Fürther Frust und die Endlosschleife

Der Fürther Trainer Mike Büskens während einer Pressekonferenz.

SpVgg Greuther Fürth - VfB Stuttgart 0:1 (0:1)

Fürther Frust und die Endlosschleife

Es sei schon ein bisschen wie beim "Dinner for one", sagte Mike Büskens. Nur mit dem Unterschied, dass in dem Lustspiel zu Silvester "the same procedure", also das immer Gleiche, jährlich aufgeführt wird - und bei Büskens' Klub SpVgg Greuther Fürth fast wöchentlich.

"Vielleicht", sinnierte Büskens nach dem 0:1 (0:1) gegen den VfB Stuttgart und dem Absturz auf Platz 18, "sollte ich mich mal so wegschütten wie der Butler. Das wäre mal was Neues."

Sich eine unangenehme Situation "schön zu trinken", das ist nicht Büskens' Art. Der frühere Schalker ist bekennender Malocher, und mit den Tugenden eines Bergmanns will er Fürth aus dem Schacht führen. "Jetzt gehen alle an die Steckdose, und dann werden wir nächste Woche wieder diesen Wahnsinn erleben", sagte er.

Der Sieg war möglich

Dabei war vor allem gegen Stuttgart der erste, der historische Heimerfolg möglich. Nach dem 0:1 durch das Tor von Shinji Okazaki per Kopf (45.) sahen 17.443 Zuschauer leidenschaftliche Fürther. Nicht erst, als VfB-Kapitän Serdar Tasci wegen seines Fouls gegen Milorad Pekovic Rot sah (52.), war die SpVgg besser. Sie traf Pfosten (Christopher Nöthe) und Latte (Edgar Prib) - oder VfB-Keeper Sven Ulreich.

Symptomatisch für die Abschlussschwäche, die auch der gute Nöthe in seinem ersten Spiel von Beginn an nicht bessern konnte, war eben die Szene, in der er den Pfosten traf. Es war die dritte Großchance binnen Sekunden. "Slapstick", habe er gedacht, gab Büskens später zu, "eigentlich dürfte ich das nicht sagen, aber das war mein Wort."

Bruno Labbadia spricht auf der Pressekonferenz nach dem Spiel in Fürth Play-Icon

Bruno Labbadia und Mike Büskens vor der Presse | 07:38 min | 01.12.2012 | Sportschau | Das Erste

Im Winter soll nachgebessert werden

Weil Büskens nur privat ein Fan von Komik ist, wird die SpVgg wohl im Winter zukaufen. Als um 18.12 Uhr im Presseraum kurz das Licht ausfiel, scherzte Büskens: "Jetzt sparen wir schon Strom, damit wir etwas machen können." Ganz so klamm ist Fürth nicht, kürzlich meldete der Klub, er hätte über vier Millionen Euro auf der hohen Kante. Geld, das in einen Stürmer gut angelegt wäre.

Gute Torhüter, das zumindest, haben sie in Fürth. Büskens gab am Samstag überraschend Wolfgang Hesl den Vorzug vor seinem bisherigen Stammtorwart Max Grün. "Das einzige, was wir ihm vorwerfen können, ist, dass er den Elfmeter nicht festgehalten hat", scherzte Büskens. Hesl parierte besagten Strafstoß von Vedad Ibisevic, doch Okazaki köpfte im Nachfassen zum Siegtor ein.

Michael Büskens Play-Icon

Stimmen zum Spiel Greuther Fürth - Stuttgart (0:1) | 00:29 min | 01.12.2012 | Sportschau | Das Erste

Hesl mit Stammplatzgarantie bis zum Winter

Büskens kündigte an, dass Hesl seinen Platz im Tor für die beiden Spiele bis zur Winterpause behalten wird. Dann habe Grün die Chance, sich wieder aufzudrängen. "Wir waren in allen Belangen überlegen - aber das Tor haben wir wieder nicht gemacht", sagte Hesl passend.

SpVgg Greuther Fürth - VfB Stuttgart 0:1

Die SpVgg Greuther Fürth wartet auch nach dem achten Heimspiel in der Bundesliga auf den ersten Dreier.

Fürths Zoltan Stieber (l.) kämpft mit Stuttgarts Ibrahima Traore um den Ball.

Fürths Zoltan Stieber (li.) liefert sich mit Stuttgarts Ibrahima Traore einen packenden Zweikampf.

Fürths Zoltan Stieber (li.) liefert sich mit Stuttgarts Ibrahima Traore einen packenden Zweikampf.

Stephan Fürstner (li.) kann den Ball vor Stuttgarts Zdravko Kuzmanovic behaupten.

Vedad Ibisevic läuft zu einen Foulelfmeter an. Fürths Torhüter Wolfgang Hesl (re.) in Erwartung des Schusses.

Japanische Freude: Stuttgarts Gotoku Sakai (l.) jubelt mit dem Torschützen zum 0:1, seinem Landsmann Shinji Okazaki.

Rudelbildung um Serdar Tasci, dem Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer nach einem Foul die rote Karte zeigt.

Enttäuscht geht der Ex-Nationalspieler vom Feld.

Fürths Christopher Nöthe (li.) schenkt Arthur Boka vom VfB Stuttgart keinen Zentimeter.

VfB-Trainer Bruno Labbadia feuert seine Mannschaft an.

Mit acht Punkten nach 15 Spielen ist noch keine Mannschaft in der Liga geblieben. "Wir können das nicht wegdiskutieren. Es ist normal, dass die Leute sagen, das war's", sagte Büskens: "Aber das ist nicht unser Ansatz. Wir werden uns in der nächsten Woche wieder mit allem, was wir haben, reinschmeißen." Frustsaufen? Nein, danke!

Kontroverse um Tasci-Platzverweis

VfB-Trainer Bruno Labbadia, einst selbst in Fürth auf der Bank, vermisste Alkohol ebensowenig, dafür aber Backwaren. "Wenn Frau Hack wieder ihren wunderbaren Kuchen mitgebracht hätte, wäre der Tag für uns perfekt gewesen", sagte er über die Ehefrau von SpVgg-Präsident Helmut Hack. Tasci ärgerte sich derweil über seinen Platzverweis - eine von elf Karten, die Referee Thorsten Kinhöfer (Herne) zog. "Der Schiedsrichter hatte zuerst die Hand an der Brusttasche, aber dann standen die sofort mit zehn Mann um ihn herum", sagte er.

Stephan Fürstner soll Kinhöfer von Rot überzeugt haben. "Der hat großen Anteil daran, das war eine unfaire Geste. Er sollte sich mal hinterfragen", schimpfte Ulreich. Das tun sie in Fürth, dafür wird Büskens schon sorgen.

sid | Stand: 01.12.2012, 19:20