Der ewige Umbruch in Gladbach

Max Eberl

Der ewige Umbruch in Gladbach

Von Frank Hellmann

Trainer André Schubert zieht nach dem Trainingslager von Borussia Mönchengladbach in Belek zufrieden Bilanz. Für Sportdirektor Max Eberl ging es mal wieder darum, schon jetzt die Weichen über den Sommer hinaus zu stellen.

Die Aufregung unter den Anhängern von Borussia Mönchengladbach war am Mittwoch (13.01.15) zur Mittagszeit vor dem Hotel Maxx Royal mit Händen zu greifen. Vor den riesigen stählernen Buchstaben in roter Farbe postierten sich die 200 mit nach Belek gereisten Fans, um für das gemeinsame Gruppenfoto mit ihren Lieblingen zu posieren. Das Erinnerungsbild im Trainingslager einen Tag vor der Abreise hat Tradition - daraus entsteht bald ein Poster, das später in der Nordkurve des Borussia-Parks bei einem Heimspiel ausliegt.

Und diejenigen, die das achttägige Trainingslager in allen Facetten verfolgt haben, können stolz berichten: Wir sind dabei gewesen. Dass die den Fans vorbehaltene Herberge in direkter Strandlage nur durch den Personaleingang vom Mannschaftshotel getrennt war, vereinfachte die finale Prozedur.

Viel Lob für Gladbachs Neuzugänge

Fast ebenso zufrieden wie die Anhängerschaft zeigte sich André Schubert, als er am Mittwoch seine Bilanz zum Trainingslager vortrug. "Wir haben die Köpfe schnell wachbekommen und gut gearbeitet." Vor allem ist der Trainer ziemlich weit damit, zwei wichtige Neuzugänge in die Startelf einzubauen.

Jonas Hofmann, der Acht-Millionen-Einkauf von Borussia Dortmund, und Martin Hinteregger, Leihgabe von RB Salzburg, standen beim Härtetest gegen Hertha BSC (2:2) in der Anfangsformation. "Beides sind gute Typen: ehrgeizig, positiv und geerdet. Beide gliedern sich ein, auch wenn sie sehr unterschiedlich sind", lobte Schubert.

Hinteregger: Kein Beliebtheitspreis

Offensivmann Hofmann, gegen seinen Ex-Verein BVB im Topspiel am übernächsten Samstag wohl für die rechte Außenbahn eingeplant, sei "ruhig und zurückhaltend", hat der Cheftrainer festgestellt. Seine erste sportliche Einschätzung: "Er darf noch mehr Mut haben, ins Eins-gegen-Eins zu gehen, um seine Schnelligkeit zu zeigen." Dortmund sei schließlich ein Gegner, "der uns von null auf 100 alles abverlangt".

Verteidiger Hinteregger, der dann an der Seite von Andreas Christensen die Innenverteidigung bilden dürfte, sei ein "bodenständiger Kerl". Fußballerisch zeichne den kantigen Österreicher eine "aggressive Zweikampführung" aus. Tatsächlich hat sich die Borussia einen bestens ausgebildeten Innenverteidiger geangelt, der in der Bundesliga beim Gegner keinen Beliebtheitspreis bekommen dürfte.

Immer Gerüchte um Xhaka

Beide Winter-Zugänge, von Schubert als "Vorgriff auf den Sommer" tituliert, sind abermals ein Zeichen, wie sich der Traditionsverein vom Niederrhein positionieren will. Der 44-Jährige: "Wir wollen junge Spieler entwickeln." Borussia hat sich nicht erst seit Marco Reus dafür als ideale Plattform erwiesen, um den viel zitierten nächsten Schritt zu machen.

Für Sportdirektor Max Eberl ist das Fluch und Segen zugleich: Einerseits hat das Konzept dazu geführt, dass sich Gladbach abermals oben einordnet, andererseits werden die Begehrlichkeiten der Konkurrenz nicht weniger. Gerade um Kapitän Granit Xhaka - in der Rückrunde die ersten drei Spiele gesperrt - ranken sich immer wieder Wechselgerüchte. Neben dem FC Bayern sollen vor allem Vertreter aus der Premier League, die mit unfassbaren Angeboten aufwarten können, die auch Eberl nachdenklich stimmen, ein Auge auf den Schweizer geworfen haben.

Gladbachs Ziele bleiben offiziell bescheiden

Auch in der Türkei verwies Eberl gebetsmühlenartig darauf, dass die Borussia bei Xhaka das Heft des Handelns in der Hand habe. Gleichwohl: Werden horrenden Summen aufgerufen und der Spieler äußert Abwanderungsgelüste, wird wohl auch geredet. Wäre der Abschied des Abräumers zwar bitter, so würde er garantiert mit einer Rekordablöse versüßt. Unter den nach Belek gereisten Gladbach-Fans war die Causa das abendliche Gesprächsthema in den Sitzecken oder Barbereichen.

Ein gutes Argument kann in diesen Fällen sportlicher Erfolg sein. Platz vier wie zur Winterpause würde zumindest ja die Champions-League-Qualifikation ermöglichen. Doch Eberl hält - wie Schubert - den Ball diesbezüglich sehr flach, obwohl die Borussia nur noch einen Wettbewerb bestreitet: "Ich werde keine offensivere Zielsetzung ausgeben als im Vorjahr." Die Königsklasse hat allen gefallen, weil sie sportlich und wirtschaftlich das Nonplusultra bedeutet. Eberl: "Natürlich wäre es ein Traum, so etwas wiederzuerleben. Aber ein Verein, der von den vergangenen 20 Jahren allein 15-mal mehr mit dem Abstieg als mit dem Europapokal zu tun hatte, der geht einen falschen Weg, wenn er sich das zum erklärten Ziel macht."

Den 42-Jährigen nervt angeblich nicht, eingedenk des englischen Marktes die nächsten Jahre wohl einen ewigen Umbruch gestalten zu müssen. "Als ich meinen Vertrag für fünf Jahre verlängert habe, geschah das in dem Wissen, dass immer wieder Topspieler Borussia Mönchengladbach verlassen könnten. Trotzdem haben wir nach allen Verlusten geschafft, stabil zu bleiben." Eberl weiter: "Wir wollen auch weiterhin hungrige Spieler finden, die ihr Potential bei uns ausreizen. Wenn sie dann so gut werden, dass sie bei den Topklubs spielen können, tut uns das zwar weh, macht uns aber auch stolz."

Stand: 14.01.2016, 09:25

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