, schafft den Ausgleich durch Sidney Sam (auf dem Foto rechts), den er mit Lars Bender ausgiebig feiert.

Nach dem Ausgleich ist die Partie ausgeglichener, auch die Gladbacher gehen intensiver in die Zweikämpfe und tun wesentlich mehr für das Spiel nach vorne.

Bernd Leno reckt sich vergebens - am Ende muss er in einem offenen Schlagabtausch dreimal hinter sich greifen. Ein Vorwurf ist ihm aber bei keinem der Tore zu machen.

Luuk de Jong (auf dem Foto rechts), der das Tor zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung der Gladbacher erzielt, und sein Flankengeber Juan Arango sind am Ende heilfroh über den Punktgewinn.

Die Leverkusener wie hier André Schürrle hingegen hadern mit der vergebenen Siegchance. Sie hätten die Partie schon im ersten Durchgang klar für sich entscheiden müssen.

Ohne Toprak und Reinartz

Die Leverkusener zeigten sich eine Woche nach der 2:3-Niederlage gegen Borussia Dortmund gut erholt. Für Ömer Toprak (Gelbsperre) und Stefan Reinartz (Grippe) rückten Daniel Schwaab und Sam in die Startformation. Die Gäste waren direkt von Beginn an die bestimmende Mannschaft im Borussia-Park und erspielten sich allein in den ersten 20 Minuten drei gute Tormöglichkeiten. Zunächst vergab Stefan Kießling freistehend (3.), dann scheiterte Lars Bender aus aussichtsreicher Position an Torhüter Marc-André ter Stegen (9.), und schließlich konnte Schürrle den Gladbacher Schlussmann nicht überwinden (18.).

Ring statt Marx

Die Gastgeber wirkten wie eine Auswärtsmannschaft, die auf Konter lauert. Wegen der Sperre von Tony Jantschke und der Verletzung von Thorben Marx musste Trainer Lucien Favre insgesamt dreimal umstellen, da Havard Nordtveit ins Team zurückkehrte. An seiner Seite stand in Alexander Ring ein neuer Mann auf der Sechser-Position.

Stabilität fehlte

Die Änderungen im Gladbacher Mittelfeld brachten nicht die gewünschte Stabilität, die Bayer-Elf ließ den Ball sicher zirkulieren und sorgte ständig für Gefahr vor dem Borussen-Tor. Schürrle scheiterte in der 36. Minute erneut an ter Stegen. Die Gastgeber hingegen erspielten sich bis zur 44. Minute nicht eine Torchance. Dann war allerdings Stranzl nach einer Ecke von Nordtveit per Kopf zur Stelle und erzielte die völlig überraschende 1:0-Führung für die Platzherren.

Nicht aus der Ruhe gebracht

Davon ließ sich die Bayer-Elf nicht aus der Ruhe bringen. Unmittelbar nach der Pause erzielte Sam mit einem Linksschuss von der Strafraumgrenze den 1:1-Ausgleich (52.). Dann ging es Schlag auf Schlag: Nach Flanke von Juan Arango traf de Jong zunächst zur 2:1-Führung der Gastgeber, ehe Kießling mit seinem 100. Bundesligatreffer (60.) und Schürrle (65.) zum 3:2 für Bayer trafen. In der Schlussphase gelang Herrmann per Kopf noch der Ausgleich.

Stefan Kießling Play-Icon

Stimmen zum Spiel Gladbach - Leverkusen (3:3) | 03:44 min | 09.02.2013 | Sportschau | Das Erste

"Hohe Bälle schlecht verteidigt"

Leverkusens Trainer Sascha Lewandowski war nach der Partie zwiegespalten. "In der ersten Halbzeit haben wir sehr temporeich gespielt, auch später war es offensiv noch top. Aber vor allem gegen die hohen Bälle der Gladbacher haben wir sehr schlecht verteidigt. Da müssen wir uns schnellstens verbessern und viel abgeklärter werden." Sein Kollege Favre war "sehr zufrieden mit diesem Punkt", haderte aber ebenfalls mit seiner Mannschaft: "Es war viel zu billig, wie wir im ersten Durchgang die Bälle verloren haben. So bekommen wir natürlich Riesenprobleme."

Sascha Lewandowski spricht auf der Pressekonferenz nach dem Spiel in Mönchengladbach Play-Icon

Sascha Lewandowski und Lucien Favre vor der Presse | 07:24 min | 09.02.2013 | Sportschau | Das Erste

Systemumstellung half

Erst die Umstellung auf ein 4-3-3 mit einem dichteren defensiven Mittelfeld bremste den Leverkusener Wirbel und ermöglichte auch eigene Torchancen. Favre sagte dazu: "Vorher sind wir überhaupt nicht zurechtgekommen, Leverkusen war einfach zu schnell für uns und hatte immer einen Mann mehr im Mittelfeld." Mit Blick auf die Europa League am Donnerstag (14.02.13) gab der Trainer zu: "Es ist viel leichter, die Mannschaft auf so einen starken Gegner wie Lazio Rom vorzubereiten, wenn man gegen Leverkusen einen Punkt gewonnen hat."

dpa/ch | Stand: 09.02.2013, 20:25