"Der Terminplan wird immer voller!" - Wirklich?

Erschöpfte Dortmunder nach dem Auswärtspiel in Mainz in der Bundesliga-Saison 2016/17

Fußball

"Der Terminplan wird immer voller!" - Wirklich?

Von Chaled Nahar

Die Spieler überlastet, der Terminplan zu voll - dieser Argumentation bedienen sich Klubs, Spieler und Verbände immer wieder. Doch gibt es wirklich mehr Spiele als früher? Die Daten lassen etwas anderes vermuten.

Ein tieferer Blick in die Terminpläne seit 1963, dem Gründungsjahr der Bundesliga, lässt vor allem zwei Schlüsse zu: Ja, es gab in den jüngsten 20 Jahren mehr Spiele (durchschnittliche Maximalzahl 68,15) als in den ersten 20 Jahren nach Gründung der Bundesliga (maximal 58,5). Stetig voller wird der Plan für die Spieler aber keineswegs.

Mehr Spiele? Das ist vorbei

Denn die Daten zeigen, dass die Saison 1999/2000 die wohl anstrengendste in der deutschen Fußballgeschichte war und die schlimmste Zeit damit überwunden scheint. So hatte ein Spieler einer Spitzenmannschaft in der EM-Saison 1999/2000 im Höchstfall sieben Spiele mehr zu absolvieren als in der EM-Saison 2015/16.

Harte Zeiten: Oliver Kahn im Gruppenspiel der Champions League 1999/00 gegen Glasgow Rangers

Harte Zeiten: Oliver Kahn im Gruppenspiel der Champions League 1999/00 gegen Glasgow Rangers

In der Rangliste der Spielzeiten nach der Gesamtzahl der Spiele taucht die erste Saison aus den jüngsten fünf Jahren erst auf Platz fünf auf, die zweite auf Platz 14. Die Theorie, dass es immer mehr Spiele, immer vollere Spielpläne und immer mehr Belastung gibt, lässt sich also nicht halten.

Wie die Rechnung zustande kommt

Folgende Spiele fließen in die Rechnung mit ein: alle Bundesligaspiele, alle möglichen DFB-Pokalspiele bis zum Endspiel, alle Spiele in der Champions League beziehungsweise im Europapokal der Landesmeister, ebenfalls einschließlich Finale. In den Saisons mit einer EM oder WM wird ebenfalls das Erreichen des Endspiels unterstellt. Eine Saison endet in der Rechnung mit dem Finale eines großen Turniers - in ungeraden Jahren bedeutete der 30. Juni das Saisonende. Für alle Länderspiele außerhalb der Turniere gilt der Spielplan der deutschen Nationalmannschaft eingerechnet.

In der Rechnung kommen nur die beiden deutschen Klub-Wettbewerbe, der wichtigste europäische Klub-Wettbewerb und die Länderspiele vor. Nicht berücksichtigt sind Testspiele der Klubs, der frühere Ligapokal, der heutige Supercup, die Relegation und die Wiederholungsspiele, die im DFB-Pokal bei einem Unentschieden nach Verlängerung bis 1991 durchgeführt wurden und häufig vorkamen. Auch die Klub-WM und der der europäische Supercup blieben unberücksichtigt.

Zwischenrunde der Champions League führte zu Höchstwerten

Beeinflusst wird der Terminplan vor allem durch Veränderungen in den Wettbewerben. Der Modus im DFB-Pokal wurde mehrfach geändert. In den Saisons 1971/72 und 1972/73 wurden die Spiele wie im Europapokal in Hin- und Rückspiel ausgetragen.

In den europäischen Wettbewerben war lange eine Steigerung festzustellen, die um die Jahrtausendwende mit der Zwischenrunde in der Champions League ihren Höhepunkt fand. Vor allem seit der Einführung der Champions League 1992 ist die Zahl der Spiele höher als zuvor. Seitdem es die Zwischenrunde nicht mehr gibt, ist die Zahl der Spiele insgesamt eher rückläufig.

Bei den Länderspielen ist in der Neuzeit eine zumindest leichte Entwicklung nach oben festzustellen. Doch auch hier ist die Zeit der Jahrtausendwende führend. Die Bundesliga bestand in ihren beiden ersten Saisons aus 16 Mannschaften, nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1991/92 zudem für eine Saison aus 20 Mannschaften - ansonsten waren es immer 18 Teams, also 34 Spiele pro Mannschaft.

Für Fans sieht es anders aus

Um mehr Sendeplätze und damit Möglichkeiten zur Vermarktung und Werbung zu haben, verteilten die DFL und die UEFA ihre Spiele in den vergangenen Jahren immer mehr über die ganze Woche. Montagsspiele in der 2. Bundesliga waren früher genauso ungewöhnlich wie Sonntagsspiele in der 1. Bundesliga. Die Champions League trägt die 16 Hin- und Rückspiele ihres Achtelfinales inwischen an acht verschiedenen Tagen aus. Und zwei Spieltage der WM-Qualifikation werden in Europa mittlerweile in einer fast kompletten Woche von Donnerstag bis Dienstag absolviert.

Die Ausweitung der WM ab 2026 zeigt diesen Trend: Für die Teams selbst gibt es weiterhin maximal sieben Spiele. Für den Fernsehzuschauer gibt es aber nun 80 statt 64 Termine, um ein Spiel zu sehen. Die Folge ist dieselbe wie in allen anderen Wettbewerben, der Terminplan des Fans wird voller - der des Spielers nicht unbedingt.

Stand: 17.05.2017, 08:00

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